Maifeier am Horstmarer See: Warum ein 33-Jähriger trotz Attacke auf Polizisten davonkam

dzAmtsgericht

Ein 33-Jähriger mit 1,5 Promille Alkohol im Blut hat während der Maifeier am Horstmarer See einen Polizisten angegriffen. Jetzt stand der Mann vor Gericht und sagte Überraschendes.

von Sylvia Mönnig

Horstmar

, 11.11.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alkoholgeschwängerter Frust machte einen 33-Jährigen in Lünen-Horstmar zum Zeitgenossen unangenehmer Art. Er wollte polizeilichen Anordnungen nicht folgen und leistete schließlich erbitterten Widerstand. Das hatte nun Folgen.

Im Normalfall ist der Mann aus Recklinghausen freundlich und harmlos, geriet auch nie mit dem Gesetz in Konflikt. Umso überraschender, was am 1. Mai am Horstmarer See geschah. Dort hielt er sich im Zuge des DGB-Festes mit Freunden auf der Grillwiese auf und trank Alkohol.

Später gerieten er und seine Begleiter mit einer anderen Gruppe in Streit. Polizisten wurden auf diese Auseinandersetzung aufmerksam, schritten ein und erteilten dem 33-Jährigen schließlich ein Platzverbot. Doch der dachte gar nicht daran, zu gehen. Vielmehr schubste er einen Beamten, sperrte sich bei der nun folgenden Fixierung und versuchte, zuzutreten.

Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte musste er sich nun vor dem Amtsgericht verantworten und wirkte in jeder Hinsicht ernüchtert. „Ich kann grundsätzlich nichts dazu sagen, weil ich mich nicht erinnern kann. Es wird so gewesen sein. Ich streite es nicht ab“, bekundete er nach Verlesung der Anklage und fügte hinzu: „Ich weiß nicht, was in mir vorgegangen ist.“ Tatsächlich waren etwa 1,5 Promille Alkohol im Spiel. Auch leidet er offenbar unter einer psychischen Störung. Deshalb und wegen eines Alkoholproblems, das er auch nicht in Abrede stellte, wolle er sich nun Hilfe suchen. Auch passe seine neue Lebensgefährtin in jeder Beziehung auf ihn auf. Er werde weiter an sich arbeiten, damit so etwas in Zukunft nicht mehr vorkomme.

Einer der Polizeibeamten, der an dem Tag im Einsatz war, wurde gehört und bestätigte den angeklagten Ablauf. Er erinnerte sich: „Er war sehr betrunken.“ Der Vorfall sei sehr anstrengend und ärgerlich gewesen. Seine Anwesenheit im Gerichtssaal nutzte der Angeklagte, um sich persönlich bei ihm zu entschuldigen: „Es tut mir wirklich leid. Normalerweise bin ich nicht so.“ Der Angesprochene zeigte echte Größe: „Sie haben richtig Gas gegeben. Das fand ich blöd. Aber ich nehme die Entschuldigung natürlich an.“

Das offene Geständnis, die Reue, das leere Strafregister und die alkoholbedingte Enthemmung ließen die Richterin am Ende zu der Annahme gelangen, dass es sich um eine einmalige Ausnahmesituation handelte. Sie verwarnte den 33-Jährigen und behielt sich die Verurteilung zu 400 Euro Geldstrafe für die Dauer von zwei Jahren vor, setzte sie also quasi zur Bewährung aus. Sollte in der Zeit nichts mehr vorfallen, wird der Fall endgültig ad acta gelegt.

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