„Der versucht, mir immer etwas anzuhängen“: Lüner bestreitet Drogenbesitz

dzAmtsgericht

Bei einer Kontrolle in Lünen habe er Amphetamin sichergestellt, sagte der Polizist bei dem Prozess. „Der versucht, mir immer etwas anzuhängen“, sagte allerdings der Angeklagte.

von Jana Peuckert

Lünen

, 19.06.2020, 09:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Paar ist in der Nacht auf den 15. Dezember des vergangenen Jahres mit einem Auto in Lünen unterwegs, als es auf der Kurt-Schumacher-Straße plötzlich von der Polizei gestoppt wird. Die Beamten durchsuchen sowohl die Personen als auch den Wagen. Der Grund: Verdacht auf Drogenbesitz.

Nach dem Einsatz heißt es in einer Strafanzeige, der Beifahrer habe der Polizei ein Klemmverschlusstütchen mit 0,76 Gramm Amphetamin übergeben. Besagter Beifahrer fand sich daraufhin wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln auf der Anklagebank des Amtsgerichts Lünen wieder. Dort stritt der 33-Jährige ab, Amphetamin bei sich gehabt zu haben. „Das ist ein Schikanespiel“, erklärte der Angeklagte.

Aussage gegen Aussage

Er kenne einen der beteiligten Polizisten aus der Schulzeit. Der andere habe ihn nie leiden können. „Der versucht, mir immer etwas anzuhängen“, so der 33-Jährige. Seine Freundin bestätigte die Aussage des Angeklagten. Der habe gar keine Drogen dabei gehabt, sei schon länger clean. Hätte der 33-Jährige etwas ausgehändigt, hätte sie es „definitiv gesehen“, zeigte sich die 28-Jährige von der Unschuld ihres Lebensgefährten überzeugt.

Auch der damals beteiligte Polizist kam im Zeugenstand zu Wort. Am Tattag sei er mit seinem Kollegen im Streifenwagen unterwegs gewesen. Da habe er den Angeklagten, der ihm als Zwischenhändler für Amphetamin bekannt sei, gesehen und angehalten. Sofort habe der 33-Jährige ein Tütchen mit Stoff herausgegeben. Einen Groll hege er nicht gegen den Angeklagten, versicherte der Polizist. Damit stand es Aussage gegen Aussage.

Verfahren wegen Falschaussage möglich

Ein Urteil wollte die Richterin auf dieser Basis nicht fällen. Stattdessen setzte sie die Verhandlung aus. An einem neuen Termin sollen weitere Polizisten als Zeugen gehört werden. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft notierte sich indes die Daten der Freundin des Angeklagten. Der 28-Jährigen droht möglicherweise ein Verfahren wegen Falschaussage.

Verurteilt wurde der 33-Jährige am Ende aber trotzdem. Er war am 11. Januar ohne Fahrerlaubnis in Hamm am Steuer eines Autos erwischt worden. Aufgrund zahlreicher Vorstrafen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Trunkenheitsfahrten und Drogendelikten verurteilte die Vorsitzende den Mann zu fünf Monaten Haft. Für eine Aussetzung zur Bewährung sah sie keinen Raum mehr, zumal der Angeklagte die hiesige Tat unter laufender Bewährung begangen hatte. Zudem verhängte die Richterin eine einjährige Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis.

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