An der Kreuzstraße entstehen derzeit 15 Wohnugen in zwei Wohnhäusern. Bauherr ist der Bauverein zu Lünen. © Goldstein
Mieten

Mietpreise in Lünen innerhalb fünf Jahre um 17 Prozent gestiegen

Laut eines großen Immobilienportals sind die Mieten in Lünen seit 2015 um 17 Prozent gestiegen. Große Lüner Vermieter bestätigen das nur teilweise. Ein Familie berichtet von ihrer langen Suche.

Mehrere Jahre suchte das Ehepaar Ehlandt eine Wohnung in Lünen, die ihren Vorstellungen entspricht. Vor allem aber: Die seinen preislichen Rahmen nicht sprengt. „Vor zwei Jahren haben wir uns bei der WBG und auch beim Bauverein eintragen lassen“, erzählt Elke Ehlandt.

„Ich bin immer mal wieder hingegangen, um nachzufragen, aber es hat sich nie etwas Bezahlbares ergeben. Acht oder neun Euro pro Quadratmeter können wir von unserer Rente einfach nicht zahlen.“ Man müsse ja auch in die Zukunft denken. Erst als die Not bezüglich ihrer derzeitigen Wohnung wirklich groß wurde, sich ein Umzug nicht mehr aufschieben ließ, ergab sich für die 66-Jährige und ihren Mann eine Möglichkeit: „Über Mund-zu-Mund-Propaganda und tausend Ecken.“ In wenigen Wochen bezieht das Ehepaar eine 70 Quadratmeter große Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung bei einem privaten Vermieter. Mietpreis: 700 Euro warm mit Garten und Terrasse.

Auch über ihren Sohn kann Elke Ehlandt Ähnliches berichten: Er suche seit zweieinhalb Jahren. „Aber obwohl er Vollzeit arbeitet ergibt sich für ihn einfach nichts“, sagt sie. „Die Mietpreise sind schlicht utopisch.“

Kaltmieten bis 6,30 Euro in Lünen

Laut dem Portal Immowelt sind die Mieten in deutschen Mittelstädten, also solchen mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern, zwischen 2015 und 2020 um bis zu 43 Prozent gestiegen. „In 97 von 110 deutschen Mittelstädten sind die Angebotsmieten in den vergangenen fünf Jahren im zweistelligen Prozentbereich gewachsen, in 31 davon gar mehr als 25 Prozent“, heißt es in der Mitteilung.

„In rund der Hälfte der Mittelstädte wird der Quadratmeter im Median bereits für 8,00 Euro oder mehr angeboten. Vor fünf Jahren erreichte nur ein Fünftel der Städte dieses Niveau.“ Untersucht wurden Wohnungen mit 40 bis 120 Quadratmetern, die vermehrt auf dem Portal nachgefragt wurden. Für Lünen kommt Immowelt auf einen Anstieg des Quadratmeterpreises um 17 Prozent: Die Kaltmiete stieg von 5,40 Euro auf 6,30 Euro.

Zum Vergleich: In Unna stiegen die Mieten um acht Prozent auf 6,50 Euro, in Velbert um sieben Prozent auf 6,20 Euro.

„Gigantische“ Baukosten

Andreas Zaremba, Vorstandsvorsitzender beim Bauverein zu Lünen kann diese Entwicklung für die 5500 Wohnungen des Bauvereins insgesamt bestätigen. „Bei den Bestandswohnungen liegen wir mit 5,20 Euro zwar sogar deutlich unter der öffentlichen Förderung von 5,90 Euro. Für die Neubauten gilt dieser Preis allerdings nicht.“

Dabei verweist Zaremba auf die „gigantisch“ gestiegenen Baukosten. Als Beispiel nennt er ein Objekt auf der Lüner Heide. Vor fünf Jahren habe der Bau 30 Prozent weniger gekostet, als aktuell der Bau eines vergleichbaren Objekts in Horstmar.

Die Mieten in den Altbeständen haben sich über diese Zeitspanne von 4,95 Euro auf 5,20 Euro lediglich um fünf bis sechs Prozent erhöht. Nehme man allerdings den Mittelewert der Neubau- und der Altbestandsmieten komme man tatsächlich auf die Mietpreiserhöhung von 17 Prozent.

Ähnlich sieht es bei der Wohnungsbaugenossenschaft Lünen (WBG) aus. Hier sind die Mieten zwischen 2015 und 2020, bezogen auf Alt- und Neubauten, von 4,95 Euro auf 5,25 gestiegen um lediglich sechs Prozent gestiegen.

Dabei seien auch hier die Neubaumieten deutlich teurer geworden, die Bestandsmieten blieben aber auf niedrigem Niveau. Für letztere verweist Geschäftsführer Rainer Heubrock auf den Lüner Mietspiegel. Dieses Mittel zur Ermittlung ortsüblicher Vergleichsmieten liegt bei durchschnittlich 5,30 Euro für Wohnungen, die vor dem 2002 gebaut wurden. Ab 2002 liegt die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter bei 8,20 Euro. Der aktuelle Mietspiegel erfasst Wohnungen, die bis 2013 gebaut wurden und ist noch bis Ende Juni diesen Jahres gültig.

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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