Lünens VHS-Dozenten bangen in Corona-Krise um Existenz - Selm ist kulant

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Ohne Honorar stehen 85 Dozenten der Volkshochschule Lünen seit der Schließung am 16. März da. Für viele ist die Situation existenzbedrohend. Die Stadt Selm geht kulanter mit den Dozenten um.

Lünen

, 24.05.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was die Stadt Lünen macht, ist ungerecht, findet Theo Freihold. Er unterrichtet seit fünf Jahren Englisch und Russisch an der Volkshochschule Lünen und gehört zu vier Unterzeichnern eines Leserbriefs.

Er selbst ist als Pensionär zwar nicht auf die Hornorarzahlung angewiesen, solidarisiert sich aber mit den Lehrenden, die davon leben. Die Dozenten seien quasi mit einem Berufsverbot belegt, der Unterricht falle ersatzlos aus, formulieren mit ihm Ingrid Bösken, Elisabeth Kollhoff und Martina Kranemann:

„Bildung und Kultur, Kinder und Soloselbständige sind bisher die Verlierer der Corona-Epidemie. An den Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 wird deutlich, welchen untergeordneten Stellenwert diese gesellschaftlichen Gruppen haben.“

Uneinheitliche Bezahlung im Kreis

Als ungerecht empfinden sie die uneinheitliche Bezahlung der Lehrkräfte im Kreis Unna und sehen darin eine unterschiedliche Wertschätzung. Einige Volkshochschulen hätten die Honorare kulanterweise bis Ende April weitergezahlt.

Stadtsprecher Benedikt Spangardt erklärt dazu auf Anfrage: „Mit der Entscheidung, freiberufliche Lehrkräfte nicht weiter zu bezahlen, ist die Stadt Lünen unter anderem einer entsprechenden Empfehlung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes gefolgt, der dazu ein Gutachten eingeholt hatte.“

In NRW hätten 60 von 71 befragten Volkshochschulen so gehandelt. „Im Kreis Unna haben unseres Wissens von sieben Volkshochschulen nicht „einige“, sondern nur die VHS Selm uneingeschränkt die Honorare für April gezahlt.“

Die Stadt habe den Kursteilnehmern die Gebühren erstattet oder erlassen und so auch keine Einnahmen. Zudem sei man fest davon ausgegangen, dass die Soforthilfe des Landes den finanziellen Schaden abmildere.

Dass diese Rettungspakete für die Bestreitung des Lebensunterhaltes nicht greifen, führen die Leserbriefschreiber an.

Geld für Kommunalpolitiker in voller Höhe

„Wenn man sieht, dass Piloten der Lufthansa auf 45 Prozent ihres Gehaltes, Politiker auf eine Diätenerhöhung verzichten, Kommunalpolitiker aber weiterhin ihre monatliche Aufwandsentschädigung in voller Höhe erhalten, in welchem Licht erscheint dann dieser Umstand?“, fragen die Leserbriefschreiber.

Die Volkshochschule Lünen plant den Semesterstart für den 14. September. Zurzeit werde das Kursprogramm erarbeitet. Allerdings gibt Spangardt zu bedenken: „Wenn abzusehen ist, dass im September weiterhin oder wieder strenge Hygiene- und vor allem Abstandsregelungen gelten, wird die VHS schauen, wie sie damit umgeht. Dann müssten voraussichtlich die Kursgruppen wesentlich verkleinert werden. Ob und wie das wirtschaftlich machbar ist, wird man dann abwägen müssen.“

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