Je höher das Einkommen, desto weniger bleibt vom Kinderbonus übrig. © picture alliance/dpa
Familien in der Coronakrise

Lüner Mutter zur Sonderzahlung: „Kinderbonus ist nur Schweigegeld“

150 Euro Kinderbonus soll es aktuell aus dem Corona-Konjunktur-Paket für Familien geben. Eine Lüner Mutter sagt dazu: Ich will keinen Bonus, ich will, dass die Kinder wieder glücklich sind.

Schon im vergangenen Jahr landeten 300 Euro extra pro Kind auf den Konten von Familien. Ein unverhoffter Geldsegen von der Bundesregierung, da Familien durch die Corona-Krise besonderen Belastungen ausgesetzt seien. Jetzt hat die Koalition eine weitere Zahlung beschlossen: Erneut sollen Eltern 150 Euro bekommen. Zum Beispiel um höhere Strom- oder Lebensmittelkosten auszugleichen.

Nadine Kuchinke, Mutter von vier Kinder zwischen sechs und 16 Jahren findet dazu deutliche Worte: „Als letztes Jahr der erste Bonus ausgezahlt wurde, haben wir uns noch richtig gefreut und den Kindern das Geld zur Verfügung gestellt“, erzählt die 38-jährige Bäckereifachverkäuferin. Die Familie aus Brambauer zelebrierte die Sonderzahlung: Mit der Straßenbahn fuhren die sechs Kuchinkes nach Dortmund und gingen einkaufen. Vor allem Kleidung und Bücher, der Jüngste bekam das Lego-Haus, das er sich schon lange gewünscht hatte.

Wer bekommt den Kinderbonus?

  • Den Kinderbonus gibt es für jedes Kind, für das im Jahr 2020 mindestens einen Monat Anspruch auf Kindergeld bestand.
  • Der wiederum bestand dann für Kinder unter 18 Jahren (in Ausnahmefällen auch für ältere), die mit im Haushalt leben (also auch Stiefkinder, Enkelkinder oder Pflegekinder) und deren Wohnsitz in Deutschland, der EU, in Norwegen, Liechtenstein, Island oder der Schweiz ist.
  • Für vor 2020 Geborene wurde der Kinderbonus bereits in den Monaten September bis Dezember 2020 automatisch ausgezahlt.
  • Für Kinder, die 2020 geboren wurden, musste ein Online-Antrag gestellt werden.
  • Für die dritte Rate von 150 Euro, die am 3. Februar beschlossen wurde, gelten die gleichen Regeln. Ausgezahlt werden soll das Geld voraussichtlich im März oder April.

Doch jetzt sei alles anders: „Ich will keinen Bonus“, sagt Kuchinke, „ich will, dass die Kinder wieder glücklich sind.“ Die Situation zehre an den Nerven und vor allem an der Stimmung ihrer Familie. Außerdem sei es ja momentan auch gar nicht möglich, das Geld sinnvoll für die Kinder auszugeben. Freude und Zuversicht ließen sich damit nicht erkaufen. „Ich habe hier vier Kinder sitzen“, sagt die 38-Jährige nachdrücklich, „die jeden Tag wütender werden und deren Fragen ich nicht mehr beantworten kann. Und ich selbst bin mittlerweile wirklich verzweifelt, weil ich sehe wie die Kinder leiden. Da helfen mir auch 150 Euro nicht weiter.“ Die Bonuszahlung sieht sie, die betont, sich als vierfache Mutter immer durch alle Schwierigkeiten mit unerschütterlichem Optimismus durchgebissen zu haben, vielmehr als „Schweigegeld, damit die Eltern stillhalten.

Keine klare Linie in der Politik

Auch Christiane Petzold, (Pflege-)Mutter von fünf Kinder zwischen vier und 16 Jahren, kann sich nicht richtig über die Bonuszahlung freuen. Noch ist sie auf der Suche nach dem Sinn dahinter: „Für Familien, bei denen es finanziell wirklich angespannt ist, ist das Geld ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt sie, „und sollte es als Anerkennung für Familien gedacht sein, wäre es schön gewesen, wenn man andere Wege gefunden hätte.“ Zum Beispiel eine kostenlose Ruhr Top-Card, damit nach dem Lockdown die Freizeitstätten wieder frequentiert werden. „Mit dem Geld an sich kann man so nicht viel erreichen“. Um Familien wirklich zu unterstützen , hätte es anderes gebraucht. Die Mehrkosten, die momentan anfallen – laufende Vereinskosten, Lebensmittel, Verdienstausfälle, Neuanschaffung von Endgeräten – könnten damit jedenfalls nicht gedeckt werden, so die Lünerin. „Dieses Jahr, das seit dem Corona -Ausbruch vergangen ist, hat mir gezeigt, dass in der Politik einfach keine klare Linie herrscht, und dass sie komplett an der Lebensrealität der Menschen vorbei geht. Auch diese Zahlung ist wieder nur sehr kurzfristig gedacht.“

Geld kommt aufs Sparbuch

Melissa Groballi wiederum macht sich nicht so viele Gedanken. Da die 24-Jährige noch in der Ausbildung steckt, geht ihr zweijähriger Sohn fast wie gewohnt in die Kita. „Wir packen das Geld, wie auch schon letztes Jahr, auf das Sparbuch“, erzählt sie. Und wenn die Kita doch mal geschlossen war und sie Bekannte um die Kinderbetreuung gebeten hat, bekamen die ein bisschen was von dem Geld. „Ich finde es richtig und wichtig, dass das Geld gezahlt wurde. Zum Beispiel zahlen wir ja auch den Kitabeitrag weiter, auch wenn mein Sohn weniger in die Kita geht. Ich finde, dass wir da schon ein bisschen entlastet werden sollten.“

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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