Kampf gegen den Krach: Das sind die lautesten Straßen in Lünen

dzLärmaktionsplan

Nachbarn sind sie nicht, und doch haben diese Menschen etwas gemein: Sie wohnen an den lautesten Straßen Lünens. Nun gibt‘s die Chance, mitzureden im Kampf gegen den Krach - und ein Problem.

Lünen

, 18.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Sie liegen mitten in der Stadt oder in den Stadtteilen, und doch haben diese Straßen eines gemein: Sie gehören zu den lautesten der Stadt.

Irgendwie und irgendwann soll sich das ändern: Die Stadt Lünen ist wie alle Kommunen in der EU verpflichtet, einen Lärmaktionsplan aufzustellen. Der Kampf gegen den Krach wird in mehreren Stufen geführt - inzwischen hat die Verwaltung die dritte Stufe erreicht und ist damit bei konkreten Schritten und einer erneuten Beteiligung der Bürger angekommen.

Für insgesamt sechs besonders belastete Straßenabschnitte hat der TÜV Rheinland im Auftrag der Stadt Maßnahmeempfehlungen entwickelt, die für die Anwohnerinnen und Anwohner „zum Teil eine deutliche Reduzierung der Lärmpegel bedeuten würde“, teilt die Stadt mit.

Zu den Abschnitten gehören:

  • Königsheide (Waltroper Straße bis Am Brambusch)
  • Münsterstraße (Kurt-Schumacher-Straße bis Ortsausgang)
  • Bebelstraße (Gahmener Straße bis Preußenbahnhof)
  • Cappenberger Straße (Konrad-Adenauer-Straße bis Ortsausgang)
  • Viktoriastraße (Konrad-Adenauer-Straße bis Kurt-Schumacher-Straße)
  • Borker Straße (Konrad-Adenauer-Straße bis Ortsausgang)

Kampf gegen den Krach: Das sind die lautesten Straßen in Lünen

Die Borker Straße ist eine von sechs benannten Straßen. Der Vorschlag der Gutachter: Tempo 30 zwischen Konrad-Adenauer-Straße und Ortsausgang. Der zuständige Ausschuss hält mehrheitlich nichts davon. © Britta Linnhoff (A)

Das sind die konkreten Vorschläge des TÜV Rheinland

Die vom TÜV Rheinland gemachten Vorschläge zu einer Verminderung des Lärms reichen von Tempo 30, einem Nachtfahrverbot für Lkw über einem grundsätzlichen Lkw-Fahrverbot bis hin zu einem lärmmindernden Straßenbelag. Konkret:

  • Bereich Königsheide Tempo 30 und Lkw-Nachtfahrverbot
  • Bereich Münsterstraße: Tempo 30 und Lkw-Nachtfahrverbot
  • Bereich Bebelstraße: Tempo 30, teilweise lärmarmer Straßenbereich
  • Bereich Cappenberger Straße, Viktoriastraße und Borker Straße: Tempo 30

Kampf gegen den Krach: Das sind die lautesten Straßen in Lünen

Vielbefahren: die Cappenberger Straße. Auch für sie gibt es Vorschläge, um den Verkehrslärm zu reduzieren. © Peter Fiedler

Nun kommt gleich das Aber: Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt hat sich nämlich in seiner Juni-Sitzung mehrheitlich dafür ausgesprochen, die „Maßnahmenempfehlung Geschwindigkeitsreduzierung aus dem Lärmaktionsplan Stufe III herauszunehmen“. Damit gibt es für drei Straßen (Cappenberger-, Viktoria- und Borker Straße) derzeit keine vorgeschlagene Maßnahme mehr.

Was bedeutet das für die Anlieger dieser Straßen?

Faktisch, dass der Vorschlag Tempo 30 nach dem politischen Willen derzeit vom Tisch ist. Aber Fakt ist auch: Das Beratungsverfahren geht weiter. Mit dem protokollierten Beschluss des Ausschusses.

Die am Verfahren beteiligten Verbände sollen Stellung nehmen - auch zur Stellungnahme des Ausschusses. Ohnehin gibt es rechtlich einiges zu prüfen: „Ob die empfohlenen Maßnahmen tatsächlich verkehrsrechtlich angeordnet werden könnten, muss letztlich noch im Einzelnen geprüft werden“, so die Stadt. Die EU-Umgebungslärmrichtlinie zur Bewertung des Lärms schreibe eine andere Berechnungsgrundlage vor als die deutsche Gesetzgebung.

Verkehrslärm verursacht Stress und kann krank machen

Die betroffenen Anlieger müssen hoffen, dass bei all‘ dem etwas für sie herauskommt. Denn, fest steht: Autos oder Baustellen sorgen für enormen Krach, der die Gesundheit gefährden kann. Teilweise kann dabei eine Lautstärke von bis zu 100 Dezibel (dB) erreicht werden. Lautstärken zwischen 40 und 65 Dezibel empfindet der Mensch noch als angenehm. Alles, was darüber liegt, wird als Lärm wahrgenommen. Und Lärm kann krank machen. Autos, Baustellen und Flugzeuge verursachen zwar nicht unmittelbar Hörschäden - aber Stress, der irgendwann krank machen kann. Bereits in der zweiten Stufe des Lärmaktionsplans hatten sich Lüner zu Wort gemeldet - und vor allem über den Lkw-Verkehr, über Motorräder und Raser geklagt.

Eine Entscheidung über Maßnahmen fällt voraussichtlich im November oder Dezember.

Der Entwurf der Stufe III des Lärmaktionsplans ist bis zum 6. September online einsehbar (Rubrik Aktuelles). Hier können Bürger auch Stellungnahmen abgeben. Der Plan kann auch zu den allgemeinen Sprechzeiten im Technischen Rathaus, Abteilung Stadtplanung, Willy-Brandt-Platz 5, 3. Obergeschoss eingesehen werden.
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