Lüner Schülerin ist examinierte Orgelspielerin

Interview und Kostprobe

Gerade 18 Jahre jung ist Carola Mariß geworden. Eins der schönsten Geschenke hat sich die angehende Abiturientin aus Lünen vor kurzem selbst gemacht: Sie hat das C-Examen als nebenberufliche Kirchenmusikerin bestanden – mit Bravour. Im Interview sprachen sie und ihre Orgellehrerin über die Prüfung und Zukunftspläne.

LÜNEN

, 30.11.2016, 18:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lüner Schülerin ist examinierte Orgelspielerin

Kantorin und Kulturpreisträgerin Jutta Timpe (l.) freut sich, dass ihre Orgelschülerin Carola Mariß das C-Examen mit Bravour bestanden hat.

Wann haben Sie Ihre Liebe zur Musik entdeckt?

Carola Mariß: Ich war noch im Kindergarten, als ich zum ersten Mal Akkordeon-Unterricht bekam. Den hatte ich dann mehrere Jahre lang bei Sabine Patschinsky in der Lüner Musikschule.  

Wann und wie kam dann die Orgel dazu?

Orgellehrerin und Kantorin Jutta Timpe: Wir hatten einen Schnuppertag in der Stadtkirche, bei dem sie allerdings nicht konnte. Also hat sie sich danach gemeldet und es ausprobiert. Und es klappte gleich super mit der Koordination von Händen und Füßen. Das ist nämlich gar nicht so einfach, auch geübte Pianisten haben da manchmal Schwierigkeiten. Mariß: Ich hab dann erst parallel Orgel und Akkordeon gespielt, dann vor einem Jahr mit dem Akkordeonunterricht aufgehört, auch weil die Vorbereitungen auf das C-Examen sehr viel Zeit in Anspruch nahmen.

Wo fand die Ausbildung statt?

Mariß: In Dortmund. Immer abwechselnd, mal eine Woche freitags, dann die Woche samstags. Wir waren anfangs 18 Leute zwischen 15 Jahren und Rentenalter. 16 haben die Prüfung dann absolviert.  

Was mussten die Prüflinge neben der Praxis an der Orgel denn in der Theorie lernen?

Timpe: Das waren 16 Fächer von der Musiktheorie und Gehörbildung bis Tonsatz, Chorleitung und Gemeindesingleitung bis zu Kirchenkunde, Kirchenmusik-Geschichte und Orgelbau. Mariß: Es war wirklich sehr zeitaufwendig, zumal ich mich in der Schule ja auch aufs Abitur vorbereite, das ich nächstes Jahr machen will.

Wie ist die Prüfung gelaufen?

Mariß: Die fand an mehreren Tagen statt. Alleine die praktische Orgelprüfung hat 50 Minuten gedauert. Da hab ich unter anderem „Toccata und Fuge“ von Johann Sebastian Bach gespielt. Ich war schon nervös, aber das kenne ich von mir nicht anders. Timpe: Carola hat die Prüfung mit Bestnote abgeschlossen. Die Orgelprüfung war auch auf sehr hohem Niveau. Sie hat auch von allen Lehrern eine Empfehlung bekommen, dass sie in der Lage ist, ein Musikstudium anzutreten. Wenn sie die Aufnahmeprüfung schafft, kann sie auf Bachelor und Master studieren – früher waren das das B- und das A-Examen.  

Und – wollen Sie nach dem Abitur Berufsmusikerin werden?

Mariß: Das weiß ich noch nicht. Es wäre einerseits schön, aber ich hab mich noch nicht entschieden. Timpe: Auf jeden Fall kann sie als nebenberufliche Kirchenmusikerin arbeiten. Und tut das auch schon. Sie hat bereits in Dortmund und in Lünen ausgeholfen und kann natürlich in verschiedenen Kirchen im Gottesdienst spielen. Beim letzten Chor- und Orchesterkonzert hat sie gespielt.

Sind Sie auch an Weihnachten als Organistin beschäftigt?

Mariß: Ja. An Heiligabend spiele ich im Johanneshaus in Wethmar. Das ist jetzt schon das dritte oder vierte Mal, dass ich am Heiligabend dort im Gottesdienst spiele.

Liegt das Talent für Musik in der Familie?

Mariß: Meine Eltern und meine Schwester machen auch Musik. Aber ich bin die Einzige, die so viel Zeit in Musik investiert.

Lesen Sie jetzt