Vor einem Jahr hatten Lutz Nennmann (l.) und Max Biela, Assistent der Geschäftsführung, noch die Hoffnung, dass im April der neue James Bond in die Kinos kommt. Stattdessen kam Corona. © Beate Rottgardt (Archiv)
Cineworld und Corona-Krise

Lüner Kino-Chef ist wütend: „Ist Maniküre wichtiger als die Kultur?“

Die Kinos und Theater sollen nach dem Lockdown als letzte öffnen - dieser Vorschlag aus Schleswig-Holstein sorgt bei der Lüner Cineworld für großen Ärger. Jetzt reagieren die Betreiber.

Lutz Nennmann platzt der Kragen, wenn er die Vorschläge liest, die der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther, für die Öffnung nach dem Lockdown macht. Nach dessen Vier-Stufen-Plan für eine Lockerung sind Kinos in die zeitlich letzte Stufe eingeordnet. Danach dürften Kinos erst wieder öffnen, wenn der Inzidenzwert der vergangenen sieben Tage unter 35 gefallen ist.

Nun hat Nennmann, der zusammen mit Meinolf Thies die Lüner Cineworld und zwei weitere Kinos in Solingen und Düren betreibt, einen offenen Brief an Günther geschrieben, der auch an die NRW-Staatskanzlei und Medien bundesweit geschickt wurde.

Vorgehen schiebt Filmbranche näher an den Abgrund

Darin wirft Nennmann dem Kieler Regierungschef vor, dass dessen Vorgehensweise die Filmtheater und damit auch die Filmbranche näher an den Abgrund schiebe. Nennmann lebt in Schleswig-Holstein und wirft seinem „Landesvater“ vor, dass dieser Nagelstudios, kosmetische Fußpflege und Maniküre den Kinos bei einer Lockerung vorziehe. Kinos sollen nach Günthers Konzept dagegen zum Schluss zusammen mit Spaßbädern, Kneipen und Saunen öffnen dürfen. „Ist eine zeitnahe Maniküre wichtiger als die Kultur?“ fragt Nennmann in seinem Brief an Günther.

Auch für die Betreiber des Kinos in der Lüner Innenstadt ist die Corona-Krise eine harte Zeit. Anders als in den Säälen des gleichnamigen Betreibers in Großbritannien und den USA, werden in der Lippestadt aber weiter Filme gezeigt.
Auch für die Betreiber des Kinos in der Lüner Innenstadt ist die Corona-Krise eine harte Zeit. Anders als in den Säälen des gleichnamigen Betreibers in Großbritannien und den USA, werden in der Lippestadt aber weiter Filme gezeigt. © Rottgardt © Rottgardt

„Ich weiß, dass Politik es unmöglich allen recht machen kann, aber wir gehören zu den Branchen, wo eine Öffnung mit Blick auf das Infektionsgeschehen unproblematisch ist. Da finde ich so ein Konzept fahrlässig“, sagt Nennmann. Das Konzept aus Kiel ignoriere vorliegende Fakten, beispielsweise eine Studie der TU Berlin, nach der es 2020 in keinem einzigen Kino zu einer Corona-Infektion gekommen sei. Nennmann: „Stattdessen wird keine schlüssige Argumentation vorgelegt, warum Kinos erst zum Schluss öffnen dürfen.“

Auch für Theater gebe es entsprechende Daten, dass auch dort der Aufenthalt ungefährlich sei. Auch das werde in dem Konzept geleugnet. In seinem Brief an Günther erklärt Nennmann, dass er, seine ganze Branche wie auch verwandte Branchen wie Bühnenbetriebe inständig hoffen, dass die Bundeskanzlerin „und auch sonst niemand auf Sie hören wird.“

Finanzielle Hilfen fließen nicht wie versprochen

Natürlich sei der Brief „schon sehr direkt, aber man muss klare Worte sprechen“, so Nennmann. Während Kinos und Theater für Günther am Ende stehen, werde nicht gesehen, dass es zwar maximale Kundenzahlen für den Einzelhandel gebe, sich in der Realität aber dann zahlreiche Kunden vor dem Regal ohne Abstand drängeln oder dass nach einer Schulöffnung die Kinder im öffentlichen Nahverkehr dicht an dicht gedrängt stehen wie geschichtete Sardinen.

Auch die immer wieder versprochenen finanziellen Hilfen fließen nicht, wie von Berlin aus versprochen. „Wir laufen der Förderung, die uns zusteht, immer noch hinterher. Es gibt viele Fallstricke im Kleingedruckten“, so Nennmann. Wenn die Hilfen so kämen wie angekündigt, hätte die Kinobranche „nicht dieses Riesenproblem“.

Hoffen auf Laschet

Nennmann glaubt nicht, „dass wir die Kinos im Februar noch öffnen dürfen. Das heißt dann, dass wir von den letzten elf Monaten die Hälfte geschlossen hatten.“ Das Problem zieht sich von den Kinos zu den Filmverleihern und den Filmproduzenten. „Deshalb machen uns solche Konzepte wie das von Ministerpräsident Günther so wütend.“

Er hoffe, dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sich gegen seinen Parteifreund aus Kiel durchsetzt, denn Laschet habe erklärt, dass die Kultur ganz vorne stehe, wenn Lockerungen möglich sind. Nennmann: „Ich bin gespannt, ob dem auch Taten folgen.“ Auch ein Konzept von Ministerpräsident Stefan Weil aus Niedersachsen sehe die Kinos nicht an letzter Stelle der Öffnungen nach dem Lockdown. Nun ist Nennmann gespannt, auf eine Antwort aus Kiel.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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