Maklerin aus Lünen: Der Immobilien-Markt in in der Stadt ist leer gefegt

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Eine Familie will seit vier Jahren ein Haus in Lünen kaufen. Die Suche verlief bisher erfolglos. Eine Lüner Maklerin kennt das Problem und auch die Gründe für die Situation.

Lünen

, 03.09.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 44 Jahren verkauft und vermietet Barbara Heitkamp Wohnungen und Häuser. Nicht nur in Lünen, auch bundesweit ist die Lüner Maklerin tätig. Doch seit einigen Jahren wird das Geschäft für sie und ihre Kollegen immer mühsamer, dauert es immer länger, bis ein geeignetes Objekt gefunden wird.

Dass eine vierköpfige Familie bereits seit vier Jahren ein Haus in Lünen sucht und immer noch keines gefunden hat, kann Barbara Heitkamp nachvollziehen. „Gerne würde ich der Familie ein Haus anbieten, aber der Markt ist wie leer gefegt“, sagt die erfahrene Maklerin. Ist ein Haus beispielsweise aus Altersgründen oder nach dem Tod des Besitzers frei, wird es sofort im Familienkreis weitergenutzt oder aber, bevor es bekannt wird, im Bekanntenkreis verkauft.

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„Es wird für Makler immer schwieriger, Aufträge zu bekommen“, so Barbara Heitkamp. Zumal vor einigen Jahren das so genannte Bestellerprinzip eingeführt wurde. Bei Vermietungen muss nur noch der Vermieter die Provision für den Makler zahlen. „Erst wenn eigene Bemühungen nicht zum Erfolg geführt haben, werden wir angerufen, aber da fragen sich potenzielle Mieter schon, warum denn das Objekt so lange leer steht, ob da was nicht stimmt. Das ist für uns dann erst recht schwierig.“

Kunden, die von außerhalb kommen und in Lünen eine Wohnung oder ein Haus suchen, wunderten sich, wie hoch die Preise sind - sowohl beim Kauf als auch bei Mietobjekten. „Das große Problem dabei sind auch die Nebenkosten, die so hoch sind.“

Familien suchen oft 4,5-Zimmer Wohnungen

Besonders gefragt seien derzeit Wohnungen mit 4,5 Zimmern. „Es gibt viele Familien mit zwei oder drei Kindern, für die die Drei-Zimmer-Wohnungen einfach zu klein sind“, so Barbara Heitkamp.

Die Maklerin kennt das Geschäft seit Jahrzehnten. „Ich habe schon in München, Bamberg oder Boltenhagen Immobilien verkauft. Es hat auch immer Spaß gemacht. Aber heute hat sich vieles leider geändert.“ So beobachtet sie verstärkt, dass Termine nicht eingehalten würden und auch Respekt untereinander verloren gehe. „Die Leute haben eigentlich immer ihr Smartphone dabei, aber wenn man sie erreichen will, weil man auf sie bei einem vereinbarten Termin wartet, dann gehen sie nicht ran.“

Die Preise für Immobilien - egal ob sie verkauft oder vermietet werden - sind in Lünen zurzeit sehr hoch, sagt die Maklerin.

Die Preise für Immobilien - egal ob sie verkauft oder vermietet werden - sind in Lünen zurzeit sehr hoch, sagt die Maklerin. © picture alliance / dpa-tmn

Hätte die Maklerin einen Wunsch frei, dann wäre es, dass mehr frei verfügbare Grundstücke in Lünen vorhanden wären. „Seit einiger Zeit sind die Grundstücke meistens direkt an eine Bauträger-Gesellschaft gebunden, die die Bauten dann auch vermarktet.“ Kritik übt Barbara Heitkamp auch an der Architektur von Neubauten in Lünen. „Ich wünsche mir wieder schöne, individuelle Architektur, dass nicht alles immer gleich aussieht.“ Derzeit würden „nur noch Kästen gebaut, mit vorgesetzten Balkonen, die dann nicht geschützt sind, wenn Unwetter kommen.“

Reihenhäuser ohne Keller und Wirtschaftsraum

Auch die Hinterhausbebauung nehme in der Region zu. Zudem würden immer mehr schmale Reihenhäuser errichtet, ohne Keller und Wirtschaftsräume. „Das Problem zieht sich über sämtliche Städte der Region. Auch das Problem der hohen Preise.“

Wie problematisch die Festlegung auf Bauträger-Gesellschaften sein kann, hat Barbara Heitkamp an der Ostsee in der Nähe von Heiligenhafen beobachtet. „Da werden teilweise recht hohe Häuser mit Eigentumswohnungen gebaut. Die Leute kaufen die teuren Wohnungen inklusive Tiefgaragenplatz und Standard-Mobiliar, das vorgegeben ist. Dann hat aber der Bauträger elf Jahre Zugriff auf die Wohnung, die der Eigentümer in dieser Zeit nur vier Wochen im Jahr selbst nutzen darf. Die restliche Zeit wird das Ganze als Ferienwohnung vermietet und von der Miete bekommt der Bauträger elf Jahre seinen Anteil.“ Auch dort steigen die Preise in astronomische Höhen - 600.000 Euro für 100 Quadratmeter.

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