Die Stadtverwaltung ist einer der größten Arbeitgeber in Lünen. Seit Corona gibt es viele neue Arbeitsmöglichkeiten im Home Office. Natürlich ist das nicht für alle der über 1000 Beschäftigen möglich. © Goldstein
Mobiles Arbeiten

Lünen im Homeoffice: Eindämmung von Corona und Blick in die Zukunft

Zur weiteren Eindämmung der Pandemie sollen ab Mittwoch Berufstätige, wo immer möglich, ins Homeoffice. Große Arbeitgeber in Lünen sehen auch Optionen für die Zukunft.

Unternehmen in Lünen stehen vor der nächsten Herausforderung in Zeiten der Corona-Pandemie. Der Bund hat eine Arbeitsschutzverordnung herausgegeben, die am Mittwoch (27.1.) in Kraft tritt. Kern der Verordnung ist eine Homeoffice Pflicht, wo immer es den Betrieben möglich ist.

Weitere Aspekte der Verordnung betreffen gängige Schutzmaßnahmen und eine festgesetzte Anzahl an Personen in einer Räumlichkeit – eine Person pro zehn Quadratmeter ist erlaubt.

In Betrieben mit mehr als zehn Beschäftigten sollen zudem Arbeitsgruppen etabliert werden, mit minimalem Kontakt zu den jeweils anderen Gruppen. Wieder andere Bereiche, etwa der Verkauf im Lebensmitteleinzelhandel, sind von der Home-Office-Regelung nicht betroffen.

Homeoffice überall dort eingeführt, wo es möglich ist

„Jede Tochtergruppe und jedes Kleinunternehmen, das zu Remondis gehört, hat eigene Regelungen. Generell gilt aber: Wir haben Homeoffice dort, wo es möglich ist“, sagt Remondis-Pressesprecher Michael Schneider.

Bei der internen Servicegesellschaft etwa seien die Büros besetzt, aber im Rahmen der Verordnung. Sprich: Eine Person pro Büro und regelmäßige Rotation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so dass zwar immer eine personelle Grundbesetzung gewährleistet ist, aber der Rest im Homeoffice arbeiten kann.

Ein Großteil der Beschäftigten ist jedoch im Außendienst tätig. Hierbei gibt es auch klare Regelungen: Umsetzung der RKI-Empfehlungen, entzerrte Schichtpläne, um Begegnungen zu vermeiden und der Verzicht auf Sozialräume.

Fiebermessung, Antigen- und PCR-Tests

Dies gilt auch für andere Unternehmen mit großer Mitarbeiterschaft in anderen Dienstbereichen – etwa für den Kupferproduzenten Aurubis. „Aurubis hat als rund um die Uhr produzierendes Unternehmen viele Arbeitsplätze, die eine Anwesenheit im Unternehmen erfordern“, sagt Pressebeauftragter Malte Blombach.

Von den rund 650 Arbeitsplätzen in Lünen seien lediglich 150 Büroarbeitsplätze, von denen mehr als die Hälfte überwiegend mobil arbeiten. „Zu bedenken ist dabei, dass auch bei vielen als Büroarbeitsplätze definierten Positionen aufgrund ihrer Nähe zur Produktion eine Anwesenheit vonnöten ist – zum Beispiel im Ingenieurbereich.“

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Arbeit im Aurubis-Werk tätigen, gebe es umfangreiche Schutzmaßnahmen, unter anderem Temperaturmessung an Eingängen, Antigen- und PCR-Testung durch den werksärztlichen Dienst, und die Aufstellung von Luftreinigungssystemen in Besprechungs- und Sozialräumen. Besprechungen finden ausschließlich über Videokonferenzen statt.

Für anwesendes Personal gelten gängige Schutzmaßnahmen

Auch die Sparkasse an der Lippe setzt darauf, möglichst vielen Mitarbeitern Homeoffice zu bieten, erklärt Bernd Wieck, Abteilungsleiter im Vorstandsstab. „Wir können über 30 Prozent unserer Mitarbeiter für Homeoffice ausstatten. Ansonsten können wir auch die Vorgaben der neuen Verordnung komplett umsetzen.“

Bei den Lüner Stadtwerken sind rund 50 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice. Pressesprecherin Jasmin Teuteberg: „Dies gilt bereits seit März 2020 durchgängig mit der ersten Lockdown-Phase. Von daher hat sich für unser Unternehmen bereits eine gewisse Routine eingestellt.“

Präsente Bereiche der Stadtwerke sind die Betriebszentrale und das Magazin. Im Werkstattbereich sei ein mobiles Arbeiten teilweise möglich. „Nach individueller Absprache ist eine Vor-Ort-Präsenz von Sachbearbeiter/innen oder teilweise auch Meistern nicht durchgängig erforderlich. Für die Monteure haben wir ebenfalls umfangreiche Kontaktreduktionen eingeführt.“

Baustellen werden direkt von zu Hause aus angefahren und ein Teil der Monteure nehmen die Arbeit von zu Hause aus auf und kommen nur zwischendurch auf das Werksgelände, um etwa Material aufzunehmen. Fahrzeuge (bis auf große LKW) werden mit nach Hause genommen, so dass auch hier Kontaktpunkte soweit es geht reduziert werden.

