Das Rathaus ist weiter wegen Corona-Schutzmaßnahmen geschlossen. Das Bürgerbüro ist online und telefonisch zu erreichen. © Vanessa Trinkwald (Archiv)
Bürger verärgert

Lüner warten lange auf Führungszeugnis im Online-Bürgerbüro Lünen

Das Rathaus ist wegen Corona geschlossen. Wer etwas im Bürgerbüro zu erledigen hat, muss das im Internet versuchen. Nicht immer ist das schnell von Erfolg gekrönt, haben Lüner erlebt.

Corona-bedingt hat das Rathaus Lünen für den Publikumsverkehr geschlossen. Natürlich auch das Bürgerbüro, in dem beispielsweise Ausweise oder auch Führungszeugnisse beantragt werden können. Nun müssen Bürger sich online um die benötigten Dokumente kümmern.

Das wollte auch Werner Müller. Nicht für sich, sondern für eine Bekannte, die aus Bosnien stammt und seit zehn Jahren in Lünen lebt. Sie hat eine neue Stelle gefunden, die sie Mitte Januar antreten wird. Der neue Arbeitgeber ist eine Landesbehörde und die benötigt von der neuen Mitarbeiterin ein bestimmtes Dokument. „Sie braucht ein spezielles Führungszeugnis zur Vorlage bei einer Behörde. Ich wollte ihr helfen und habe mich ans Bürgerbüro gewandt“, sagt Müller.

Zwölf Arten von Führungszeugnissen

Schon vor Weihnachten schrieb er eine Mail an die Stadt Lünen und bekam die Antwort, er solle ein Formular ausfüllen, bei dem man aus zwölf Arten von Führungszeugnissen genau die benötigte ankreuzen sollte. Doch das funktionierte nicht wie erhofft.

Nach einigen Versuchen hatte Müller dann einen Mitarbeiter des Bürgerbüros am Telefon, der ihm mitteilte, das ginge nicht online, man müsse persönlich nach Terminvergabe vorbeikommen und das gewünschte Führungszeugnis beantragen.

Also wieder ran ans Telefon, um einen Termin zu vereinbaren. „Meistens war die Durchwahl aber besetzt, wenn ich dann aber jemand dran hatte, waren es immer sehr freundliche Leute“, so Müller. Und so erfuhr er – momentan gebe es keine Termine, er solle es online versuchen.

Nicht mehr online beantragen

Am Montag (11.1.) – vier Tage bevor die Bekannte ihren neuen Job antreten sollte – entdeckte Müller dann, dass der Internetauftritt des Bürgerbüros neu bearbeitet war und man nun gar keine Führungszeugnisse mehr online beantragen kann. Eine Erfahrung, die auch ein anderer Lüner gemacht hat, wie er im sozialen Netzwerk Facebook beschrieb. Auch er braucht für seinen Arbeitgeber dringend ein Führungszeugnis. Mehrmals habe er im Bürgerbüro angerufen, doch keiner nahm ab. Auf eine am 4. Januar geschriebene Mail habe es keine Antwort gegeben und auch auf per Post abgeschickte Kopien der Unterlagen habe er keine Reaktion bekommen.

Was das Führungszeugnis angeht, habe sich tatsächlich genau in der Zeit, in der Müller den Antrag stellte, eine Änderung ergeben, so Stadt-Pressesprecher Benedikt Spangardt auf Anfrage.

„Unsere ursprüngliche Auffassung war, dass ein einfaches Führungszeugnis per Post beantragt werden müsse, ein Führungszeugnis zur Vorlage bei Behörden jedoch persönliche Anwesenheit erfordere. Diese Auffassung hat sich zwischenzeitlich (letzte Woche) geändert, so dass wir aktuell beides per Post ermöglichen“, so Spangardt. Abgesehen davon müsse ein Führungszeugnis übrigens gar nicht bei der Stadt beantragt werden: Man könne es deutschlandweit online direkt beim Bundesamt für Justiz (www.fuehrungszeugnis.bund.de/) anfordern.

Gute Nachricht von der Stadt

Die Mails an die Stadt hatten für Werner Müller und seine Bekannte dann doch Erfolg. Am Dienstagmorgen kam die Mail von der Stadt, dass das Führungszeugnis nun doch komme.

In Facebook-Gruppen gab es auch weitere Beschwerden, dass Lüner das Bürgerbüro nicht erreicht haben. Dazu sagt der Stadt-Pressesprecher: „Zunächst einmal ist es so, dass das Anrufaufkommen sehr hoch ist. Wir bitten um Verständnis, dass auch einmal Wartezeiten entstehen können.“

Die meisten Anrufe im Bürgerbüro würden von einem externen Telefondienstleister entgegengenommen. Wenn sich dabei herausstelle, dass fachliche Beratung oder die Bearbeitung eines Anliegens nötig ist, werden die Anrufenden gebeten, ihre Nummer zu hinterlassen.

„Manchmal ist Geduld nötig“

Spangardt: „Unsere Mitarbeiter rufen dann so bald wie möglich zurück. Das machen wir so, weil auf diese Weise mehr Termine vor Ort im Bürgerbüro angeboten werden können, da die Kollegen ja nicht am Telefon gebunden sind. Die Rückrufe tätigen sie dann, wann immer sie Zeit haben. Deswegen kann manchmal etwas Geduld nötig sein.“ Es werde aber jeder Bürger zurückgerufen oder bekommt im Bedarfsfall eine E-Mail. Es seien jeden Tag so viele Mitarbeiter im Einsatz wie möglich.

Ein persönliches Erscheinen im Rathaus sei auch, so Spangardt, in anderen Fällen nicht notwendig:

  • Eine Meldebescheinigung oder eine Steuer-Identifikationsnummer bekommt man per E-Mail.
  • Die Verlängerungen von Schwerbehindertenausweisen und Fischereischeinen sind per E-Mail möglich.
  • Auch den Verlust von Personaldokumenten kann man jederzeit per Mail an buergerbuero@luenen.de melden.

Die Erfahrungen von Werner Müller könnten aber nun möglicherweise noch etwas ändern. Dazu der Stadt-Pressesprecher: „Wir werden aber wegen der Angaben des Lesers noch einmal die Abläufe mit dem externen Telefondienstleister prüfen. Wir planen, in Zukunft beim Rückruf von den Bürgerinnen und Bürgern zu erfragen, ob sie gut durchgekommen sind und wie lange sie warten mussten.“

Außerdem wolle die Stadt prüfen, ob die Internetseite optimiert werden könne.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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