In Pflegeheimen oder Kliniken werden keine Reihentests finanziert, die auch die Pflegekräfte besser schützen könnten. © epd
Coronavirus

Lüner Klinikchef verärgert: Tests für Reisende kostenlos, für Pfleger nicht

Reiserückkehrer können sich kostenlos auf Corona testen lassen, auch Mitarbeiter in Schulen und Kitas. Für Pflegekräfte, gilt das nicht. Der Lüner Klinik-Chef findet das ärgerlich.

Für einige Personen ist es inzwischen, ein halbes Jahr nach Auftreten der ersten Corona-Fälle in Deutschland, möglich, sich kostenlos auf das Virus testen zu lassen. Mitarbeiter des Katholischen Klinikum Lünen-Werne zum Beispiel, die häufig mit Erkrankten oder Risikopatienten konfrontiert sind, gehören aber nach wie vor nicht dazu. „Das verärgert“, kommentiert Geschäftsführer Axel Weinand.

Neu ist, dass die Bundesregierung nun rechtzeitig zum Ende der Sommerferien in NRW kostenlose, teils freiwillige, Corona-Tests für Reiserückkehrer anbietet. „Urlauber, die in einem Risikogebiet ihre Ferien verbracht haben, sind aber seit dem 8. August verpflichtet, sich testen zu lassen“, informiert die Verbraucherzentrale NRW. Wenn der Test innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise erfolgt, werden die Kosten dafür von dem eingerichteten Gesundheitsfond getragen.

Kostenlose Tests für zwei Monate

Neu ist außerdem, dass sich seit dem 3. August (und bis lediglich 9. Oktober) Mitarbeiter in Schulen und Kitas kostenlos testen lassen können. Heiko Haffmann, Sprecher des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales, sagt dazu auf Anfrage der Redaktion: „Die zeitlich befristete Vereinbarung zur Übernahme der Kosten für Tests bei Kita- und Schulpersonal soll eine Einschätzung des Infektionsrisikos beim Anlaufen eines weitestgehend normalen Schul- und Kitabetriebs ermöglichen. Auf Grundlage der so gewonnenen Daten soll das weitere Vorgehen geplant werden.“ Bei den Kostenübernahmen gehe es in allen Fällen um die „infektiologische Fallkonstellation“.

Pflegepersonal nicht berücksichtigt

Unter den Mitarbeitern der Awo Ruhr-Lippe-Ems, die in Lünen mit Kitas, Offener Ganztagsbetreuung (OGS) an Schulen sowie einem mobilen Pflegedienst vertreten ist, haben nur die Mitarbeiter der ersten beiden Institutionen die Möglichkeit eines verdachts-unabhängigen Test. Pflegepersonal wird nach wie vor nicht berücksichtigt. „Weder Land noch Bund haben Regelungen für Mitarbeiterinnen im Pflegebereich vorgesehen“, sagt Awo-Sprecher Sebastian Laaser. Nur im konkreten Verdachtsfall werden die Pflegedienstmitarbeiter sofort aus dem Dienst gezogen und getestet, die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Ein „heißes Eisen“ nennt Laaser dieses Thema.

Auch in den Krankenhäusern, so auch im Klinikum Lünen, dürfen sich Mitarbeiter nur nach einem ungeschützten Kontakt mit einem Covid-19-Patienten oder bei einem größeren Ausbruchsgeschehen testen lassen. Die Tests werden im Krankenhaus selbst durchgeführt, das auch die Kosten zu tragen hat. Die belaufen sich laut Klinikum-Geschäftsführer Axel Weinand auf etwa 70 Euro pro Test. Auch das sei ärgerlich, so der Ökonom.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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