Der neue Pfarrer für Cappemberg kommt mit Hindernissen: Pater Joachim Hagel. © Pfarrgemeinde Strobl
Stiftskirche Cappenberg

Moraltheologe vom Wolfgangsee wechselt in Mini-Gemeinde im Münsterland

Der Nachfolger von Pater Gregor Pahl hat eine lange Anreise: vom Wolfgangsee nach Cappenberg. Der Start in der zweitkleinsten Gemeinde im Bistum wird nicht nur deshalb für den Moraltheologen schwierig.

Reisen ist derzeit schwierig. Das Durchführen von Bewerbungs- und Kennenlerngesprächen ebenfalls. In diesen Fällen helfen Video-Konferenzen. Eine solche hat der fürs Dekanat Werne zuständige Dechant Claus Themann aus Selm am Freitagabend organisiert: mit Teilnehmern aus dem Münsterland, dem Ruhrgebiet und dem Salzkammergut. Es ging um die Neubesetzung der Pfarrstelle in Cappenberg.

„Wunderbar und mit positivem Votum“, so beschreibt Pater Joachim Hagel am nächsten Tag die digitale Unterredung mit den Verantwortlichen von Pfarreirat und Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist Cappenberg-Langern. Für den 60-jährigen Seelsorger und Universitäts-Dozenten steht damit der Weg frei in sein neues Tätigkeitsfeld – theoretisch zumindest. Denn praktisch gibt es noch Schwierigkeiten.

Grenzübertritt mit Schwierigkeiten in Zeiten von Corona

„Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Österreich, mit Ausnahme der Gemeinde Jungholz in Tirol und des Kleinwalsertals/der Gemeinde Mittelberg in Vorarlberg, wird aufgrund hoher Infektionszahlen derzeit gewarnt“, heißt es seit Mittwoch beim Auswärtigen Amt. Das österreichische Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten schreibt: „Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) wird (…) bis auf weiteres vor allen touristischen und nicht notwendigen Reisen gewarnt.“ Der Prämonstratenser-Chorherr vom Wolfgangsee ist zwar kein Tourist, und die berufsbedingte Reise gilt als notwendig, dennoch ist die Organisation alles andere als einfach. Pater Joachim Hagel hat allerdings einen Plus-Punkt.

„Ich bin geimpft“, sagt er. Genauso wie sein Nachfolger, der bereits am Wolfgangsee eingetroffen ist, hat er bereits die Impfung erhalten, weil beide täglich in Altenheimen unterwegs sind und dort Kranken und Sterbenden beistehen, auch Covid-Patienten. Vorausgesetzt, sie werden auch ans Krankenbett gerufen. Denn eine aufsuchende Seelsorge ist angesichts der geltenden Corona-Regeln untersagt, wie Hagel sagt. Die Einschränkungen für kirchliche Gemeinschaften sind in Österreich sogar noch strenger als in Deutschland.

Gottesdienste nur noch mit zehn Personen in Salzburg

„Wir feiern Gottesdienste nur mit maximal zehn Personen“, sagt Pater Joachim Hagel. Alle haben sich vorher angemeldet. Im Cappenberger Schlosstheater – die Stiftskirche ist wegen der noch das ganze Jahr laufenden Sanierungsarbeiten geschlossen – kommen noch immer etwa 20 bis 30 Menschen zusammen – mit entsprechendem Abstand. Sie brauchen sich nicht vorher anzumelden, sondern es genügt, seine Adresse in einer Namensliste einzutragen.

60 Jahre alt und ein gebürtiger Münsteraner ist der neue Pfarrer von Cappenberg: Pater Joachim Hagel. © Walter Luginger © Walter Luginger

Wenn der Inzidenzwert im Kreis Unna bis zum 14. Februar unter 50 sinken sollte, stehen weitere Lockerungen an. Pater Joachim Hagel trifft am 1. März in seiner neuen Wirkungsstätte ein. Als gebürtiger Münsteraner kennt er Cappenberg. Erst recht als Mitglied der Prämonstratenser-Abteil Hamborn:

Vor 900 Jahren hatte der Heilige Norbert den Orden der Prämonstratenser gegründet. Cappenberg war das erste Kloster im deutschsprachigen Raum. Die Abtei in Duisburg-Hamborn hat sich deshalb verpflichtet, stets für Cappenberg einen Seelsorger zu stellen: der Grund, warum die kleine 1200-Seelen-Gemeinde nicht längst mit den deutlich größeren Nachbargemeinden fusioniert worden ist.

Arbeitsplatz, wo Helmut Kohl Urlaub gemacht hat

Was Fusion bedeutet, kennt Pater Joachim Hagel. Er kam schon mal bis auf zehn Gottesdienste an einem Wochenende. Immerhin: Seelsorge sei so noch möglich gewesen. Aber auch in der Erzdiözese Salzburg wird es künftig weitere Einschnitte geben. Das mache ihm den Abschied leichter. Der promovierte Volkswirtschaftler war zuletzt Leiter des Pfarrverbandes Salzkammergut mit mehreren Pfarreien: Strobl, Fuschl am See und Sankt Gilgen mit St. Konrad Abersee – alles beliebte Urlaubsziele am Wolfgangsee. Nicht zuletzt Kanzler Helmut Kohl hatte regelmäßig in St. Gilgen Ferien gemacht.

Pfarrer zu sein, das bedeutet für Pater Joachim Hagel, „den Glauben zu leben und zu feiern. Begeisterung dafür zu wecken und auszustrahlen.“ Der 60-Jährige hat aber bislang nicht nur als Seelsorger gearbeitet, sondern immer auch als Hochschullehrer. Hagel ist Moraltheologe. Auf die Frage am Telefon, was das denn genau sei, lacht er. Nein, seine Aufgabe sei es nicht, unablässig Verbote zu formulieren und peinlich auf ihre Einhaltung zu achten. „Ziel von Moraltheologie ist es, dass jeder Mensch das bestmögliche Leben führt, zu dem er fähig ist.“ Dass er glücklich werde „und so den Plan verwirklicht, den Gott mit ihm hat.“

„Pfarrer zu sein, bedeutet für mich, den Glauben zu leben und zu feiern. Begeisterung dafür zu wecken und auszustrahlen.“

Pater dR. Joachim Hagel

Hagel kann das auch komplexer ausdrücken. Für seine Habilitationsschrift „Solidarität und Subsidiarität: Prinzipien einer teleologischen Ethik?“ hatte er 2000 den Wissenschaftspreis des Katholisch-Sozialen Instituts der Erzdiözese Köln erhalten. Es folgten Lehraufträge an den Hochschulen in Salz­burg, Erfurt, Münster, Benediktbeuern, Augsburg, Erfurt und Marburg. Eine Seminarreihe wird er weiterführen, „erst einmal“, wie er sagt.

Einzug ins Torhaus statt ins Pfarrhaus

Am 1. März trifft Pater Hagel in Cappenberg ein, am 2. März folgt der Umzugswagen. Seine Bücher und Möbel räumt er allerdings nicht ins Pfarrhaus ein, das auch bald renoviert werden wird, sondern in einer Wohnung im Torhaus des Schlosses. Wie die Quarantäne-Auflagen nach dem Grenzübertritt sind und wann er sich der Gemeinde vorstellen kann, ist noch offen.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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