Stadtverwaltung vervielfacht mobile Arbeitsplätze

Auch die Stadt Lünen setzt für die Verwaltungsbelegschaft auf Homeoffice. „Von den 1.050 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung können derzeit rund 350 mobil arbeiten“, so Pressesprecher Benedikt Spangardt. Noch vor einem Jahr waren es gerade einmal 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Möglichkeit hatten. Es gibt verschiedene Modelle: Von einzelnen Tagen bis hin zu wochenweise Wechseln unter Kollegen.

Um mehr Mitarbeitern das mobile Arbeiten zu ermöglichen, musste die Verwaltung tun, was Behörden sonst eher nicht liegt: „Wir haben einfach angefangen, sind quasi losmarschiert. Es musste ja auch schnell gehen“, sagt Michael Kuzniarek, Fachbereichsleiter Personal, Organisation, IT im Lüner Rathaus. Dankbar sei er dafür, dass der Personalrat bei den Plänen mitgezogen habe.

Ausgenommen sind Bereiche, die Präsenz erfordern: Die rund 170 Erzieherinnen und Erzieher in den zehn städtischen Kindertagesstätten können nur wenige Arbeiten rund um Verwaltung und Dokumentation zu Hause erledigen. Für die fast 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst ist das Homeoffice laut Spangardt ebenfalls keine Option.

Auch das Bürgerbüro sei weiterhin besetzt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Außendienst, wie etwa beim Ordnungsamt oder im Straßenbau, können ihre Jobs ebenfalls nicht vom heimischen Schreibtisch aus erledigen. Ähnliches gelte für interne Dienste wie die Poststelle oder die Druckerei.

Der Aufwand, der für die Umstellung aufs Homeoffice betrieben werden muss, hängt stark von der IT-Infrastruktur der Unternehmen ab und von bereits vorhandener Ausstattung. Die umfasst in der Regel Laptops und Büro-Dockingstationen, sowie eine Einwahl ins Unternehmensnetzwerk. Für die Kommunikation greifen viele Firmen auf Videotelefonie via Zoom oder die Software „Teams“ von Microsoft zurück, lautet die Rückmeldung der Firmen.

Künftiger Umgang mit Home Office wird von den Firmen neu gedacht

Auch über den künftigen Umgang mit der Arbeit von zu Hause aus denken die Firmen neu nach. „Der Ausbauschub, der jetzt für die Digitalisierung ausgelöst wurde, ist wichtig. Wir müssen mehr Gas geben, sonst werden wir vielleicht irgendwann international abgehängt“, sagt Schneider.

Dennoch sei es für ein Unternehmen wie Remondis wichtig, fair zu bleiben – große Teile der Belegschaft seien nun einmal draußen operativ tätig und hätten nicht die Option, Homeoffice zu wählen. Aber es sei eine Option, Meetings künftig online zu gestalten, um unnötige Dienstreisen zu vermeiden.

Auch Bernd Wieck sieht künftiges Potenzial für geeignete Homeoffice Situationen, betont aber: „Das Geschäftsmodell der Sparkassen baut auf den persönlichen Kontakt mit unseren Kunden.“

Zudem gebe es sehr gemischte Rückmeldungen des Personals zur Situation – es gebe Personen, die sich ohne die persönliche Kommunikation weniger wohl fühlen. „Das ist auch wirklich ein emotionales und höchst individuelles Thema.“

Auch Projektentwicklung gestalte sich im Homeoffice schwieriger, sagt Jasmin Teuteberg. „Die Abarbeitung komplexer Aufgabenstellungen mit mehreren beteiligten Abteilungen erfordert ohne die Möglichkeit persönlicher Kontakte mehr Zeit und ist aufwändiger.“ Teuteberg hebt jedoch positiv hervor, dass einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine neue Haltung zum Büro als Arbeitsplatz eingenommen haben – und auch bei Führungskräften habe sich diese Ansicht verändert.

Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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Denise Felsch

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