An der Cappenberger Straße befindet sich seit Anfang der 70er Jahre der Firmensitz von Grabmale Schmidt. Die Firma besteht bereits seit 125 Jahren. © Günther Goldstein
Jubiläum bei Grabmale Schmidt

Lüner Firma setzt in der vierten Generation auf Handwerkskunst

Eine Firma in der vierten Generation zu führen, ist heute kein leichtes Unterfangen. Gregor Schmidt wurde jetzt für ein besonderes Firmenjubiläum geehrt. Grabmale Schmidt gibt es seit 1896.

Das ist kein alltägliches Jubiläum – 1896 gründete Josef Schmidt, der ursprünglich aus Soest stammte, in erster Generation in Lünen einen Steinmetzbetrieb mit dem Schwerpunkt Maßwerke und Kirchenfenster. 125 Jahre später wird „Grabmale Schmidt“ von seinem Urenkel Gregor Schmidt in vierter Generation geführt.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich einiges geändert. Josef Schmidts Sohn Alfred übernahm die Firma während der Wirren des Zweiten Weltkriegs und übergab sie wiederum 1960 an Helmut Schmidt, den Vater des jetzigen Besitzers Gregor Schmidt. So wurde das Wissen über die hochwertige Bearbeitung von Grab- und Natursteinen über Generationen weitergetragen. Das Unternehmen arbeitete an verschiedenen Standorten in Lünen, der heutige Firmensitz im Bauhaus-Stil an der Cappenberger Straße 153 entstand erst Anfang der 1970er Jahre. Gregor Schmidt leitet den Betrieb seit 1995.

„Früher gab es auf den Friedhöfen mehr aufrechte Steine, heute sind es mehr und mehr Urnengräber mit kleineren Steinen und Rasengrabsteine“, so der 53-jährige Steinmetz und Steinbildhauer. „Zur Jahrtausendwende begann der Trend immer stärker in Richtung Urnengräber zu gehen, es spiegelt sich darin auch die Lage in der Gesellschaft wider“. Immer mehr Menschen regeln auch schon zu Lebzeiten, wie ihr Grab später aussehen und gepflegt werden soll.

Aufträge für Grabsteine haben sich verändert

Denn oft leben die Hinterbliebenen gar nicht vor Ort oder es gibt auch gar keine mehr, die sich dann um das Grab kümmern können. Dementsprechend haben sich auch die Aufträge für Grabsteine im Laufe der Zeit verändert.

Gregor Schmidt war relativ früh klar, dass er die Familienfirma übernehmen will. „Ich habe schon mein Fachabitur mit dem Schwerpunkt Gestaltung absolviert“, sagt er. Danach begann er 1986 seine Steinmetz- und Steinbildhauer-Ausbildung im väterlichen Betrieb, 1993 legte er die Meisterprüfung ab. Sein Meisterstück ist noch heute ein Blickfang in Lünen.

Meisterstück steht an der St.-Marien-Kirche

Denn unweit der St.-Marien-Kirche schuf Schmidt eine Stele, die die Ursprünge Lünens zeigt – zu sehen auf dem dreieckigen Bereich, den die Nachbarschaft zur Altstadt dort pflegt und wo sie traditionell einen Maibaum und einen Weihnachtsbaum aufstellt. „Die Nachbarschaft hat mir das Material für die Stele zur Verfügung gestellt, ich habe die Arbeit und dann auch das fertige Meisterstück gespendet.“

Obermeister Frank Asbeck (r.) und Geschäftsführer Ludgerus Niklas (M.) von der Bildhauer- und Steinmetz-Innung Dortmund und Lünen gratulieren Gregor Schmidt zum 125-jährigen Bestehen seines Unternehmens.
Obermeister Frank Asbeck (r.) und Geschäftsführer Ludgerus Niklas (M.) von der Bildhauer- und Steinmetz-Innung Dortmund und Lünen gratulieren Gregor Schmidt zum 125-jährigen Bestehen seines Unternehmens. © Stefan Mueller © Stefan Mueller

Zu sehen sind u.a. ein Relief der Maria, die für die Wallfahrtskirche St. Marien steht, und eine Erinnerung an den Grafen von der Mark, der Lünen 1341 die Stadtrechte verlieh. „Wenn ich vorbei komme, schaue ich es mir auch immer gerne an“, so Schmidt.

