Nach dem Feuer in Notre-Dame: Wie sicher sind Lünens Kirchen?

dzBesonderer Brandschutz

Es war erschütternd zu sehen, wie die Flammen sich durch Notre-Dame fraßen. Was passiert, wenn St. Georg oder St. Marien in Lünen Ähnliches widerfährt wie der Kathedrale in Paris?

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 16.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Während alle Welt auf Paris schaute, und um das bedeutende Bauwerk, wertvolle Kulturschätze und religiöse Reliquien bangte, braucht man sich nur Lünens Panorama vor Augen zu rufen, um sich zu fragen: Könnte das hier auch passieren?

Im Lüner Stadtgebiet gibt es 20 Kirchen. Insgesamt acht davon - vier evangelische in Mitte, Horstmar, Preußen und Brambauer und vier katholische in Mitte, Beckinghausen und Brambauer - stehen auf der Liste der Baudenkmäler und sind somit schon als Gebäude schützenswert. Und zwei von ihnen, die beide auch bedeutende Kunstschätze bergen, prägen Lünens Innenstadt: Die evangelische St.-Georg- und die katholische St.-Marien-Kirche.

Drehleitern nicht für alle Türme lang genug

Zu jedem Kirchengebäude hat die Feuerwehr Lünen entsprechende Einsatzunterlagen. Darin enthalten sind unter anderem Angaben zu Ansprechpartnern, zu Möglichkeiten der Befahrung, zur Erreichbarkeit mit Drehleitern, zur Wasserversorgung und zu taktischen Einsatzmöglichkeiten.

Die beiden Drehleitern der Lüner Feuerwehr sind 30 Meter lang. Um sie in voller Länge zu nutzen, sind besondere Vorkehrungen (Sicherung der Feuerwehrleute) nötig.

„Mit der Steighöhe von 30 Metern erreichen die Hubrettungsfahrzeuge der Feuerwehr Lünen 15 der erwähnten 20 Kirchen“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt. „In den vorliegenden Einsatzunterlagen sind für höhere Kirchen zum einen Feuerwehren verzeichnet, die größere Höhen mit entsprechenden Fahrzeugen erreichen (z.B. Feuerwehr Dortmund), und zum anderen Betriebe, die mit Kranfahrzeugen Plattformen in die entsprechenden Höhe bringen können.“ Insbesondere St. Marien sollte also gut geschützt sein.

Steigleitung in St. Marien

Mit 83 Metern (inklusive Kreuz und Hahn) zählt der Turm von St. Marien zu den den 100 höchsten Deutschlands. Zwischen 1894 und 1896 erbaut, ist diese kreuzförmige neugotische Basilika bedeutend jünger als Notre-Dame, die Mitte des 14. Jahrhunderts fertig gestellt wurde. „Die Bauelemente dieser beiden Kirchen sind wahrscheinlich kaum zu vergleichen“, sagt St. Mariens Verwaltungsreferentin Beate Galler, „da sie aus unterschiedlichen Zeiten stammen.“

Der abgebrannte Dachstuhl der französischen Kathedrale, könne laut Medienberichten auch nicht originalgetreu wieder aufgebaut werden, da es derzeit keine Bäume von der Größe gebe, wie sie im 13. Jahrhundert gefällt und verarbeitet wurden. „Die Wände von St. Marien bestehen aus Ziegelsteinmauerwerk, die Säulen aus Sandstein, die Kreuz- und Klostergewölbe aus Ziegelsteinen und sind von der Unter- und Oberseite zusätzlich verputzt, was auch brandschützend wirkt“, beschreibt Beate Galler die Baukonstruktion des Gotteshauses. „Und die bleiverglasten Fenster haben außen eine Schutzverglasung, damit nicht zusätzlich Luft gezogen werden kann.“

Fünf Hydranten in unmittelbarer Umgebung

Lediglich der Dachstuhl ist eine Holzkonstruktion. Hinter dem Turm gibt es allerdings eine Steigleitung, also einen fest installierten Schlauch, sodass die Feuerwehr im Falle eines Brandes auf das Dach transportieren muss. In unmittelbarer Umgebung gibt es fünf Hydranten. Außerdem ist in einem Nebengebäude in einem Feuertresor ein Schlüssel für die Feuerwehr hinterlegt. „Wir halten immer die Augen offen“, sagt Galler. „Ich glaube, dass wir gut gesichert sind.“

Nach dem Feuer in Notre-Dame: Wie sicher sind Lünens Kirchen?

Die Kirche St. Georg ist ähnlich alt die wie Kathedrale Notre-Dame. © Blaszczyk

Etwas anders dürfte es bei St. Georg aussehen. Die Kirche an der Fußgängerzone gilt als ältestes Gebäude der Stadt. 1360 bis 1366 erbaut, ist sie ähnlich alt wie Notre-Dame. Der Westturm fiel im 16. Jahrhundert tatsächlich schon einmal einem Brand zum Opfer und wurde bis 1521 wieder aufgebaut. Und der Ostgiebel besteht aus Fachwerk, so dass er recht feueranfällig sein dürfte. Auch bei den beiden etwa 100 Jahre alten evangelischen Kirchen in Horstmar und Preußen wurden die damals verfügbaren Baumaterialien verwendet, unter anderem Holz für die Dachkonstruktion und den Glockenturm. „Natürlich können Kirchen brennen. Im Gestühl wurde Holz verarbeitet“, sagt Baukirchenmeister Jürgen König.

Regelmäßige Kontrollen

In regelmäßigen Abständen begeht die Feuerwehr die Lüner Kirchen. Dabei werden vorhandene Pläne überprüft und gegebenenfalls aktualisiert.

Sollte es zu einem Einsatz kommen, sind die Feuerwehr angewiesen, nachdem Menschen und Tiere gerettet wurden, auch Gegenstände in Sicherheit zu bringen.

Bisher hat es jedoch keinen großen Feuerwehreinsatz in einer Lüner Kirche gegeben. Lediglich einen kleinen: In einer Kirche waren nach einer Veranstaltung Teelichter nicht gelöscht worden. Diese haben sich entzündet und konnten, da sich der Schaden auf eine kleine Fläche begrenzte, schnell gelöscht werden, teilt die Stadt mit.

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