Mit dem Kanu auf der Lippe unterwegs

LÜNEN Die Lippe aus einer völlig neuen Perspektive? Reporter Dieter Hirsch war mit dem Kanu auf dem Fluss unterwegs und entdeckte, dass das ihm bekannte Gewässer auch andere Gesichter haben kann.

von Von Dieter Hirsch

, 04.07.2008, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Farbkontrast: Mit den roten Kanus ging es durch den dunkelgrünen Wasserpflanzen-Wald.

Farbkontrast: Mit den roten Kanus ging es durch den dunkelgrünen Wasserpflanzen-Wald.

Da wohnt man Jahrzehnte an der Lippe. Man glaubt den Fluss zu kennen, der direkt durch Stadt fließt. Und dann gleitet man das erste Mal im Kanu über diesen Fluss und fragt sich "Ist das wirklich die Lippe?" So habe ich den Fluss noch nicht gesehen....

Aber der Reihe nach. Wir begleiten Mathias Sandmann vom Lippetouristik e.V.. Der Verein organisiert Kanutouren und heute haben elf Personen die Lippetour zwischen Beckinghausen und dem Haus Dahl auf Waltroper Stadtgebiet gebucht. Mit dabei ist zum Beispiel Detlef Kiese aus Datteln. Der 45-Jährige war als Jugendlicher im Kanuclub. "Das ist wie Radfahren. Das verlernt man nicht." Klaus Kalusche ist 56 und ein erfahrener Kanute. "Ich kenne die Strecken. Für mich ist so eine Kanutour die absolute Entspannung."

Einweisung

Nach einer kurzen Einweisung - das Lenken eines solchen Bootes ist nicht wirklich einfach - gleitet das Kanu-Quartett sanft dahin. Der Fluss wirkt sehr breit. Viel breiter als beim Blick von der Brücke. "Bitte in der Mitte halten, damit die Tiere am Ufer so wenig wie möglich gestört werden", bittet Mathias Sandmann.

Tun wir. Dies registriert ein Reiher mit sichtlichem Wohlwollen. Er steht und äugt und steht und äugt und steht immer noch als wir langsam an ihm vorbeigleiten. Das Atmen haben wir noch nicht eingestellt, aber ansonsten rühren wir uns nicht. Die Strömung treibt uns voran.

Gerade will ich scherzen und den Chef fragen, ob der Vogel extra für uns da festgenagelt wurde, da breitet der Reiher seine Schwingen aus und hebt ab. Majestätisch und unangestrengt sieht das aus. Und weg isser.

Unterwegs auf dem längste Fluss Westfalens

Wussten Sie, dass die Lippe der längste Fluss Nordrhein-Westfalens ist. 256 Kilometer von der Quelle bis nach Wesel zur Mündung. Die Ruhr kommt nur auf 220 Kilometer. Der Blick fällt aufs Ufer. Büsche und Bäume bilden an vielen Stellen eine undurchdringliche Mauer. Unvorstellbar, dass es für sämtlich wahrnehmbare Grüntöne Namen gibt.

Heinz Glowsky gehört zur Crew von Boot drei. Er ist 60 und hat die Tour zum Geburtstag geschenkt bekommen. Heinz ist ein wandelndes Geschichtsbuch in Sachen Zeche Viktoria und Westfalia. Wir lassen uns treiben und hören zu. Tourbegleiter Peter Schwengler erzählt vom Römerhafen an der Lippe. 7-11 vor Christus waren in der Nähe 25 000 Mann stationiert. Wir starren ehrfürchtig auf den kleinen Sandstrand. Historischer Boden.

Wir nähern uns der Stadt. Stadtkirche und Rathaus werfen einen Blick über die Deichkante. Das Merschparkhaus wirkt wie hingetupft. Unter uns vielleicht 70 Zentimeter Wasser - und das ist an dieser Stelle so was von glasklar. "Bei unserer ersten Tour sind wir hier mit Steinen beworfen worden. Das war ziemlich knapp", erinnert sich Mathias Sandmann.

Schwanenfamilie

Nach einer kurzen Rast verlassen wir die Stadt in Richtung Segelflugplatz. Vor uns zieht eine Schwanengroßfamilie ihre Bahnen. Enten hocken im Schatten. Den hätte ich in diesem Moment auch gerne. Die Sonne brennt, die Wasserfläche verstärkt die Strahlung und ich näherer mich farbenmäßig dem Feuermelder. Kleiner Tipp: Vor der Tour dick mit Schutzcreme einschmieren.

Der mächtige STEAG-Block und der Kühlturm wachsen langsam aus dem Boden. Ich gebe zu: Dieses Bild aus dieser Perspektive hat was. Das erste Etappenziel, das Wehr an der STEAG ist erreicht. Ab an Land und erstmal ´ne Pause machen. Für mich endet die Tour hier. Sie hat sich gelohnt.

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