Lehrermangel: Schwimmunterricht an Lüner Schulen kommt zu kurz

dzSchulschwimmen

Dass Schwimmunterricht nicht stattfinden kann, ist ein Problem. Im Bildungsausschuss führte das zu einer lebhaften Debatte. Das „Lippe Bad“ erreicht derweil seine Ziele - trotz Verlusten.

Lünen

, 07.12.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer weniger Kinder können sicher schwimmen. Das beklagen Vereine wie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) schon länger. Die GFL sieht in Lünen das Problem, anders als die DLRG, nicht nur bei zu wenigen Schwimmbädern. Die Schulen nutzten die angebotenen Schwimmzeiten im „Lippe Bad“ nur zu rund 70 Prozent (1. Halbjahr 2019) aus.

Das soll sich ändern. Deswegen forderte die Partei im Ausschuss für Bildung Sport, dass die Schulverwaltung sich um die Optimierung des Schwimmunterrichts an Schulen kümmern solle.

Zu dem Antrag entspann sich am Donnerstagabend eine lebhafte Diskussion im Rathaus. Ob die zur Verfügung stehenden Sportlehrer nicht auch schul- oder sogar schulformübergreifend eingesetzt werden könnten, wollte die GFL wissen.

Jedenfalls nicht so ohne weiteres, wie Matthias Flechtner, Leiter der Leoschule, und Reinhold Bauhus, Schulleiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, zu bedenken gaben.

Lehrermangel, Versicherungen und Stundenpläne

Die Lehrer haben noch andere Aufgabenbereiche neben dem Schwimmunterricht. Demnach gestalte sich der Austausch von Lehrkräften zwischen Schulen allein schon organisatorisch sehr schwierig. „Hinzu kommen die Eltern, die auch mitreden dürfen“, sagte Bauhus. Neue Lehrer fehlen ohnehin an allen Ecken und Enden, natürlich auch für den Sportunterricht.

Um den Schwimmunterricht bestmöglich mit dem Stundenplan vereinbaren zu können, werde der Stundenplan um den Sportunterricht herumgebaut, zumindest an der Leoschule, erläuterte Flechtner, der selbst als Schwimmlehrer am Beckenrand steht. Zusätzlich gebe es an seiner Schule eine Kooperation mit einem ehrenamtlichen Schwimmlehrer, der die Schüler in seiner Freizeit unterstützt.

Schulschwimmen mit Vereinen bleibt Ausnahme

Ein schönes Modell, das aber die Ausnahme bleiben wird. Nicht nur, weil die Frage nach Versicherung und Aufsichtspflicht die Vereine stark belasten könnte. „Viele unserer Ausbilder sind selbst berufstätig“, sagte Christian Zapp, Vorsitzender des Stadtsportbundes und Vorsitzender des SSC TuS Lünen-Wethmar. Die Schwimmzeiten der Schulen, täglich von 8 bis 16 Uhr, könnten die Vereine allein deshalb kaum bedienen.

Am Ende der Debatte wurde der Antrag mit einer Mehrheit, bestimmt von SPD und Grünen, abgelehnt. Zustimmung fand hingegen der Gegenantrag der Sozialdemokraten. Im Grunde ging es um dieselbe Sache. Nur sollte hier aufgenommen werden, dass die Verwaltung Maßnahmen prüfen solle, die auch „umsetzbar“ sind.

Bäderbetrieb macht jährlich mehr als zwei Millionen Euro Verlust

Seit der Eröffnung des Lippe-Bades im Jahr 2011 machen Schulen 19 Prozent der Besucher aus. Wie Jasmin Teuteberg, Sprecherin der Stadtwerke und damit auch der Bäderbetriebe Lünen, mitteilt, kam das Bad 2018 auf insgesamt 224.203 Besucher, 40.505 davon waren Schülerinnen und Schüler.

Die größte Besuchergruppe sind die Erwachsenen, die einen Anteil von 42 Prozent ausmachen. Die Vereine haben im Lippe Bad einen Anteil von 27 Prozent.

Insgesamt liegt das Lippe Bad damit im Soll: Es wurde mit einer Besucherzahl von 210.000 pro Jahr kalkuliert. „Wie die Statistik zeigt, ist das Ziel bereits seit 2014 mit steigender Tendenz überschritten“, so Jasmin Teuteberg.

Der Spitzenwert mit mehr als 241.000 Besuchern wurde 2016 erreicht, seitdem ist die Tendenz wieder fallend. Bis Ende November 2019 zählten die Bäderbetriebe rund 211.000 Besucher - also wird das Ziel auch in diesem Jahr wieder erreicht.

Allerdings: „Kein öffentliches Bad in Deutschland ist kostendeckend“, weiß auch Jasmin Teuteberg. Im Schnitt haben die drei Bäder in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt einen jährlichen Verlust von rund 2,3 Millionen Euro gemacht. „Am Ende trägt die Stadt Lünen durch eine geringere Gewinnabführung der Stadtwerke Lünen die Kosten“, erklärt Jasmin Teuteberg.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt

Die zusätzlichen Schwimmkurse in den Ferien laufen im Lippe Bad Lünen und entlasten die Wartelisten. Heutzutage haben viele Kinder eine größere Scheu vor dem nassen Element. Von Laura Schulz-Gahmen

Lesen Sie jetzt