Lünens Probleme sind zu enge Straßen und digitaler Schrott an den Schulen

dzCDU-Veranstaltung

Ein Bekenntnis zum Standort Lünen legte Ludger Rethmann, Vorsitzender der Remondis-Gruppe, bei der Zukunftswerkstatt der CDU im Hansesaal ab. Ein Schulleiter warnte vor „digitalem Schrott“.

Lünen

, 07.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zukunftswerkstatt der Lüner Christdemokraten stand am Dienstagabend (4.2.) unter dem Motto „Arbeit und Bildung 2035“. Dazu hatte die CDU mit Ludger Rethmann einen ansonsten eher öffentlichkeits- und medienscheuen Topmanager als Gastredner gewinnen können.

„Für uns ist Lünen der wichtigste Standort“, sagte Rethmann vor rund 150 Teilnehmern der Veranstaltung aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Neben dem Vorstand des milliardenschweren Familienimperiums Rethmann waren Karl-Josef Laumann (CDU), NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, und Heinrich Kröger, Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, als Referenten zu Gast.

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Zukunftswerkstatt "Arbeit und Bildung" der CDU Lünen

Die besten Bilder von der Zukunftswerkstatt
07.02.2020
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Eindrücke von der zweiten "Zukunftswerkstatt" der Lüner CDU im Hansesaal. Themen des Abends waren Arbeit und Bildung in Lünen 2035. Dafür interessierten sich rund 150 Gäste.© Goldstein
Eindrücke von der zweiten "Zukunftswerkstatt" der Lüner CDU im Hansesaal. Themen des Abends waren Arbeit und Bildung in Lünen 2035. Dafür interessierten sich rund 150 Gäste.© Goldstein
Eindrücke von der zweiten "Zukunftswerkstatt" der Lüner CDU im Hansesaal. Themen des Abends waren Arbeit und Bildung in Lünen 2035. Dafür interessierten sich rund 150 Gäste.© Goldstein
Eindrücke von der zweiten "Zukunftswerkstatt" der Lüner CDU im Hansesaal. Themen des Abends waren Arbeit und Bildung in Lünen 2035. Dafür interessierten sich rund 150 Gäste.© Goldstein
Eindrücke von der zweiten "Zukunftswerkstatt" der Lüner CDU im Hansesaal. Themen des Abends waren Arbeit und Bildung in Lünen 2035. Dafür interessierten sich rund 150 Gäste.© Goldstein
Eindrücke von der zweiten "Zukunftswerkstatt" der Lüner CDU im Hansesaal. Themen des Abends waren Arbeit und Bildung in Lünen 2035. Dafür interessierten sich rund 150 Gäste.© Goldstein
Eindrücke von der zweiten "Zukunftswerkstatt" der Lüner CDU im Hansesaal. Themen des Abends waren Arbeit und Bildung in Lünen 2035. Dafür interessierten sich rund 150 Gäste.© Goldstein
Eindrücke von der zweiten "Zukunftswerkstatt" der Lüner CDU im Hansesaal. Themen des Abends waren Arbeit und Bildung in Lünen 2035. Dafür interessierten sich rund 150 Gäste.© Goldstein
Eindrücke von der zweiten "Zukunftswerkstatt" der Lüner CDU im Hansesaal. Themen des Abends waren Arbeit und Bildung in Lünen 2035. Dafür interessierten sich rund 150 Gäste.© Goldstein

Was Rethmann er zu sagen hatte, dürfte nicht zuletzt Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns mit Interesse zur Kenntnis genommen haben - wenn er es denn nicht schon wusste.

Es könne nicht sein, sagte Ludger Rethmann, dass Straßen, wie in der Vergangenheit immer wieder geschehen, verengt werden, sodass man da kaum noch durchkomme: „Manchmal sind wir schon froh, dass wir überhaupt aus dem Lippewerk herauskommen.“

Busanbindung ans Lippewerk

Erfreut zeigte sich Rethmann über die seit Anfang des Jahres bestehende Anbindung des Werkes an den öffentlichen Personennahverkehr. Auf die Busanbindung hatte der Entsorgungs-Riese Remondis lange Zeit gewartet und wie von unserer Redaktion berichtet deshalb auch ordentlich Druck bei der Stadt mittels eines Drohbriefes gemacht.

