Dass die Ditib-Selimiye-Moschee-Gemeinde am Wochenende ihr Gemeindefest feierte und nicht beim „Lüner Fest der Vielfalt“ vertreten war, heizte in den vergangenen Tagen die Gerüchteküche an.

Lünen

, 21.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Das traditionelle „Multikulturelle Stadtfest“ fand am vergangenen Samstag (15.) erstmalig unter dem neuen Namen „Lüner Fest der Vielfalt“ statt.

Bei der Premiere abwesend war neben der Fatih-Moschee (Alstedde) Lünens größte Moschee-Gemeinde, die Ditib-Selimiye-Moschee an der Roonstraße. Die feierte an dem Wochenende ihr jährliches Gemeindefest.

„Zum Bedauern“ von Lünens Integrationsbeauftragte, Dr. Aysun Aydemir, die ansonsten ein positives Fazit des Vielfalt-Festes zog.

Darum war Lünens größte Moschee-Gemeinde nicht dabei beim „Lüner Fest der Vielfalt“

Dr. Aysun Aydemir ist die Integrationsbeauftragte der Stadt © Stadt Lünen


Wir haben bei der Stadt als Organisator des Festes und der Selimiye-Moschee als dessen regelmäßiger Gast nachgefragt, ob es sich beim Fehlen der Moschee-Gemeinde schlichtweg um ein Terminproblem handelte oder aber etwas anderes dahinter steckt.

Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte Yahya Dindarol, Vorstandsmitglied und Sprecher der Selimiye-Moschee am Dienstag (18.), dass an den Gerüchten, „wir hätten erst zu- und später abgesagt, absolut nichts dran“ sei: „Außer einer Terminüberschneidung war da gar nichts.“

Darum war Lünens größte Moschee-Gemeinde nicht dabei beim „Lüner Fest der Vielfalt“

Das Bild zeigt Organisatoren und fleißige Helfer des Gemeindefestes der Ditib-Selimiye-Moschee an der Roonstraße. © Dindarol

Wie Dindarol weiter sagte, habe sich die 550 Mitglieder (ohne Familienangehörige und Anhänger) zählende Gemeinde schon im vergangenen Jahr auf den Juni-Termin verständigt und entsprechend alles vorbereitet.

Dass das Gemeindefest in diesem Jahr im Juni und nicht wie sonst Anfang oder Mitte Mai stattgefunden hat, habe daran gelegen, dass dieser Termin in die diesjährige Fastenzeit, den Ramadan, gefallen wäre.

„Gemeindefest ohne Essen macht keinen Sinn“

„Und das macht ja nun wirklich keinen Sinn“, sagte der Moschee-Sprecher: „Zu unserem dreitägigen Gemeindefest zählt auch das von unseren Mitgliedern und deren Familien zubereitete gute Essen.“

Im Vorfeld der beiden separaten Feste habe es keine Gespräche zwischen der Moschee-Gemeinde und der Stadt gegeben, erklärte Yahya Dindarol.

Der Moschee-Sprecher geht aber davon aus, dass die Stadt den Termin des Gemeindefestes gekannt haben muss: „Wir haben doch bei der Stadt eine Genehmigung für unser Gemeindefest beantragt und erhalten. Auf die Terminüberschneidung hat uns im Vorfeld niemand hingewiesen.“

Damit so etwas nicht wieder vorkommt, will der Moschee-Sprecher, die Sache im Integrationsrat, dem er angehört, ansprechen: „Das ist einfach unglücklich gelaufen.“ Dem Lüner Integrationsrat gehört auch Lünens Integrationsbeauftragte Dr. Aysun Aydemir als Schriftführerin an. Aydemir hatte wie bereits erwähnt, schon auf dem Lüner Fest der Vielfalt ihr Bedauern darüber geäußert, dass die Ditib-Moschee-Gemeinde nicht zugegen war.

„Lüner Fest der Vielfalt“: Termin stand seit Anfang 2019

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte die Pressestelle der Stadt am Dienstag, dass der Termin für das „Lüner Fest der Vielfalt“ bereits Anfang 2019 festgelegt und „unter anderem auch in der Sitzung des Integrationsrates sowie des Behindertenbeirates zeitig bekannt gegeben wurde“.

Gleichzeitig bestätigte die Stadt, dass sich die Selimiye-Moschee aufgrund der Terminkollision mit dem Gemeindefest gar nicht erst angemeldet hat.

Über die Pressestelle erklärte dazu die Integrationsbeauftragte der Stadt schriftlich:

„Der Vereinsvorsitzende der Moscheegemeinde sowie die Vorsitzende der Frauengruppe, aber auch die Stadt haben diese Terminkollision bedauert. Allerdings haben sie auch darauf aufmerksam gemacht, dass es zwischen dem Ende des Fastenmonats und dem Beginn der diesjährigen Sommerferien keine große Auswahl an möglichen Terminen gab. Die Moschee hatte sogar darüber nachgedacht, ob man eventuell - wenn auch mit einem kleinen Stand - trotz der Terminüberschneidung dabei sein könnte. Doch weil alle Ehrenamtlichen bereits im Rahmen des Gemeindefestes eingebunden waren, hat es leider nicht geklappt.“

Bei den künftigen Terminierungen werde man sich bereits im Vorfeld besser abstimmen, um eine erneute Terminkollision zu verhindern, wird Aysun Aydemir weiter zitiert. Gelegenheit dazu besteht, wie von Yahya Dindarol bereits angekündigt, bei der nächsten Sitzung des Integrationsrates am 10. Juli ab 17 Uhr im Rathaus.

Schaden für Integrationsarbeit?

Auf die Frage unserer Redaktion, ob die Abwesenheit ein schlechtes Licht auf die Integrationsarbeit der Stadt werfe, ließ die Integrationsbeauftragte mitteilen:

„Nein. Wir hatten in diesem Jahr eine unglückliche Kombination von Umständen. Alle Absagen in diesem Jahr waren sehr bedauerlich, aber auch nachvollziehbar. Ich bin sicher, dass die beiden Moscheegemeinden beim nächsten Lüner Fest der Vielfalt wieder dabei sind.“

Stadt: Es gab zwei Absagen

Von den 29 Vereinen und Institutionen, die ursprünglich zugesagt hatten, haben nach Angaben der Stadt 27 am „Lüner Fest der Vielfalt“ teilgenommen:

Der Verein „Dortmund Fenerbahce“ habe aufgrund eines Todesfalls eines aktiven Vereinsmitglieds zwei Tage vor dem Fest abgesagt.

Die Fatih-Moschee habe mit der Begründung abgesagt, dass die Frauengruppe der Gemeinde, die 30 Tage lang im Ramadan durchgängig in der Moschee engagiert gewesen sei, sich etwas ausruhen wolle.

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