Lüner angeklagt: Überfallopfer aus Herbern erinnert sich an "nette und aggressive" Täter

Landgericht Dortmund

Im Prozess gegen drei mutmaßliche Serienräuber aus Lünen haben sich am Freitag mehrere Überfallopfer erinnert. Einer Verkäuferin aus Herbern standen bei ihrer Aussage die Tränen in den Augen.

Lünen, Ascheberg, Herbern

, 26.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Lüner angeklagt: Überfallopfer aus Herbern erinnert sich an "nette und aggressive" Täter

Den Aldi in Herbern raubten die Angeklagten im Mai 2017 aus. © Claudia Hurek (Archiv)

Mit der Vernehmung mehrerer Überfallopfer ist am Freitag am Dortmunder Landgericht der Prozess um eine atemberaubende Serie von sieben bewaffneten Raubüberfällen in sieben Monaten auf Discounter-Filialen in Lünen, Ascheberg, Herbern, Hamm und Drensteinfurt fortgesetzt worden. Zwei von drei Angeklagten ergriffen im Anschluss an die Zeugenaussagen zweier Verkäuferinnen selbst das Wort und entschuldigten sich.

„Es tut mir sehr leid“

„Es tut mir sehr leid, was ich Ihnen angetan habe. Ich hätte nie gedacht, was für dramatische Folgen das für Sie hat“, sagte ein 21-jähriger Lüner. „Ich hoffe, Sie können mir verzeihen“, ergänzte der 23-jähriger Mitangeklagte.

Es war kurz vor Feierabend, als die beiden Angeklagten am 8. Mai 2017 in einem Aldi-Markt in Herbern aufgetaucht waren. Erst stellten sie sich wie normale Kunden an der Kasse an. Als sie an der Reihe waren, wurden aus den Kunden plötzlich Schwerverbrecher.

„Ganz ruhig bleiben, dann passiert euch nichts“

„Ich war vorne an der Kasse mit der Wischmaschine beschäftigt, als ich plötzlich den Ruf hörte: Das ist ein Raubüberfall. Ganz ruhig bleiben, dann passiert euch nichts“, erinnerte sich am Freitag eine 36-jährige Verkäuferin. Im nächsten Moment habe sie auch schon zwei Männer gesehen, einer davon habe eine Waffe in der Hand gehabt.

Nachdem die Täter die Verkäuferin in das Büro dirigiert hatten, mussten sich die zwei weiblichen Angestellten auf den Boden legen und nach unten schauen. Ein männlicher Mitarbeiter musste den Tätern den Tresor öffnen. „Mein Kollege war so dermaßen ängstlich. Ich habe mir die ganze Zeit vorgestellt, was passiert, wenn er was falsch macht. Dann eskaliert es hier“, sagte die Verkäuferin den Richtern, während sie sich eine Träne aus dem Auge wischte.

Zu Frauen nett, gegenüber Männern aggressiv?

Während die Täter sich gegenüber den Frauen anständig aufgeführt haben sollen („Zu uns Frauen waren die eigentlich ganz nett“), sollen sie die männlichen Mitarbeiter deutlich härter und aggressiver angegangen sein. Beute laut Anklage: rund 6000 Euro.

Drei Wochen später hatten die Täter in Hamm in einer Lidl-Filiale für Angst und Schrecken gesorgt. Auch hier hatten sie sich ganz normal an der Kasse angestellt – und dann zugeschlagen.

Eine Verkäuferin erinnerte sich so: „Plötzlich holte einer von denen eine Pistole raus. Es hat mir später echt zu schaffen gemacht, dass ausgerechnet so ein Kunde sowas macht. Bei manchen Typen an der Kasse hat man ja schon mal ein mulmiges Gefühl. Aber der hier sah so ordentlich aus.“

Verkäuferin aus Hamm war drei Monate arbeitsunfähig

Nichtsdestotrotz hat der Überfall die Verkäuferin aus der Bahn geworfen. Ganze drei Monate lang war die 59-Jährige arbeitsunfähig. Der Überfall selbst war ähnlich wie der vorherige verlaufen. Auch hier sollen die Täter ausgesprochen ruhig aufgetreten sein. Erbeutet wurden laut Anklage 11.247 Euro aus dem Tresor.

Die drei Lüner sollen bei den Überfällen zwischen Januar und August 2017 in wechselnder Beteiligung aufgetreten sein und insgesamt rund 20.000 Euro erbeutet haben. Festgenommen wurde das Trio nach einem Hinweis im Anschluss an die TV-Sendung „Aktenzeichen XY“.

Stand jetzt sind noch acht Verhandlungstermine bis zum 14. August anberaumt.

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