Mangelware Pflegekräfte: Pflegedienste in Lünen bilden weiter aus

dzNeue Richtlinien

Ausgebildete Pflegekräfte sind Mangelware. Das wurde spätestens in der Pandemie deutlich. Zwei Lüner Pflegedienste bilden seit langem aus. Seit Anfang des Jahres unter neuen Bedingungen.

Lünen

, 13.09.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Neuregelung hat Anfang des Jahres die Ausbildung in der Pflege verändert. Seitdem verbringen die Auszubildenden deutlich weniger Zeit im eigentlichen Ausbildungsbetrieb. Denn in den ersten zwei Jahren der dreijährigen Ausbildung sollen sie auch andere Bereiche kennen lernen. Um sich danach zu entscheiden, welchen Schwerpunkt sie in ihrem Beruf setzen wollen. In diesem Bereich findet dann das dritte Ausbildungsjahr statt.

Grund genug für Birgit Rückert, die seit 1993 den Pflegedienst Rückert in Lünen führt, sich Anfang des Jahres zu entscheiden, noch zu warten, ob sie auch in diesem Jahr ausbilden will. „Dann kam Corona und es wurde noch schwieriger“, sagt sie.

Geschulte Praxisanleiter

Mittlerweile ist klar - Birgit Rückert will weiter ausbilden, trotz der Neuerungen und der Anforderungen auch an den jeweiligen Betrieb. „Man muss geschulte Praxisanleiter haben,“ so die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft freie häusliche Krankenpflege im Kreis Unna. Sie ist auch seit langem Mitglied im erweiterten Vorstand des Landesverbandes freie ambulante Krankenpflege NRW, kennt also auch von Kollegen deren Erfahrungen.

Denis Pestinger-Rückert und Birigit Rückert leiten gemeinsam den Pflegedienst Rückert. Und sorgen auch dafür, dass die Auszubildenden entsprechend angeleitet werden.

Denis Pestinger-Rückert und Birigit Rückert leiten gemeinsam den Pflegedienst Rückert. Und sorgen auch dafür, dass die Auszubildenden entsprechend angeleitet werden. © Beate Rottgardt (A)

Michael Wopker hat sich frühzeitig entschieden, wieder auszubilden. „Im Mai/Juni war bei uns das Auswahlverfahren schon beendet“, erzählt der Lüner, der sich auch 1993 mit seinem ambulanten Pflegedienst selbstständig gemacht hat,

Es sei nicht schwierig gewesen, geeignete Bewerber zu finden. Dabei habe sicher auch die Kooperation mit dem Lippe Berufskolleg geholfen, die mehrere Ausbilder im Pflegebereich vor einiger Zeit eingegangen sind, das ja einen Bereich „Pflege und Gesundheit“ hat.

„Wir sind für dieses Jahr versorgt, ich vermittel schon weitere Bewerber auch an Kollegen“, sagt Wopker.

Bildzeile: Haben die Kooperationsvereinbarung gemeinsam ins Leben gerufen: (o.v.l.) LBK-Schulleiterin Rita Vonnahme, Katrin Peters, Jens Fritsch, Saskia Weitkamp sowie (m.v.l.) Nicoletta Scheidgen, Klaus Wiatrowski, Dirk Kreimeyer, Denis Pestinger Rückert und (u.v.l.) Mirka Fittkau, Thomas Petry, Claudia Bauer und Michael Wopker.

Bildzeile: Haben die Kooperationsvereinbarung gemeinsam ins Leben gerufen: (o.v.l.) LBK-Schulleiterin Rita Vonnahme, Katrin Peters, Jens Fritsch, Saskia Weitkamp sowie (m.v.l.) Nicoletta Scheidgen, Klaus Wiatrowski, Dirk Kreimeyer, Denis Pestinger Rückert und (u.v.l.) Mirka Fittkau, Thomas Petry, Claudia Bauer und Michael Wopker. © LBK

Die ersten neuen Auszubildenden haben im April begonnen. Unter absoluten Corona-Bedingungen. Die vier angehenden Pflegekräfte bekamen zum Start keine persönliche Einführung, sondern nur die übliche Info-Mappe von ihrem Chef. „In der Schule gab es nur Home Office für sie und wir haben sie in den ersten Wochen auch nicht zu den Kunden mitnehmen können.“

Zum Glück für die sieben Azubis, die im September starteten, wird alles langsam wieder etwas normaler. Sie bekamen ihre Einführung am Carport des Pflegedienstes - also im Freien mit dem nötigen Abstand. Dort lernten sie ihre Praxisanleiter kennen und auch die Hygieneregeln. Außerdem gab es einen kleinen Test zum Thema Hygiene. Einige Schulen für die angehenden Pflegekräfte setzen weiter auf Home Office.

Voraussetzung für eine Ausbildungsstelle bei Wopker ist immer ein Praktikum. Auch das war in diesem Jahr etwas schwierig zu händeln,

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In diesem Jahr hat Wopker drei Mitarbeiter übernommen, die ihre Ausbildung bei ihm absolviert haben. Das ist auch Ziel für die neuen Azubis. „Natürlich ist die Gefahr durch die neue Ausbildungsverordnung da, dass sich jemand für einen anderen Pflegebereich entscheidet, aber ich denke, dass alle bleiben,“ so Wopker, der auch seine beiden Kinder Nele und Linus ausbildet.

Birgit Rückert hat eine Bewerberin, die aber noch auf einen Platz an einer Schule wartet. Wenn sie den hat, kann sie im Oktober mit der Ausbildung beginnen. Die sie dann auch ins Krankenhaus, Altenheim, in die Kinderkrankenpflege und die Psychiatrie führen wird.

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Derzeit absolvieren drei junge Leute ihre Ausbildung im Pflegedienst von Birgit Rückert und Juniorchef Denis Pestinger-Rückert. Alle Drei werden auch übernommen. „Seitdem Pflegedienste ausbilden dürfen - früher war das ja eine rein schulische Ausbildung - bilden wir auch aus“, so die erfahrene Pflegedienst-Chefin. Nach ihrer Erfahrung scheuen vor allem Hauptschüler die neue General-Ausbildung, weil sie fürchten, sie nicht zu schaffen. „Man muss da beispielsweise auch gut rechnen können, um Infusionen entsprechend zu berechnen.“

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