Mutter (20) und Sohn (4) starben bei Unfall auf Moltkestraße: Vater droht Anklage

dzFahrlässige Tötung?

Die Familie war im Oktober auf dem Rückweg von einer Familienfeier. Auf der Rückfahrt prallte ihr Auto gegen einen Baum. Nur der Vater war angeschnallt - und betrunken.

Lünen

, 22.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frontal war der Audi A6 am 26. Oktober 2019 spätabends vor einen Baum an der Molktestraße geknallt. Alle vier Insassen rangen in der Folge um ihr Leben, die Mutter (20) und der Sohn (4) der rumänischen Familie verloren diesen Kampf und starben.

Der Fahrer (20) und die Tochter (2) überlebten. Der Vater wird sich für den Unfall aller Wahrscheinlichkeit vor Gericht verantworten müssen. Der Vorwurf: Fahrlässige Tötung.

Ein wichtiges Gutachten steht noch aus

„Ich gehe davon aus, dass wir Anklage erheben werden“, sagt dazu Staatsanwältin Sandra Lücke auf RN-Anfrage. Ganz sicher sei das noch nicht, weil ein wichtiges Gutachten noch ausstehe. Das nämlich, das bestimmen soll, wie schnell der Wagen in dieser Nacht unterwegs war. Zeugen hatten ausgesagt, der 20-Jährige Vater sei zu schnell gefahren und habe ein anderes Fahrzeug überholen wollen.

Mutter (20) und Sohn (4) starben bei Unfall auf Moltkestraße: Vater droht Anklage

So sah es an der Unfallstelle am Morgen nach dem Unfall aus. © Quiring-Lategahn

Was anfangs vermutet wurde, steht indes mittlerweile fest: Der Fahrer war „erheblich alkoholisiert“, wie Staatsanwältin Lücke sagt, bei der Blutprobe wurden 1,6 Promille gemessen. Das Blut war dem Mann im Krankenhaus abgenommen worden. Laut Lücke sei die Familie auf dem Rückweg von einer Familienfeier gewesen.

Nur der Fahrer war angeschnallt

Wieso genau der Wagen von der Straße abkam, sei noch nicht klar, sagt Lücke, darüber gebe möglicherweise auch das noch ausstehende Gutachten Aufschluss.

Der Fahrer hat den Unfall wahrscheinlich auch deshalb überlebt, weil er der Einzige im Auto war, der angeschnallt war. Absolut sicher könne man das nicht sagen, sagt Lücke. „Bei den Verstorbenen haben wir aber keine Gurtmarken gefunden“, sagt sie.

Der Gurt des Vaters sei von den Rettungskräften in der Nacht durchgeschnitten worden. Der Mann war im Fahrzeug eingeklemmt, die Feuerwehr musste den Schwerverletzten aus dem Wagen befreien. Die Mutter und die beiden Kinder waren schon von Ersthelfern aus dem Auto geholt worden.

Belastender Großeinsatz für die Rettungskräfte

Der Unfall hatte einen Großeinsatz für die Rettungskräfte zur Folge: Im Einsatz waren zwei Notärzte, ein Kindernotarzt, der leitende Notarzt des Kreises, die Berufsfeuerwehr Lünen und die Polizei. Als besonders belastend hatten die Einsatzkräfte diesen Abend auch bei ihrer Jahresdienstbesprechung am 17. Januar in Erinnerung.

Wird der Vater tatsächlich wegen fahrlässiger Tötung angeklagt und verurteilt, ist nach §222 Strafgesetzbuch eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren denkbar.

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