Lüner (54) überlebt Covid: „Leben zieht ein paar Mal an einem vorbei“

Klinik am Park

Ralf Schattner aus Lünen durchlebte Todesängste, künstliches Koma und Beatmung. Nach seiner Covid-Infektion war offen, ob er überlebt. „Da zieht das Leben ein paar Mal an einem vorbei“, sagt er.

Brambauer

17.03.2021, 12:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ralf Schattner mit seinen Lebensrettern (v.l.n.r.): Dr. Bassam Redwan, Dr. Burkhard Thiel, Dr. Clemens Kelbel und Andrej Feist für das ganze Team der Intensivstation an der Klinik am Park.

Ralf Schattner mit seinen Lebensrettern (v.l.n.r.): Dr. Bassam Redwan, Dr. Burkhard Thiel, Dr. Clemens Kelbel und Andrej Feist für das ganze Team der Intensivstation an der Klinik am Park. © Wolter

Ende Dezember infizierte sich der Lüner Ralf Schattner (54) mit Corona. Als es ihm nach dem positiven Testergebnis immer schlechter ging, kam er am Neujahrstag mit dem Rettungswagen in die Lungen-Fachklinik der Klinik am Park des Klinikums Westfalen in Lünen-Brambauer. Zwischenzeitlich war fraglich, ob er überlebt.

„Mir ging es überhaupt nicht gut. Ich litt unter starker Luftnot. Meine Lebensgefährtin hat den Rettungswagen gerufen,“ erzählt Ralf Schattner mehr als zwei Monate später. Die Blutgaswerte waren sehr schlecht. Der über eine Maske zugeführte Sauerstoff half zunächst, auch die typische Bauchlagerung, die das Atmen erleichtert, war zunächst effektiv. „Der Patient hat in dieser Zeit wirklich sehr gut mitgearbeitet“, so Dr. Clemens Kelbel, Direktor der Pneumologischen Kliniken im Klinikum Westfalen. Frühzeitig war dann im Verlauf der Einsatz einer nicht-invasiven Beatmung notwendig. Dies ist ein Beatmungsverfahren beim wachen Patienten über eine Nasen-Mund-Maske.

„Ich hatte Todesangst“

Trotzdem verschlechterte sich sein Gesundheitszustand drastisch. Die Lunge stellte ihre Funktion fast vollständig ein. Ralf Schattner musste an eine künstliche Lunge angeschlossen werden. In Zusammenarbeit mit der Klinik für Thorachirurgie, Chefarzt Dr. Thiel, wurde eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) eingeleitet. Hierbei wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff versorgt, da die Lunge selbst diesen Versorgungsprozess nicht mehr gewährleisten kann. In dieser Phase wurde die eingeleitete nicht-invasive Beatmung fortgeführt. Das Leben des Patienten hing immer mehr von modernster Medizintechnik ab. Ralf Schattner war zu diesem Zeitpunkt noch wach und erinnert sich an diverse Schläuche an seinem Körper: „Die Luftnot war schrecklich, ich hatte Todesangst“.

Chancen aufzuwachen lagen bei 50 Prozent

Weils sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechterte, entschied sich das Ärzteteam für eine Intubation, einer Möglichkeit für eine künstliche, invasive Beatmung über einen Schlauch in der Luftröhre. „Die Ärzte meinten, dass das die letzte Möglichkeit wäre. Meine Chancen wieder aufzuwachen lagen bei 50 Prozent“, erzählt Ralf Schattner. „Es war meine letzte Hoffnung. Ich wollte diese Luftnot einfach nur beendet haben. Man weiß, man muss atmen, aber es geht einfach nicht.“

Dr. Kelbel schildert den Moment aus ärztlicher Sicht: „Wir versuchen bei Covid-Patienten die Intubation zu vermeiden, da die Prognosen dann nicht gut sind. Aber der Patient hat trotz aller Maßnahmen nicht genug Sauerstoff bekommen und somit blieb uns keine andere Möglichkeit mehr.“

Selbständig atmen lernen

Nach etwa 14 Tagen verbesserte sich der Zustand des Patienten. Er konnte aus dem Koma zurückgeholt werden. Die akute Krise war überwunden. Jetzt begann ein weiterer schwieriger Schritt, die Entwöhnung von der künstlichen Beatmung (Weaning). Das Lungen-Fachzentrum an der Klinik am Park mit seinem Weaning-Zentrum ist auch darauf spezialisiert. Das Trainingsprogramm bedeutet für die Patienten eine Herausforderung. Die Atemmuskulatur muss wieder gekräftigt werden, die Atemmuskelpumpe muss selbstständig arbeiten. Viel Training war dazu auch für Ralf Schattner erforderlich. Anfang März konnte die Kanüle im Hals entfernt werden. An seine Klinik-Entlassung schließt sich eine Rehabilitationsbehandlung an.

Alles tun, um Covid zu vermeiden

Ralf Schattner fühlt sich von Tag zu Tag besser. Der Weg aber war hart. Der 54-Jährige rät jedem, alles zu tun, um diese Erkrankung zu vermeiden: „Das alles wünsche ich keinem Menschen. Diese Todesängste zu erleben, war furchtbar. Ich bin sehr dankbar, dass das gesamte Team der Klinik am Park hier so gut gearbeitet hat. Ohne sie, würde ich heute nicht hier sitzen!“

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