Das Archivbild zeigt das Lüntec-Technologiezentrum in Brambauer aus der Vogelperspektive. © Goldstein (A)
Interview

Lünens Wirtschaftsförderer über Erfolge, Aufsichtsräte und Pflichtverstöße

Lünens Wirtschaftsförderung durchlebt gerade unruhige Zeiten - nicht zuletzt wegen des Alleingangs ihres Aufsichtsratsvorsitzenden. Auch darüber haben wir mit WZL-Chef Eric Swehla gesprochen.

Herr Swehla, hinter den Kulissen der WZL rumort es seit geraumer Zeit gewaltig: Grund sind neben dem Alleingang ihres Aufsichtsratsvorsitzenden Martin Püschel (SPD), auf den wir später noch kommen, vereinzelte Ratsstimmen, die der WZL und damit Ihnen zu wenige, kaum wahrnehmbare Erfolge vorwerfen. Was sagen Sie dazu?

Für unsere sehr gute Arbeit müssen wir uns nicht rechtfertigen. Mein Team und ich, haben in den vergangenen vier Jahren, seit ich Geschäftsführer bin, nachweislich sehr erfolgreiche Arbeit geleistet.

Das sagen Sie so einfach.

Als Beweis für unsere Leistungsfähigkeit gilt unter anderem die Benotung aller Wirtschaftsförderungen im Kreis Unna – einschließlich der in Dortmund – durch das Institut „Die Deutsche Wirtschaft“. Basierend auf den Rückmeldungen der Unternehmen erhielten wir mit deutlichem Abstand und als einzige Wirtschaftsförderung die Bestnote „sehr gut“.

Eric Swehla
Eric Swehla © Linnhoff (A) © Linnhoff (A)

Geht es etwas handfester?

In den letzten fünf Jahren haben wir in Lünen fast 2700 neue, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen, das ist mehr als im gesamten übrigen Kreisgebiet, also in 10 Kommunen, im selben Zeitraum zusammen. Wir lächeln hier in der größten Stadt des Kreises allerdings nicht regelmäßig mit fragwürdigen Zahlen, in die Kameras. Außerdem:

Diejenigen, die uns keine gute Arbeit unterstellen, haben bisher nie Beispiele nennen können.

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Dann nennen Sie doch jetzt mal Beispiele für die gute Arbeit der WZL

Davon gibt es jede Menge. Aber ich möchte mich auf einige Projekte beschränken, um den Rahmen nicht zu sprengen:

Wir haben in Lünen bis zum Beginn der Pandemie eine Senkung der Arbeitslosenquote auf 9,1 Prozent – dem niedrigsten Wert seit Jahrzehnten – geschafft.

13,5 Millionen Euro haben wir für den Breitbandausbau als Fördermittel für Lünen eingeworben.

Wir haben erfolgreich innovative Firmen angeworben und auf Ihrem Weg unterstützt.

Welche?

Dazu zählen die deutschlandweit als innovativste Unternehmen prämierten Firmen des Jahres 2019 „Itemis“ (IT) sowie 2020 „Ares“(e-commerce) Beide wurden als Top-Innovatoren des Jahres“ ausgezeichnet. Oder denken Sie nur an „Late Night Concepts“ – trotz hoher Sanierungsauflagen konnte die historische Westfalia-Kantine durch unsere Vermittlung erworben und die Sanierung möglich gemacht werden. Auch dass die Firma Stolzenhoff noch in Lünen ist, war zu einem Großteil unser Verdienst. Erwähnen möchte ich nicht zuletzt die Projekte, die wir für das für das 5-Standorte-Programm entwickelt haben.

Über dieses Programm soll doch der Kohle-Ausstieg in der Region, im Kreis Unna mit bis zu 662 Millionen Euro kompensiert werden, oder?

Richtig. Zu den Projekten zählen unter anderem eine „Wissenswerkstatt“ für Mint Qualifikation ab dem sechsten Lebensjahr und hoch innovative Wasserstoff-Projekte in Lünen – da sind wir mit Investoren im In- und Ausland schon sehr, sehr weit. Insgesamt spüren wir hierfür auf Kreisebene, aber besonders auch auf Seiten des Wirtschaftsministeriums NRW, erheblichen Rückenwind. So wurden unsere Projekte vom Kreistag ohne Enthaltungen oder Gegenstimmen angenommen und insbesondere das Projekt zur Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft, für die Region, vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW, unterstützt wird. Das wird abermals einige hundert tariflich bezahlte Arbeitsplätze sichern bzw. neu schaffen.