Der 53-Jährige führt den Betrieb heute mit zwei langjährigen Angestellten. Möglicherweise übernimmt irgendwann auch die fünfte Generation der Familie die Firma. Auch wenn Sohn Julius (26) beruflich erst einmal eine andere Richtung eingeschlagen hat. Seine Steinmetzlehre hat er aber im väterlichen Betrieb absolviert.

In der Innung aktiv

„Einige Jahre im Beruf habe ich aber selbst noch vor mir“, so Gregor Schmidt. Der Arbeitsschwerpunkt liegt bei der Grabsteingestaltung. „Im Prinzip kümmern wir uns um alles, was mit Natursteinen zu tun hat. Wir gestalten Grabmale, gravieren Schriften, restaurieren verwitterte Steine“, erzählt er. Schmidt ist mit seiner Firma nicht nur seit vielen Jahrzehnten Mitglied der Bildhauer- und Steinmetz-Innung Dortmund und Lünen, sondern auch Beisitzer im Vorstand.

Fotostrecke

Grabmale Schmidt feiert 125. Jubiläum

Deshalb gab es zum 125-Jährigen auch Besuch aus Dortmund. Obermeister Frank Asbeck und Geschäftsführer Ludgerus Niklas überreichten die Urkunden der Innung und der Handwerkskammer sowie ein Präsent an Gregor Schmidt.

„125 Jahre als Handwerksunternehmen sind ein Zeichen für zufriedene Kunden und die hohe Qualität der geleisteten Arbeit. Wir gratulieren Ihnen ganz herzlich und freuen uns, ihr Traditionsunternehmen als Innungsmitglied in unseren Reihen zu wissen“, sagte der Obermeister.

Schmidt weiß – selbst wenn er sich beruflich verändern wollte, hat er viele Möglichkeiten. „Da müsste ich nur nach Paris gehen, bei der Restaurierung von Notre Dame brauchen sie viele Steinbildhauer.“ Aber auch im eigenen Lande gibt es zahlreiche Kirchen, die eine ewige Baustelle sind, wie den Kölner Dom. „Je nach Material, das für den Kirchenbau verwendet wurde, gibt es Probleme. So zersetzt säuerliche Luft Kalkstein, der oft zum Bau genutzt wurde.

Aufträge zur Restaurierung

Schmidt hat aber auch mit seiner Firma einiges zu tun. Grabsteine mit Ornamenten und Reliefs sind immer noch gefragt. Neben der Gestaltung von Grabsteinen für private Kunden restauriert er auch immer wieder alte Steine. So gibt es eine Anfrage des Lüner Museums, die Grabsteine der Familie Waldschmidt, die in Schwansbell liegen und aus dem 19. Jahrhundert stammen, zu säubern.

Auch das Stadtbild hat Schmidt mitgestaltet. So stammt der Sandstein-Teil des Roggenmarkt-Brunnens ebenso von ihm wie er den St. Georg-Brunnen vor der Stadtkirche zusammen mit dem Lüner Künstler Andrzej Irzykowski gestaltet hat.

„Wir haben auch Grabsteine im Tobiaspark restauriert und auch die Skulptur des ,Müden Wanderers’ in diesem Park,“ so Schmidt.

Sein Beruf sei eben sehr vielseitig. Dennoch entscheiden sich immer weniger junge Leute dafür. Schmidt: „Ich schätze, derzeit gibt es 50 Prozent weniger Lehrlinge als in früheren Jahren, obwohl der Beruf so viele verschiedene Möglichkeiten bietet.“

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
Zur Autorenseite
Beate Rottgardt

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.