Karneval muss dieses Jahr ausfallen. Der freie Tag deswegen noch lange nicht. © picture alliance/dpa
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Meinung: Den freien Rosenmontag haben sich alle Schulen verdient

Ob der Rosenmontag ein beweglicher Ferientag sein soll, hat für viele Diskussionen gesorgt. Lehrer, Eltern und Kinder haben sich den freien Tag wirklich verdient, findet unsere Kommentatorin.

Das letzte Jahr war für viele Familien eine Achterbahnfahrt. In den letzten Wochen hatte man das Gefühl, dass sich das Homeschooling normalisiert. Die Kinderkrankheiten der meisten Lernplattformen konnten beigelegt werden, und auch was die technische Ausstattung angeht, wird die Lage immer besser. Alle tun ihr Bestes, um den Unterricht für die Kinder irgendwie möglich zu machen.

Als Tochter von zwei Lehrern macht mich im Moment nichts wütender, als wenn erboste Eltern in den Sozialen Medien über Lehrer herziehen. Man könnte den Eindruck gewinnen, Lehrer sitzen im Moment in Jogginghose mit einem Weißwein vor dem Online-Unterricht und ergötzen sich an den technischen Problemen ihrer Schüler. Oder sie sind gleich in den Urlaub gefahren, weil sie ja nichts zu tun haben.

An meinen Eltern und deren Kollegen sehe ich jeden Tag, wie sehr sich die Lehrer ins Zeug legen, um trotzdem für ihre Schüler da zu sein. Der Aufwand ist dabei viel größer als gewöhnlich. Videos werden gedreht, Dutzende Schüler-Telefonate geführt und neue Aufgabenstellungen gesucht. Unser Wohnzimmer wird dabei regelmäßig zum Aufnahmestudio für Englischstunden, und in der Küche werden Versuche für den Sachunterricht getestet.

Schüler und Lehrer leisten viel

Mein kleiner Bruder ist der beste Beweis dafür, dass auch die Schüler ihr Möglichstes geben. Kurz vor den Abschlussprüfungen nutzt er jede Videokonferenz, auch wenn das Internet nicht jeden Tag mitspielt und es Störungen gibt. Er sieht Klausuren entspannt entgegen, schließlich hat er jeden Tag mehrere Stunden Unterricht. Warum also sollte man überarbeiteten Lehrern, gestressten Eltern und geforderten Schülern den freien Rosenmontag wegnehmen? Wird dieser eine Tag mehr Unterricht irgendetwas ändern? Nein. Könnte ein freier Tag allein eine Verschnaufpause geben? Auf jeden Fall.

Nicht zuletzt ist der freie Rosenmontag ein Puffer für die Schulen. Seit Beginn der Pandemie hat das Bildungsministerium die Eigenart, wichtige Mails für die Schulen am Freitagnachmittag zu verschicken. Genau die Zeit, in der man in einer Schule nur noch wenig erreichen kann. Schulleitungen und Lehrer schlagen sich dann das Wochenende um die Ohren, um irgendwie ein Konzept zu erstellen. Auch nach der neusten Mail der Schulen braucht es Planungszeit für die Schulen, die der Montag allen geben kann.

Dieser Rosenmontag sollte nicht wegen Karneval ein freier Tag sein. Er sollte ein freier Tag bleiben, um allen eine kurze Pause zu geben und den Schulen die Möglichkeit zu lassen, auf die Entscheidungen der Politik zu reagieren. Insofern ist die Durchführung des Rosenmontags als beweglicher Ferientag gerechtfertigter denn je.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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