Münsterstraße in Lünen: Neue Beschilderung ärgert manche Fahrradfahrer

dzFahrrad fahren

Die Stadt versteht es als Beitrag für mehr Sicherheit für Radfahrer entlang der Münsterstraße. Nicht alle Radler scheinen sich aber darüber zu freuen - ganz im Gegenteil.

Lünen

, 04.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer vom Lüner Hauptbahnhof in Richtung Wethmar radelt, ist einiges gewohnt: Einen nur engen Radwegestreifen, Autotüren, die sich plötzlich links öffnen, Fußgänger, die von rechts in den Weg treten und Huckel durch die Platanenwurzeln, die den Bodenbelag nach oben stemmen. Seit Dezember 2019 gibt es das Versprechen, dass alles besser werde. Vor einer Woche hat die Stadt es eingelöst. An dem Ergebnis scheiden sich aber die Geister.

Andreas Dahlmann sieht Gefahr statt Verbesserung

Andreas Dahlmann gehört zu denen, die daran eher eine Verschlimmbesserung sehen: „So erreicht man nur Frust und nicht den erwünschten Umstieg von Auto aufs Rad“, steht für den Pastoralreferenten fest, der regelmäßig zwischen Altlünen und Werne pendelt - seit der Umgestaltung des Radwegs mit noch größeren Sorgen als vorher. Jedem, der das nicht versteht, empfiehlt er, sich auch mal aufs Rad zu setzen und zwischen Bussen und Transportern über die Münsterstraße zu fahren, “insbesondere zu den Stoßzeiten“.

Genau da ist seit dem 28. Mai der Platz der Fahrradfahrer: Auf der Fahrbahn. Denn der einst kombinierte Geh- und Radweg ist inzwischen ein reiner Gehweg geworden, der allerdings auch für Radfahrer freigegeben ist. Piktogramme auf der Fahrbahn und Schilder - weißer Fußgänger auf blauem Grund mit dem Zusatzschild für Radfahrer frei - signalisieren das. Die Stadt Lünen sieht darin einen Vorteil für die Radler.

Radler dürfen die Fahrbahn benutzen

„Aufgrund der neuen Beschilderung ist es für Radfahrerinnen und Radfahrer nun möglich, einen größeren Bereich des Weges mitzubenutzen, sofern keine Fußgängerinnen und Fußgänger gefährdet werden“, teilt die Stadt Lünen mit. Zuvor hätten Radfahrerinnen und Radfahrer ausschließlich den Radstreifen neben dem Fußweg nutzen dürfen. Stimmt, ist aber nur die halbe Wahrheit, wie Dahlmann weiß.

Denn wer zügig mit dem Fahrrad von A nach B will, ist gut beraten den Fußweg zu meiden. Dort ist nämlich nicht nur Rücksicht zu nehmen, wie die Stadt schreibt. Die Straßenverkehrsordnung räumt dort den Fußgängern absoluten Vorrang ein. Radfahrer dürfen dort - genauso wie in Fußgängerzonen, die für Fahrräder freigegeben sind - nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Vier bis sieben Stundenkilometer: Da droht mancher aus dem Gleichgewicht zu kommen, so langsam ist das. Für E-Bikes gar keine Option - anders als die Straße.

Mit dem Radweg ist die Benutzungspflicht verschwunden

Hans-Jürgen Heidenreich von der ADFC-Gruppe sieht darin durchaus einen Vorteil. Denn bislang sei es Radfahrern verboten gewesen, die Straße zu nutzen. So lange der getrennte Geh- und Radweg existiert habe - ein Weg: links Radfahrer, rechts Fußgänger - , habe es eine Benutzungspflicht dafür gegeben. Die sei jetzt aufgehoben. Anders als Dahlmann sieht Heidenreich darin kein Risiko. Schließlich sei auf großen Teilen nur die Maximalgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern erlaubt.

Bei Tempo 30, sagt Heidenreich, der selbst als Verkehrsplaner arbeitet, seien separate Radwege nicht nötig und würden dort auch nicht gebaut. „Das ist absolut verträglich.“ Kinder oder andere, die sich nicht sicher fühle auf der Fahrbahn, könne im Fall der Münsterstraße ja immer noch auf den Gehweg wechseln - also den Bereich, auf dem nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist.

Warum dann die roten Markierungen?

Für Andreas Dahlmann ist das keine sinnvolle Lösung. Für alle anderen, die in der aktuellen Corona-Zeit ihr Rad als Alternative zum Auto oder zum öffentlichen Personennahverkehr nutzen möchten, auch nicht, wie er meint. Umso irritierender findet er es, dass die Stadt in Einmündungsbereichen zwischen den Fußwegen, auf denen Radfahrer nur Schritttempo fahren, rote Radfurten mit signalroter Farbe ausgewiesen hat.

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