Lüner Kirchengemeinden: Hochzeit mit Abstandsregel kaum gefragt

dzNur wenige Trauungen

Ganz in Weiß, aber ohne Gesang und nur mit wenigen Gästen - viele Paare haben sich ihre kirchliche Trauung anders vorgestellt. Deshalb wurden viele Termine auf 2021 in Lünen verschoben.

Lünen

, 29.08.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der 6. September ist in Brambauer ein ganz besonderer Tag. Dann findet in der evangelischen Martin-Luther-Kirche die erste „Corona-Trauung“ überhaupt statt. „Alle anderen wurden seit März entweder ganz abgesagt oder verschoben“, sagt Pfarrerin Friederike Scholz-Druba. Einige Wochen lang war die Kirche ohnehin wegen der Pandemie geschlossen. Aber auch über die Sommermonate hinweg fand in der evangelischen Kirchengemeinde Brambauer keine Trauung statt. „Das hat vor allem mit den fehlenden Feiermöglichkeiten zu tun“, so die Gemeindepfarrerin. Bis Ende des Jahres sind derzeit noch vier Trauungen im kleinen Kreis mit bis maximal 60 Personen terminiert.

Diese Hochzeiten finden natürlich unter den Corona-Schutzmaßnahmen statt. Betreten werden darf die Kirche nur mit Maske und Desinfektion der Hände sowie einem Eintrag in die Anwesenheitsliste. Der Einzug in die Kirche erfolgt mit Mund-Nasen-Schutz, die Gäste sitzen mit Abstand, dürfen am Platz dann die Maske abnehmen.

Segenswort mit Abstand

Das Brautpaar und der Pfarrer oder die Pfarrerin stehen auf Abstand im Altarraum, brauchen deshalb keine Maske. Das Segenswort wird auf Abstand gesprochen, der Ringwechsel findet ohne Beteiligung des Seelsorgers statt. Gemeindegesang ist verboten. Erlaubt sind nur Orgelspiel oder ein Solo-Gesang von der Empore. „Manche Paare lassen sich darauf ein“, so Friederike Scholz-Druba.

Die gleichen Regeln gelten auch in der Stadtkirche St. Georg der evangelischen Kirchengemeinde Lünen. „Bis zu 120 Personen dürfen an einem Traugottesdienst in der Stadtkirche teilnehmen“, so Pfarrer Udo Kytzia.

In diesem Jahr sind es deutlich weniger Trauungen in dem historischen Gotteshaus als in den vergangenen Jahren. Kytzia: „Viele Termine wurden entweder zunächst abgesagt - oder es wurden gleich Ersatztermine für 2021 vereinbart.“

Auf 2021 verschoben

Weniger Trauungen als in den vergangenen Jahren verzeichnet auch die Großgemeinde St. Marien. „Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen und Regelungen haben Brautpaare ihre Feier für dieses Jahr abgesagt und auf das kommende Jahr verschoben“, so Pfarrer Michael Mombauer.

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Da Hochzeiten heute meist im großen Stil mit 150 Personen und mehr gefeiert werden, gebe es nun mal Konflikte mit den derzeit geltenden Bestimmungen. Sowohl was die kirchliche Trauung als auch die anschließende Feier in Gaststätten betrifft.

Für den Besuch von Gottesdiensten gelten bestimmte Vorgaben, die die Diözese Münster Ende April mit der Landesregierung von NRW vereinbart hatte und die regelmäßig aktualisiert werden. Daraus ergeben sich auch bestimmte Grenzen, welche Anzahl von Gottesdienstbesuchern sich in der jeweiligen Kirche aufhalten darf - also in St. Marien, St. Gottfried, St. Norbert und St. Ludger, die zur Gemeinde St. Marien gehören.

80 Prozent der geplanten Termine abgesagt

In der Evangelischen Kichengemeinde Horstmar-Preußen sind rund 80 Prozent aller angemeldeten Trauungen für 2020 abgesagt worden. „Die meisten Hochzeiten sollten im Mai und Juni gefeiert werden, zu dieser Zeit waren wir ja teilweise noch im Lockdown und es war nicht absehbar, wie sich alles entwickeln würde“, so Pfarrerin Andrea Ohm.

Sie hat für die Absagen vollstes Verständnis, „denn eine Trauung mit Abstandsregeln ist natürlich nicht wirklich schön.“ Mittlerweile haben sich schon sehr viele der Paare einen neuen Termin für 2021 reservieren lassen. „Deshalb werden wir im kommenden Jahr wohl fast doppelt so viele Trauungen haben wie in normalen Jahren.“

Abstand zwischen Brautpaar und Gästen und Pfarrer ist in diesen Zeiten wichtig.

Abstand zwischen Brautpaar und Gästen und Pfarrer ist in diesen Zeiten wichtig. © picture alliance / dpa

Kürzlich hat das Presbyterium der Gemeinde Horstmar-Preußen ein neues Hygienekonzept für Gottesdienste und auch Trauungen beschlossen. Das muss allerdings noch vom Kirchenkreis Dortmund genehmigt werden.

Nach den neu beschlossenen Regelungen muss man die Kirche zum Gottesdienst mit Maske betreten und verlassen, kann sie am Platz aber abnehmen. Bei Trauungen dürfen Menschen aus gemeinsamen Haushalten und Familien zusammen sitzen. Zwischen den Haushalten muss ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden.

Die neuen Regelungen für Hochzeiten sehen vor, dass dabei nicht mehr nach Haushalten unterschieden wird. Die Hochzeitsgesellschaft darf zusammen sitzen, denn anschließend werden die Gäste ja auch zusammen feiern.

Noch wartet man aber in Horstmar-Preußen auf grünes Licht vom Kirchenkreis, damit die Regelungen in Kraft gesetzt werden können.

Trausegen ohne Handauflegung

Der Trausegen wird ohne Handauflegung gesprochen, da Berührungen vermieden werden sollen. Beim Betreten der Kirche gilt weiterhin, dass die Gläubigen die Hände desinfizieren müssen und eine Liste mit den Personen geführt wird, die die Kirche besuchen. Die Gemeinde und die Hochzeitsgesellschaft dürfen nicht singen. Sollte ein Sänger oder eine Sängerin für das Paar engagiert werden, muss sich derjenige an die Abstandsregeln halten.

Wenn es einen Einzug des Brautpaares in die Kirche gibt, müssen die Brautleute Maske tragen. Und natürlich auch beispielsweise die Eltern, wenn sie ihre Kinder zum Altar führen wollen.

Die Maskenpflicht beim Betreten und Verlassen der Kirche gilt auch in den Gotteshäusern des Pastoralen Raums Lünen. Zu Zahlen der Trauungen in diesem Jahr gab es von dort leider keine Angaben. Klar ist aber auch, dass auch in den katholischen Kirchen südlich der Lippe kein Gemeindegesang gestattet ist. Stattdessen wird verstärkt auf Orgelspiel gesetzt. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist begrenzt.

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