Maske wird zur Last: COPD-Patientinnen und ihr Corona-Alltag in Lünen

dzLungenkrankheit

Der Mund-Nasenschutz nervt viele und verdirbt manchem den Spaß am Einkaufen. Wie es sich aber anfühlt, wenn ohnehin schon das Atmen erschwert ist, berichten zwei Lungenpatientinnen aus Lünen.

Lünen

, 29.05.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die meisten hat sich die Situation nach knapp drei Monaten inzwischen fast wieder normalisiert: Die Kitas gehen zum eingeschränkten Regelbetrieb über, Restaurants und Geschäfte sind wieder geöffnet, auch die Arbeitgeber fordern wieder mehr Präsenz. Doch für manche Menschen bedeutet Corona nach wie vor Isolation und ganz besondere Herausforderungen. Zum Beispiel für Annegret Gosemärker.

Seit dem Beginn der Corona-Krise war sie praktisch nicht mehr vor der Tür. „Das wäre zu anstrengend mit der Maske. Ich kann damit einfach nicht weit laufen, weil ich so schlecht Luft bekomme“, sagt die 65-Jährige. Sie leidet seit vielen Jahren an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, kurz COPD. Dazu kommt die erbliche Stoffwechselerkrankung Alpha 1, durch die ihre Lunge nicht mit dem nötigen Eiweiß versorgt wird. Sie trägt eine so genannte Nasenbrille, durch die sie permanent mit Flüssigsauerstoff versorgt wird.

„Es ist eine sehr schwere Zeit“

Durch ihre Krankheit fällt Annegret Gosemärker ohnehin jede Bewegung schwer, mit einer Atemschutzmaske aber wird es unerträglich: „Dann kommt Panik auf und dann ist es ganz vorbei, weil ich dann noch schlechter Luft bekomme.“ Ohne Maske traut sie sich als Hochrisikopatientin aber schon gar nicht vor die Tür. „Viele machen sich ja gar keine Gedanken und halten viel zu wenig Abstand“, sagt sie.

Kontakte hat sie praktisch keine mehr. In all der Zeit hat sie ihre über 90-jährige Mutter nicht mehr gesehen. Essen gehen wie früher - häufig und gerne - ist ihr zu riskant. Und auch der Jahresurlaub auf Mallorca wurde gestrichen. „Das hat mich und meinen Mann wirklich umgehauen. Es ist eine sehr schwere Zeit.“

Berthold Lenfers, Direktor am St.-Marien-Hospital Lünen, bestätigt: „Es gibt Menschen mit schweren Lungenerkrankungen, die dadurch zur Risikogruppe gehören. Daher wäre das Tragen des Mund-Nasenschutzes für sie hochgradig sinnvoll.“ Sie müssten aber damit zurechtkommen können: „Der Mund-Nasenschutz stellt ein mechanisches Hindernis dar. Man atmet durch einen Widerstand, das muss die Lunge schaffen.“

Auch Elvira Weiers Lunge schafft das nicht gut. Die 67-Jährige aus Brambauer, ebenfalls an COPD erkrankt, geht seit dem Corona-Ausbruch nicht mehr einkaufen und auch insgesamt kaum raus. „Ich habe dann das Gefühl, noch weniger Luft zu bekommen, als sowieso schon“, sagt sie. „Deswegen und auch wegen des Risikos traue ich mich nicht mehr in die Geschäfte.“

Und auch sie vermeidet jeden Kontakt - auch den zu ihrem Sohn, der auf seiner Arbeit viel Kundenkontakt hat. Sie ist froh, dass immerhin Sommer ist: So nutzt sie ihren Garten sehr ausgiebig.

Keine Chance auf Rehasport

Beide Frauen kennen sich aus der Lungensportgruppe, die über das Gesundheitshaus am Roggenmarkt, angeboten wird. Sie dient vor allem das „Treffen unter Gleichgesinnten“, aber auch als Motivation für Sport und Atemübungen. Problem: Wegen Corona kann auch dieser Rehasport nicht stattfinden. „Wir haben viele sehr schwer Erkrankte in der Gruppe. Sportangebote dürfen im Moment ja sowieso nur draußen stattfinden, und viele von den Gruppenmitgliedern sind nicht mobil genug, um zum Beispiel zum Cappenberger See zu kommen. Da fällt natürlich ein großes Stück Sozialleben für die Patienten weg“, sagt Gruppenleiterin und Sporttherapeutin Inga Klütsch.

Auch wenn Sport in geschlossenen Räumen wieder erlaubt ist, kann die Gruppe sich nicht treffen, da es am Roggenmarkt so beengt ist, dass der Mindestabstand nicht eingehalten werden könnte. „Diese Gruppe ist aber auch psychosozial sehr wichtig. Oft sind die Patienten einsame, allein stehende Menschen. In dieser Zeit sind sie komplett isoliert. Da werden sie ja wahnsinnig. Einsamkeit macht irre.“

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