Privatleute, die Strom auf dem eigenen Dach produzieren, können diesen selbst verbrauchen. Als Vermieter ist eine Weitergabe des Stroms jedoch alles andere als einfach. © picture alliance/dpa
Energiewende

Mieterstrom: Lüner Wohnungsgesellschaften sagen ja, stoßen aber an Grenzen

Mit Spannung blicken die Lüner Wohnungsbaugesellschaften derzeit nach Berlin: Was wird der Regierungswechsel in Sachen Klimaschutz bringen? Vor allem beim Mieterstrom gibt es hohe Erwartungen.

Mieterstrom ist derzeit in aller Munde. Dabei sollen Mieter selbst Strom erzeugen können. Beispielsweise mit mobilen Photovoltaikanlagen, die einfach an der Balkonbrüstung befestigt werden. Doch auch Vermieter sollen Strom erzeugen und an ihre Mieter abgeben können. So die Theorie. In der Praxis läuft das jedoch nicht in breiter Masse, weil die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen nicht gegeben sind.

Egal, was ein Hauseigentümer mache, irgendwie stehe er immer mit einem Bein auf der falschen Seite des Gesetzes, klagt die Verbraucherzentrale NRW. Auch die beiden großen Lüner Wohnungsbaugesellschaften, der Bauverein zu Lünen und die Wohnungsbaugenossenschaft Lünen (WBG), hadern mit den rechtlichen Rahmenbedingungen. Und die Kreis-Bau- und Siedlungsgemeinschaft in Unna (UKBS) stimmt mit ein.

Kapazitäten vorhanden

„Wir haben so viele Dächer, das würde sich richtig lohnen“, spielt Carsten Unterberg, Bauverein-Vorstand, auf die Kapazitäten für Solarstrom allein in Lünen an. „Aber wir müssen den Strom ins Netz einspeisen, direkt an die Mieter geben dürfen wir ihn nicht.“ Und beim Blick auf das, was der Bauverein an Verkaufssummen bei der Einspeisung erziele, die Mieter aber für den „Rückweg“ zahlen müssten, ist dem Vorstand die Lücke zu groß. „Wir investieren immense Summen, aber wir und unsere Mieter haben nichts davon.“ Zumal man den Strom auch nicht an die Mieter verschenken dürfe.

Auch die WBG befasst sich seit mehr als einem Jahr intensiv mit dem Thema Mieterstrom – ist aber ebenfalls noch nicht zu einer praktikablen Lösung gekommen. „Wir sind immer noch in der Findungsphase“, sagt Vorstandsvorsitzender Rainer Heubrock. Zwar würde man gern die Sonnenenergie nutzen und setze daher beim Bau auf mehr Satteldächer, die für Photovoltaikanlagen geeignet sind, „aber wie wir das am besten machen können, da lassen wir uns derzeit noch beraten.“

Kritik an der Undurchsichtigkeit

Die Undurchsichtigkeit der Möglichkeiten und Auflagen ist auch etwas, was die Verbraucherzentrale NRW kritisiert. „Den Strommarkt zu verstehen ist für einen Laien völlig unmöglich“, sagt Thomas Seltmann von der Verbraucherzentrale NRW. Gehandelt werde an der Börse, am Weltmarkt, das wären völlig andere Akteure als die Stadtwerke vor Ort.

Zudem mache das Erneuerbare Energiengesetz sehr hohe bürokratische Vorgaben, die abgeschafft werden müssten. „Da ist in den vergangenen zehn Jahren viel verhindert und blockiert worden“, kritisiert die Verbraucherzentrale die Politik. Bei der Umsetzung von EU-Richtlinien gäbe es Vollzugsdefizite – und das seien nur die kleinere Baustellen in der großen Baustelle der Energiewende.

Alle, die sich derzeit fachfremd mit dem Thema Photovoltaik befassen, wünschen sich daher eine Vereinfachung der Rahmenbedingungen. Denn egal, ob privater Vermieter oder Wohnungsbaugesellschaft: Jeder, der seinen Strom verkauft, wird derzeit genauso behandelt wie die großen Energieversorgungsunternehmen dieser Welt. „Das kann eine Privatperson gar nicht alles leisten“, sagt die Verbraucherzentrale. Und auch die großen Immobiliengesellschaften stoßen schnell an ihre Grenzen.

Der Schuster muss bei seinen Leisten bleiben

„Wir bräuchten Stromverträge, müssten Abrechnungen erstellen, müssten die Zählertechnik selbst bereitstellen“, erklärt Matthias Fischer von der UKBS die Grundproblematik. Zudem erfolgt das Abrechnungswesen ganz anders und zu ganz anderen Steuersätzen als die Vermietung und Verpachtung. „Mieterstrom ist für uns ein sehr interessantes Thema“, betont Fischer, „aber wir haben kein Interesse daran, ein Energieversorgungsunternehmen zu werden.“

Daher hoffen alle übereinstimmend auf eine Veränderungen der Rahmenbedingungen durch die Politik. Dass gerade Bundestagswahl war, könnte helfen. „Aber niemand weiß, was da kommen wird“, heißt es in Lünen übereinstimmend. „Wir wollen die Wende gehen“, betont Heubrock, „aber jetzt zum Start ist man komplett auf sich allein gestellt.“

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