Herr Swehla, WZL-Aufsichtsratschef Martin Püschel (SPD) wollte, wie von unserer Redaktion berichtet, quasi im Alleingang, eine Expertise zur Verschmelzung der Lüner und der Kreis-Wirtschaftsförderung erwirken. Was sagen Sie dazu?

Die Arbeit des Aufsichtsratsvorsitzenden soll durch den Aufsichtsrat und die Politik und nicht durch den WZL-Geschäftsführer kommentiert werden. Ich kümmere mich lieber um die Ansiedlung weiterer Unternehmen und Einrichtungen, zum Beispiel aus dem Bildungssektor.

Mehr haben Sie dazu nicht zu sagen?

Nur so viel und ausdrücklich ganz allgemein gehalten: Die Art und Weise wie man miteinander umgeht – besonders unter „Politprofis“ – sollte stets so sein, dass man unausgegorene Gedanken über Planungen nicht offen und öffentlich miteinander diskutiert – dies insbesondere auch zum Wohle und Schutze von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Diese könnten sich ansonsten verständlicherweise große Sorgen um ihre Zukunft machen und sich womöglich umorientieren. Auch auf Dritte wirkt so etwas nicht wirklich gut – und wenig weitsichtig.

Also ist es Ihnen egal, wenn Ihr Aufsichtsratsvorsitzender sich in Ihre Aufgaben einmischt, Sie hintergeht und im Alleingang versucht Tatsachen zu schaffen?

Ich bin langjähriger Geschäftsführer und kann Ihnen versichern, dass ich sehr genau weiß, welche Befugnisse und Pflichten jedes Gremium der Gesellschaft hat. Ich führe allerdings diese Gespräche ausschließlich intern, so lange mir das möglich ist.

Der WZL-Aufsichtsrat hat den Alleingang von Martin Püschel schweigend zur Kenntnis genommen – bis auf zwei Ausnahmen. Wie bewerten Sie das?

Ich kann mich da nur wiederholen und ergänzen, dass für mich als Geschäftsführer die Treuepflicht zur Gesellschaft gilt. Der Aufsichtsrat tagt in geheimer Sitzung und deshalb dringt, zumindest von meiner Seite, auch kein Wort nach außen. Ich denke aber, dass hier jeder neutrale Beobachter selbst nur zu einem Schluss kommen kann.

Nun sagen Sie schon: Wie bewerten Sie die Tatsache, dass fast der gesamte Aufsichtsrat tatenlos zugesehen hat, als der Vorsitzende Püschel im Alleingang die Weichen für die Zukunft der Gesellschaft stellen wollte?

Aufsichtsräte sollten, ganz allgemein, und ohne sich ins operative Geschäft einzumischen, als Kontrollgremium wirken und im Sinne der Sache mit den anderen Gremien, zusammenarbeiten. Das gilt insbesondere für die Gesellschafterversammlung, mithin das höchste Gremium einer GmbH. Die Aufsichtsräte müssen dabei selbstverständlich auch einen prüfenden Blick auf die Arbeit der Mitglieder des Aufsichtsrates selbst richten. Ganz wichtig dabei.

Ganz wichtig dabei ist?

Die Gesellschafterversammlung allein ist zuständig für grundlegende Fragestellungen zur GmbH – und eben gerade nicht der Aufsichtsrat. Wenn hier Grenzen überschritten werden liegt meines Erachtens ein pflichtwidriges Verhalten des Aufsichtsrates bzw. seiner Mitglieder vor und eine rechtliche Würdigung wäre denkbar.

Wie bei der WZL geschehen?

Das sagen Sie. Ich kann nur nochmals auf meine Ausführungen verweisen.

In einem in der Printausgabe der Ruhr Nachrichten veröffentlichten Leserbrief heißt es, der Stadtrat habe Ihnen das Vertrauen entzogen, durch die Reduzierung Ihres Vertrages auf eine Laufzeit von drei Jahren.

Dies ist nicht richtig und wurde – bewusst oder unbewusst – falsch in den Raum gestellt. Nicht mein Vertrag als Geschäftsführer, sondern der Betrauungsakt und somit die Finanzierung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von WZL und Lüntec, wurde um nur drei Jahre verlängert, statt um fünf oder mehr. Mein eigener Vertrag wurde bereits frühzeitig und längerfristig verlängert.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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