Lüner Auswanderer weiß schon, wen er als US-Präsidenten wählen wird

dzTrump oder Biden?

Ein Lüner darf im November seine Stimme bei der Wahl zum US-Präsidenten abgeben. Peter Gresch lebt seit Jahren in den USA und weiß auch schon längst, wen er wählen wird.

Lünen

, 02.09.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Peter Gresch ist eines klar - er wird am 3. November wählen gehen. Der 58-jährige gebürtige Lüner lebt seit 1987 in den USA, hat mittlerweile die amerikanische Staatbürgerschaft und kann deshalb auch an der Präsidentschafts-Wahl teilnehmen.

Gresch, Sohn des bekannten Lüner Künstlers und Theatermachers H.O. Gresch, führt seit 25 Jahren mit seiner Frau ein Geschäft für Innendekoration in Rhode Island an der Ostküste der USA, einer der Neuenglandstaaten. Er ist aber - so oft es der Terminplan und derzeit die Corona-Pandemie zulassen - immer mal wieder in Lünen, wo seine Mutter Irene und seine Geschwister leben. Auch über das soziale Netzwerk Facebook hält er Kontakt in die Heimat.

Der Lüner Auswanderer ist gerne in der Natur der Neuengland-Staaten unterwegs.

Der Lüner Auswanderer ist gerne in der Natur der Neuengland-Staaten unterwegs. © Gresch

Für Peter Gresch steht Amerika am Scheideweg. „Ich kenne niemanden, der sich dessen nicht bewusst ist oder nicht vom politischen Sog herumgewirbelt wird.“ Und dafür macht er Präsident Donald Trump klar als Schuldigen aus: „ Es ist schwer, sich dem täglichen Drama der durch Willkür entstandenen Krisen und dem engstirnigen Widersinn dieses Präsidenten zu entziehen.“

Anders als in Deutschland, wo eine „kompetente Demokratie die Auswüchse des Populismus im Griff behält“, sei Amerika aus dem Ruder gelaufen. „Wir wissen das jetzt und müssen uns auf die Folgen vorbereiten. Da kann man nicht wegschauen.“

Politische Diskussionen mit Freunden und Bekannten gibt es kaum noch, so Gresch. Trump sei es gelungen, Misstrauen über das gemeinsame kulturelle Erbe zu streuen. „Die Menschen empfinden diese Wahl auf beiden Seiten als einen Konflikt zwischen Dunkelheit und Licht, Gut und Böse.“

„Es wird keine Aussöhnung geben“

Bei der Frage, ob er eine Prognose wagt, wer die Wahl gewinnen wird, wird Gresch noch nachdenklicher: „Verlieren wird Amerika. Es wird keine Aussöhnung geben.“ Seine Stimme wird er „dem Konsens der Mitte geben, den Joe Biden verkörpert“. Seiner Meinung nach wäre die Wiederwahl Trumps ein Fanal, eine Brandfackel für die Menschen in den USA.

Seit Trump vor knapp vier Jahren sein Amt angetreten hat, sind - so Greschs Empfinden - die Harmonie und das „good will“ verloren gegangen. In seinen Augen sei Trump „ein inkompetentes Regierungsoberhaupt, aber auch ein gewiefter Manipulator, für den Chaos und Dissonanz willkommene Dynamiken darstellen, in denen er persönliche Ziele und die seiner Familie durchsetzen kann.“

Diese offenbar gewollte Zersetzung der Normen setze alle einem enormen Stress aus. „Seine Präsidentschaft hat aber auch offen gelegt, wie sehr eigentlich die Vereinigten Staaten im Kern schon länger gespalten sind.“

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