So wie die unter dem Dach der Rethmann-Holding agierenden Unternehmen stets auf aktuelle Entwicklungen reagieren müssten, als Stichwort nannte Ludger Rethmann den Kohleausstieg und die bevorstehende Schließung des Trianelwerkes 2035/37 in Lünen, genauso müsste die Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles daran setzen, neue Unternehmen anzusiedeln.

„Lünen sollte nicht nur auf drei Beinen (Unternehmen, Anm. d. Red.) stehen“, sagte der Top-Manager weiter: „Lünen muss zum 1000-Füßler werden.“ Außerdem müsse das St.-Marien-Hospital, mit 2000 Mitarbeitern einer der Hauptarbeitgeber der Lippestadt, erweitert werden.

„Mehr Unterstützung für Lehrer“

Heinrich Kröger, Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, ging intensivst und mitunter höchst wissenschaftlich, zumindest waren einiger der Zuhörer dieser Ansicht, auf die „Anforderungen an Bildung und Zukunft“ im Zeitalter der Digitalisierung - „das Thema des 21. Jahrhunderts“ (Kröger) - ein.

Im Kern forderte Kröger mehr (personelle) Unterstützung für die Lehrerschaft, damit diese ihren Lehrauftrag im Sinne der stetig zunehmenden Herausforderungen zum Wohle der Schüler erfüllen könnte.

Dazu gehörten neben der Bildung von Teams bestehend aus Psychologen, Erziehern und Sozialarbeitern auch mehr Fortbildungen bei gleichzeitiger Streichung etwaiger Lernangebote.

Digitaler Schrott, Lerninseln

Außerdem müsse beim Bau beziehungsweise beim Umbau von Schulen ein Umdenken stattfinden. „Was wir brauchen sind Lerninseln“, sagte Heinrich Kröger.

Zudem laufe man Gefahr, so der Schulleiter in Richtung Verwaltung und Politik, in den Schulen „digitalen Schrott“ zu produzieren.

„Was bringen 100 Tablets für 800 Schüler?“, fragte Kröger und lieferte die Antwort gleich hinterher: „Nichts.“

Kritik äußerte der Pädagoge auch an der mangelnden Personalausstattung zwecks Wartung von Tablets und Co. Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, dass der Stadtrat sich gegen die weitere Einrichtung von IT-Stellen in der Verwaltung ausgesprochen hat.

NRW-Minister lobt Handwerk

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) brach derweil eine Lanze für das Handwerk und das duale Ausbildungssystem. Er habe keine Angst, sagte Laumann, dass wir in 20 Jahren einen Juristenmangel haben: „Ich habe vielmehr die Sorge, dass uns dann Handwerker fehlen.“

Hier seien die Schulen und die Unternehmen vor Ort gefragt, um Schüler von den Vorteilen einer praktischen Ausbildung zu überzeugen.

Weil sich Wissen immer schneller überhole und das bei vielen Beschäftigten nicht nur Stress auslöse, sondern immer öfter auch zu psychischen Erkrankungen führe, müssten Unternehmen zudem mehr Fort- und Weiterbildungen für ihre Mitarbeiter anbieten, sagte der nordrhein-westfälische Arbeits- und Gesundheitsminister.

Ungeachtet dessen habe Lünen in den vergangenen Jahren schon viel erreicht. Die Langzeitarbeitslosigkeit sei deutlich gesunken, von 15 Prozent im Jahr 2005 auf heute 9,1 Prozent, erklärte Laumann. Um hier weitere Erfolge erzielen zu können, müsse vor Ort alles daran gesetzt werden, gerade junge Menschen aus finanziell schwachen Familien zu einem Schulabschluss zu verhelfen.

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