Livetalk: Beim Klimaschutz wird es hitzig zwischen Mario Löhr und Marco Morten Pufke

dzLandratswahl im Kreis Unna

Ist Klimaschutz gleichbedeutend mit Verkehrswende? Sollte der Kreis Unna Flüchtlinge aus Moria aufnehmen? Die Landratskandidaten Mario Löhr und Marco Morten Pufke sehen dies höchst unterschiedlich.

Kreis Unna

, 18.09.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zu sehen sein werden sie beide in den nächsten Tagen viel: Mario Löhr (SPD) will Betriebe besuchen und mit Arbeitnehmervertretern sprechen, Marco Morten Pufke (CDU) will auf Marktplätzen mit Grünen-Wählern über den Klimaschutz und mit FDP-Wählern über Wirtschaft reden. Beide Landratskandidaten haben sich ein strammes Programm bis zum 27. September vorgenommen – mit dem festen Ziel, in der Stichwahl zum neuen Landrat des Kreises Unna gewählt zu werden. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf, wie sich im Livetalk unserer Redaktion am Donnerstagabend zeigte.

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Kevin Kohues, Chef vom Dienst und langjähriger Kreispolitik-Redakteur des Hellweger Anzeigers, fühlte den beiden Kandidaten in puncto Wirtschaft, Klimaschutz, Sicherheit und Gesundheitsstandort auf den Zahn. Die Quintessenz: Vor allem bei den Themen Klimaschutz und Finanzen liegen die beiden Kandidaten weit auseinander.

Unterschiedliche Ansichten zur Flüchtlingsaufnahme aus Moria

Am deutlichsten wichen die Antworten von Mario Löhr und Morten Marco Pufke bei der wohl aktuellsten Frage des Abends voneinander ab: „Würden Sie im Kreis Unna Flüchtlinge aus Moria aufnehmen?“

Mario Löhr

Mario Löhr © Udo Hennes

„Viele Kommunen im Kreis sind bereit, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen, dann sollte das auch passieren.“
Mario Löhr, SPD

Ein klares „Ja“ gab es dazu von Mario Löhr. „Wenn man diese Bilder sieht, muss man handeln. Wir können nicht erst warten, bis der Bund etwas entscheidet; der Druck muss von unten kommen. Viele Kommunen im Kreis sind bereit, Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen, dann sollte das auch passieren.“

Anders sieht das Marco Morten Pufke. Für den CDU-Mann sei es zwar „selbstverständlich, dass wir Flüchtlinge aufnehmen, wenn die Bundesregierung dies so entscheidet.“ Aber: „Wir brauchen eine europäische Lösung. Ich bin sehr dafür, dass geholfen wird. Das DRK und THW sind ja bereits vor Ort und helfen in Moria und das ist auch der richtige Ort.“

Klimaschutz oder Klimanotstand: Unterschiede im Detail

Unterschiedlich auch die Ansätze der beiden Bewerber bei der Frage nach einer konkreten Umsetzung des Klimaschutzes im Kreisgebiet. Während SPD-Mann Löhr auf „klare Richtlinien“ wie ein Klimaschutzkonzept setzen will, bei dem beispielsweise Klimaschutz-Aspekte Eingang in die Ausweisung von neuen Baugebieten finden sollen, stört sich der Christdemokrat Marco Morten Pufke an dem Begriff „Klimanotstand“, den der Kreis Unna 2019 ausgerufen hat.

Marco Morten Pufke

Marco Morten Pufke © Udo Hennes

„Der Klimawandel ist Realität, aber es besteht kein Klimanotstand im Kreis Unna.“
Marco Morten Pufke, CDU

„Der Klimawandel ist Realität, aber es besteht kein Klimanotstand im Kreis Unna. Denn das würde bedeuten, dass wir alles andere diesem Faktor unterordnen. Ich finde aber, dass wir die ökologischen und wirtschaftlichen Faktoren bei allem, was wir planen, in ein Gleichgewicht bringen müssen“, so Pufke.

Einsparungen bei der VKU sind für Pufke denkbar

Eine Verkehrswende sieht Mario Löhr als wesentlichen Baustein des Klimaschutzes im Kreis Unna. Er plädierte für eine bessere Taktung der Busse, um den ÖPNV attraktiver zu machen. „Da müssen wir auch dringend mit den anderen Verkehrsverbünden reden.“ Von einer „bedarfsgerechten Mobilität“ spricht dagegen Marco Morten Pufke: „Wir haben im Kreis Unna weitestgehend ländliche Strukturen, da ist und wird man auch weiterhin oft auf das Auto angewiesen sein. Da müssen wir über eher über alternative Antriebsstoffe reden. An diesem gerade so populären Feldzug gegen das Auto werde ich mich nicht beteiligen.“

Man müsse auch darüber reden, dass die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) massiv Verluste einfahre und teilweise eine ineffiziente Streckenführung habe, holte Pufke weiter aus – sehr zum Erstaunen Löhrs, der darin einen Widerspruch zu einer Verkehrswende sah.

Als Erstes: Kontakt zu den Mitarbeitern suchen

Ganz oben auf der Agenda der beiden Männer stehen übrigens weder Radwege noch Bushaltestellen: Auf die Frage, was sie als Erstes tun würden, wenn sie Landrat werden, waren die Antworten der beiden Kandidaten doch wieder erstaunlich gleich. „Ich werde als Erstes das Gespräch mit den Mitarbeitern der Kreisverwaltung suchen, weil ich meine Agenda nur im Team umsetzen kann“, kündigte Pufke an. Und Mario Löhr will als Erstes mit seiner Sekretärin sprechen: „Dass sie meine Termine stringent und eng getaktet einträgt, um die Vielfältigkeit meiner Themen dann auch zügig abgearbeitet zu haben.“

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