Annika und Thomas Fränzer auf dem Wochenmarkt in Lünen. © Nora Varga
Marktplatz

Lüner Markt-Händler spüren mehr Zulauf, aber auch Frust von Kollegen

Die Lüner Markthändler erleben eine Renaissance durch Corona, müssen aber auch mit Einschränkungen und Schwierigkeiten fertig werden. Nicht alle gönnen den Händlern, dass sie verkaufen können.

Es ist regnerisch, windig und kalt am Dienstag (19.1.) vor dem Stand von Familie Fränzer auf dem Lüner Wochenmarkt. Eier, Gemüse, verschiedenen Kartoffeln und Obst liegen in der Auslage und trotzen dem unerbittlichen Regen. Annika Fränzer hat den Stand Anfang des Jahres in dritter Generation von ihrem Vater übernommen. Sie spürt im Moment einen Aufschwung des Wochenmarktes durch Corona: „Die Leute kommen extra, weil man ja draußen ist. Die wollen nicht in die Geschäfte reingehen.“

Der erhöhte Ansturm bringt aber auch Probleme mit sich: „Es ist zum Teil schwierig, die Abstände einzuhalten. Einige legen da mehr Wert drauf als andere. Es kommen viel mehr Leute im Moment, die man leiten muss.“ Vor allem im Sommer, als wetterbedingt noch mehr Kunden da waren, musste Annika Fränzer zum Teil zu drastischen Maßnahmen greifen: „Auf einem Markt in Iserlohn, wo wir auch stehen, mussten wir Absperrungen aufstellen. Man muss darauf achten, das die Leute beim Anstehen keinen anderen Stand blockieren, aber trotzdem den Abstand einhalten.“

Trotz schlechten Wetters stehen Kunden vor dem Stand der Familie Fränzer.
Trotz schlechten Wetters stehen Kunden vor dem Stand der Familie Fränzer. © Nora Varga © Nora Varga

Neben den Händlern für Fleisch, Obst, Gemüse und Milchprodukten sind am Dienstag keine Blumenhändler oder Bekleidungsstände da. Was auf den ersten Blick so wirkt wie eine der zahlreichen Corona-Einschränkungen, hat einen viel banaleren Grund: Regen. Annika Fränzer: „Die Klamotten würden ja ganz nass werden, deswegen sind die Kollegen heute nicht da. Einige sind auch noch im Urlaub. Januar und Februar sind die Monate, in denen viele noch weg sind.“

Frustration unter Kaufleuten

Annika Fränzer bekommt hinter ihrer Theke aber auch die Frustration einiger Lüner Kaufleute zu spüren: „Unter unseren Kunden sind auch einige, die in der Lüner Innenstadt ihre Geschäfte haben und die haben natürlich wenig Verständnis. Warum dürfen die ihre Sachen verkaufen und ich nicht.“ Annika Fränzer kann die Lüner Einzelhändler verstehen: „Das fühlt sich alles nicht fair an, wenn Müller geöffnet hat und einzelne Läden schließen müssen. Das war im ersten Lockdown zu Beginn des Jahres noch viel solidarischer.“

Möglich wird der Verkauf von Textilien auf Wochenmärken durch die Corona-Verordnung des Landes NRW, wie Stadtpressesprecher Alexander Dziedeck erläutert: Darin „ist geregelt, dass der Betrieb von Wochenmärkten für Verkaufsstände mit dem Schwerpunkt Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs zulässig ist. Weil die genaue Definition dieser Güter unklar war, hat das Gesundheitsministerium des Landes NRW dazu Stellung bezogen und mitgeteilt, dass die Art der Wochenmärkte, wie sie vor dem Dezember-Lockdown durchgeführt wurden, zulässig sind – und somit auch der Verkauf von Textilien. Die Schwerpunkte des Sortiments dürfen jedoch nicht verändert werden, ebenfalls dürfen keine anderen Anbieter zugelassen werden.“

Am Dienstag ist das Einhalten des Abstandes kein Problem, lange Schlangen bleiben aus. Nicht erst seit Corona sei der Wochenmarkt wieder beliebter: „Es sind gerade die jüngeren Leute, die mehr auf Qualität, Frische und Regionalität wertlegen.“

Breites Angebot gefragt

Annika Fränzer und ihr Mann Thomas Fränzer versuchen, das Angebot breit zu halten, um den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden: „Als meine Großeltern das Geschäft gegründet haben, gab es nur im Sommer Trauben. Jetzt haben wir sie das ganze Jahr über im Winter aus Peru oder Südafrika.“ Die Menschen wollten auf dem Markt nicht mehr von Stand zu Stand gehen, sondern möglichst bei einem Händler alles kaufen, beobachtet die junge Leiterin des Familienbetriebes.

In Lünen gibt es zwei Wochenmärkte. Am Dienstag und Freitag in Lünen-Mitte auf dem Marktplatz (Willy-Brandt-Platz) und in Brambauer auf dem Marktplatz (Yorckstr.) jeweils Montag und Donnerstag.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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