Ob es Luftfilter an Lüner Schulen geben wird ist aktuell eher fraglich. © picture alliance/dpa
Corona-Unterricht

Luftfilter an Schulen: Gebauer rät zum Förderantrag – Stadt Lünen zögert

Luftfilter an Schulen sollen im Winter für weniger Kälte und trotzdem gut gelüftete Räume sorgen. Das Land NRW fördert das sogar. Die Stadt Lünen greift trotzdem nicht direkt zu.

Corona und Winter. Bei den Erinnerungen daran klappern vielleicht dem ein oder anderem Schüler oder der ein oder anderen Schülerin noch die Zähne. Damit sich die Aerosole, die kleinen Luftpartikel, die das Corona-Virus weiterverbreiten nicht im ganzen Raum verteilen, galt das Credo: lüften, lüften, lüften.

Mit Pullover, Jacke, Schals und Mütze hätten die Kinder im Winter 2020 in der Schule gesessen und gefroren, berichtet Nicole Kleine, Elternpflegschaftsvorsitzende an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen im Ausschuss für Bildung und Sport am Donnerstag, 10. Juni. Das kann Iris Lüken, Schulleiterin der Osterfeldschule, bestätigen: „Wir haben in der Kälte gesessen und die Kinder haben teilweise mit Handschuhen geschrieben“, erzählt sie.

Gebauer riet dazu, Fördersummen zu beantragen

Kleine ist in die Sitzung gekommen, um ein Anliegen vorzutragen, auf das Bildungsministerin Yvonne Gebauer sie gebracht hat. Zum Hintergrund: Unter dem Namen „Corona lesson learned?! Eltern hoffen auf ein schlüssiges Gesamtpaket“ hatte die Landeselternkonferenz NRW im April zu einem digitalen Schlagabtausch mit der NRW-Schulministerin geladen. Daran hatten auch viele Eltern aus Lünen teilgenommen.

Bei dem Gespräch hatte Gebauer auf ein Programm zur Förderung von Luftfiltern für Schulen verwiesen und dabei konkret erklärt, Eltern sollten die Städte gezielt darauf hinweisen, erzählt Kleine. Für das Programm hatte der Landtag Finanzmittel in Höhe von 50 Millionen Euro freigegeben. Davon seien auch nach wie vor 30 Millionen verfügbar hatte die Landesregierung der Nachrichtenagentur dpa noch im März diesen Jahres gesagt. Wie viele Fördergelder inzwischen noch abrufbar sind, ist unklar. Gefördert werden, so sagte es die Landesregierung, bis zu 100 Prozent der Maßnahme. Es gibt jedoch eine Grenze von 4000 Euro je Luftfiltergerät.

Verwaltung entschied sich gegen Luftfilter

Das Thema Luftfiltergeräte ist für die Lüner Verwaltung kein neues, wie Jürgen Grundmann von der Stadtverwaltung in der Sitzung erläutert. Die ZGL habe die Thematik geprüft, sei aber zu dem Ergebnis gekommen, dass das Lüftungsverhalten an den Schulen in Ordnung gewesen sei. „Außerdem gibt es auch Bedenken, wie gut die Luftfilter sind“, sagt Grundmann. Das Fazit der Verwaltung: „Wir haben davon Abstand genommen“, sagt Grundmann.

Die Geräte wälzten die Luft um Raum lediglich um, Stoßlüften sei laut Experten effektiver, hieß es damals beim fraglichen Bildungsausschuss im März diesen Jahres von der ZGL. Eine Studie der Uni Münster wonach Luftreiniger das Ansteckungsrisiko durch virusbelastete Aerosole deutlich senken, kam dabei nicht zur Sprache. Die Stadt hatte stattdessen CO2-Ampeln bestellt, die anzeigen, wann gelüftet werden muss.

Verwaltung will erneut prüfen

Bei dem Ausschuss hatte es sogar eine Frage der Partei die Linke gegeben, die wissen wollte, warum eben jene Fördergelder des Landes nicht abgerufen werden. Die Abrufung dieser Fördergelder sei aber nicht so einfach, hatte damals Gürbüz Demirhan von der ZGL erklärt. Denn eine der Bedingungen laute, dass die Geräte nur dann gefördert werden können, wenn eine andere Belüftung nicht möglich ist. In Lünen ist das nur in wenigen Schulräumen der Fall, hieß es damals.

Auch im aktuellen Schulausschuss scheint das Thema damit zunächst Geschichte zu sein, schnell geht es zur nächsten Anfrage, bis Schulleiterin Iris Lüken es wieder aufgreift: Wenn es die Möglichkeit zur Förderung gebe, „dann ist es doch einen Versuch wert“, appelliert Lüken. Das überzeugte letztlich. Die Verwaltung schreibt sich das Thema Luftfilter wieder auf die Agenda: Sie will es erneut prüfen.

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Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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