Lüner geben medizinischer Versorgung schlechtere Noten: Das sind die Gründe

dzImageumfrage

Die medizinische Versorgung in Lünen ist von den Bürgern schlechter bewertet worden als vor acht Jahren. Wir haben bei einem Arzt und einem Klinik-Chef nachgefragt, warum das so ist.

Lünen

, 26.09.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

2011 gaben die Lüner bei einer Imageumfrage der medizinischen Versorgung noch eine glatte Zwei. Acht Jahre später ist die Zufriedenheit leicht gesunken. Die Tendenz geht zur Note 2,5, also immer noch ein guter Wert. Ist das jetzt Stöhnen auf hohem Niveau?

Ärztesprecher Dr. Michael Funke sagt: „Die Menschen spüren, dass die medizinische Nahversorgung Lücken bekommen hat.“ So habe Lünen beispielsweise keinen niedergelassenen Gastroenterologen mehr. Patienten müssten zur Behandlung nach Werne.

Patienten müssen weiter fahren

Bei Problemen mit der Schilddrüse sei die Radiologie gefragt. Die hat mitunter keine zeitnahen Termine mehr frei. Dann müssen sich Betroffene nach Dortmund oder Unna orientieren. Funke meint: „Die medizinische Versorgung ist immer noch hervorragend, aber eben nicht mehr so zeitnah und bequem in Lünen zu haben.“ Aus finanziellen Überlegungen sei politisch eine Versorgung im Umkreis von 30 Kilometern vorgesehen. Das trifft besonders ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind.

Hausärzte gehen in den Ruhestand

Eine Rolle spielt zudem, dass immer mehr Hausärzte in den Ruhestand gehen. Plötzlich müssen sich Patienten einen neuen Arzt ihres Vertrauens suchen. Das ist nicht immer einfach, weil andere Mediziner bereits volle Praxen haben. So erging es einer Lünerin, die für ihre Mutter aus Berlin einen neuen Hausarzt brauchte. Weil sie in Brambauer keinen fand, musste sie den Platz im dortigen Seniorenheim absagen. Der Fall sorgte für Schlagzeilen. „Das spüren die Patienten. Sie merken auch, dass plötzlich ihre gewohnten Tabletten in der Apotheke nicht mehr lieferbar sind“, so Funke. Das alles seien Details, die den subjektiven Eindruck erhärten: Es wird weniger.

904 Lüner wurden befragt

Für die Imageumfrage, deren Ergebnisse Prof. Hartmut Holzmüller vom Institut für Marketingberatung im Haupt- und Finanzausschuss (19.9.) vorstellte, sind 904 Lüner, darunter 120 Passanten vor Ort und 784 online befragt worden. Holzmüller sprach von „einer soliden Basis“. Über die Gründe für die gesunkenen Zufriedenheitswerte bei der medizinischen Versorgung wurde im Ausschuss gerätselt. Möglicherweise habe die Schließung der Urologie am Katholischen Klinikum Lünen/Werne eine Rolle gespielt, hieß es.

Geschäftsführer Axel Weinand hält das „für zu kurz gesprungen“. Ihm fehlen zu einer Beurteilung der Ursachen genauerer Angaben, beispielsweise wer von den Befragten womit nicht zufrieden sei.

Volle Notaufnahme

Ein allgemeines Thema sei zurzeit die Notfallversorgung. Weil Patienten im niedergelassenen Bereich lange nach Terminen suchen müssen, landeten sie in der Notaufnahme des Krankenhäuser. Die seien übervoll. Auch das führe zu Unzufriedenheit. Per Gesetz will man die Notfallversorgung regeln, mit einer zentralen Vergabe von Terminen.

Das Klinikum frage die Zufriedenheit seiner Patienten ab. Der Rücklauf liege bei 25 bis 30 Prozent. „Die Zufriedenheit ist in den acht Jahren nicht schlechter geworden“, so Weinand. Erst jüngst wurde das Haus vom FAZ-Institut als eine der besten Kliniken Deutschlands aufgeführt.

Hohe Zufriedenheit bei interner Abfrage

Während laut interner Patientenbefragung 95 bis 97 Prozent zufrieden waren, waren es drei bis fünf Prozent nicht. Das sind immerhin 3000 bis 4000 Menschen. Weinand nennt neue medizinische Verfahren, neue Computertomografen und neue Medikamente, die in den vergangenen acht Jahren eingesetzt worden sind. Die Patienten würden viel schneller das Krankenhaus verlassen. Allein auf die Schließung der Urologie wollte Weinand den sinkenden Zufriedenheitswert der Imageumfrage jedenfalls nicht schieben.

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