Die Lünerin Ulrike Jones lebt seit 31 Jahren in den USA. Die derzeitige Lage beunruhigt sie. © Jones
Bidens Amtseinführung

Lüner Auswanderer befürchten wieder Gewalt von Trump-Anhängern

Die Bilder sorgten für Aufsehen und Ängste - ein wilder Mob aus Trump-Anhängern stürmte das Kapitol. Zwei Lüner Auswanderer verfolgten die Geschehnisse in den USA - und sind besorgt.

Seit 31 Jahren lebt Ulrike Jones in den USA, in Richmond (Virgina) hat die Lünerin eine neue Heimat gefunden. Inzwischen ist sie auch US-Bürgerin und darf wählen. Im November hat sie das getan und ihre Stimme dem späteren Wahlsieger Joe Biden gegeben.

Der neue Präsident und seine Vize-Präsidentin Kamala Harris sollen am 20. Januar in Washington ins Amt eingeführt werden. Am Kapitol – wo 14 Tage zuvor ein wilder Mob von Trump-Anhängern gewaltsam verhindern wollte, dass Bidens Sieg offiziell wurde.

Diese Bilder haben Ulrike Jones geschockt. „So gespalten waren wir hier schon lange nicht mehr. Es wird Zeit, dass Trump weg kommt,“ sagt sie. Die 66-Jährige zog der Liebe wegen in die USA, sie hatte ihren amerikanischen Mann bei dessen Urlaub in Deutschland kennengelernt.

Am Kapitol soll Joe Biden am 20. Januar ins Amt des Präsidenten der USA eingeführt werden. Die beiden Lüner Auswanderer hoffen, dass alles friedlich abläuft. © dpa © dpa

Sie hofft, dass Biden und Harris dafür sorgen werden, dass die Spaltung, die sich immer mehr durch die USA zieht, überwunden wird. „Durch den neuen Präsidenten hoffe ich, dass es ruhiger und wieder vereint wird. Aber das dauert schon eine Weile.“

„Trump wollte nur die Weißen stärken“

Ihrer Meinung nach war Trumps Ziel, mit seinem Spruch „Make America great again“ vor allem die Weißen zu stärken. Ulrike Jones ist optimistisch, dass Biden ein Präsident aller Amerikaner werden kann: „Er hat sehr viel zu tun, um dem ganzen Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Ich habe ein gutes Gefühl, dass er das auch möchte.“ Sie denkt, dass der neue US-Präsident das in den Griff bekommt. Mit den richtigen Leute an seiner Seite.

Mit Blick auf die Vereidigung Bidens am 20. Januar meint sie: „Mal sehen, was in den nächsten Tagen noch passiert. Es wurde bekannt, dass bestimmte Gruppen bis und am 20. Januar noch einiges stürmen wollen. Da hoffe ich, dass am 20. nichts passiert.“ Sie war geschockt, als sie am 6. Januar die Bilder vom Kapitol gesehen hat.

Der Lüner Auswanderer Peter Gresch bei einer Radtour in Berkshire. Die Corona-Lage in den USA macht ihm Sorgen.
Der Lüner Auswanderer Peter Gresch bei einer Radtour in Berkshire. Die Corona-Lage in den USA macht ihm Sorgen. © Gresch © Gresch

Pessimistisch ist auch der Lüner Auswanderer Peter Gresch, was die Trump-Anhänger betrifft: „Die Lage ist recht kritisch. Wenn die Hardliner der Republikaner diese Woche weiterhin die Propaganda von Trump unterstützen, werden wir eine Eskalierung der Gewalt in naher Zukunft erfahren.“

Der Lüner lebt seit vielen Jahren in Rhode Island, hat dort einen Antiquitäten-Handel. Auch er ist US-Bürger und auch er hat Joe Biden gewählt. Seiner Meinung nach ist der Druck innerhalb der Q-Bewegung, aus welcher viele von Trumps Milizen rekrutiert wurden, enorm gewachsen.

Weiterer Druck auf Trump

„Trump hat sich an die Spitze dieser ultra-rechten Bewegung gesetzt, und eine Demontierung Trumps wird gleichgesetzt mit einer versuchten Ausmerzung der Bewegung selbst und ihrer Kultur. Die gerichtliche Verfolgung von Kapitolstürmern und ein Amtsenthebungsverfahren im Kongress werden weiteren Druck auf Trump und die Q-Bewegung ausüben, sich noch radikaler vor, wie sie es sehen, Ausgrenzung und illegitimen Übergriffen zu schützen“, sagt der 58-jährige Gresch.

„Biden muss Schulterschluss einfordern“

Seiner Meinung nach hängt nun viel von den republikanischen Spitzenpolitikern selbst ab. Präsident Joe Biden müsse von den traditionellen Republikanern den Schulterschluss einfordern. Gresch meint: „Die republikanische Partei wird eine Spaltung aus prinzipiellen Gründen in Kauf nehmen müssen. Man ist entweder eine konstitutionelle Demokratie, oder man akzeptiert, dass fortan weitgehend Opportunismus die Politik bestimmen wird.“

Wie Ulrike Jones hofft er natürlich, dass die Amtsübergabe trotzdem friedlich vonstatten geht. Über die Lage in ihrer neuen Heimat will Ulrike Jones mit ihren Freunden in diesem Jahr direkt sprechen. Eigentlich wollte sie schon 2020 mal wieder nach Deutschland fliegen und Freunde besuchen. Corona machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Nun will sie am 27. Juli in ihre alte Heimat fliegen. „Ich hoffe, dass es klappt.“

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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