Kultur in Lünen: Treue Besucher in „kulturloser“ Zeit ohne Theater

dzCorona-Krise

Das Heinz-Hilpert-Theater in Lünen bleibt noch immer leer. Treue Zuschauer bleiben in dieser „kulturlosen“ Zeit anders in Kontakt. Manche unterstützten das Heinz-Hilpert-Theater auch finanziell.

Lünen

, 21.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem Familienkonzert öffnete sich am 8. März zum letzten Mal in dieser Spielzeit der Vorhang im Heinz-Hilpert-Theater. Mit „Let’s go to America“ führte die Neue Philharmonie Westfalen die Zuhörer in die „Neue Welt“. In der gleichen Woche sorgte Corona dafür, dass alle geplanten Vorstellungen abgesagt oder verschoben werden mussten - seitdem bleiben die 760 Plätze des Theaters, das sonst regelmäßig ausverkauft ist, leer.

Treue Besucher besonders betroffen

Horst Häger, der seit seinem Eintritt in den Ruhestand vor gut 10 Jahren nahezu jede Vorstellung im Hilpert-Theater besucht hat, ist besonders betroffen. „Für mich sind knapp 15 Veranstaltungen, für die ich bereits Karten hatte, ausgefallen“, sagt er. Denn Tickets kauft er oft schon Monate vorher, um sich seinem Stammplatz in Reihe 3 zu sichern.

Auf einige Aufführungen wie „Best of Britain“ oder „Erdbeerbrause“ hatte er sich besonders gefreut, und auch auf Herbert Knebel, „wenn er nicht zu viel singt.“ Häger leugnet nicht, dass ihm die Theaterbesuche fehlen. Doch er bleibt Realist: „Da kann man eben nix machen. Vorsicht ist besser. Ich gehöre nicht zu den Idioten, die sich überstürzte Lockerungen wünschen.“

Verzicht auf Erstattungen

Auch Gerlinde Wittler aus Brambauer vermisst die Theaterveranstaltungen, die für sie durch nichts zu ersetzen sind. „Aber ich habe ja mein kleines Theater bei mir im Wohnzimmer“, tröstet sie sich. Sie meint damit ihre private Sammlung aus über 60 Jahren Theatergeschichte. Schon seit der Saison 1958/59 hat sie außerdem ein Vormiete-Abonnement und betonte in einem persönlichen Brief an das Kulturbüro die Verbundenheit mit „ihrem“ Theater auch in diesen schwierigen Zeiten. Großzügig verzichtete sie darin auf sämtliche Erstattungen für die ausgefallenen Vorstellungen, „um einen Beitrag zur Unterstützung des Kulturbetriebes zu leisten“.

Gerlinde Wittler hat eine Sammlung mit Exponaten zur Geschichte des Hilpert Theaters. Sie verzichtete auf sämtliche Erstattungen für die ausgefallenen Vorstellungen, um den Kulturbetrieb zu unterstützen.

Gerlinde Wittler hat eine Sammlung mit Exponaten zur Geschichte des Hilpert Theaters. Sie verzichtete auf sämtliche Erstattungen für die ausgefallenen Vorstellungen, um den Kulturbetrieb zu unterstützen. © Textoris (A)

Neben Gerlinde Wittler fallen auch für rund 1800 weitere Abonnenten der unterschiedlichen Serien des Theaters einige Veranstaltungen aus - laut Uwe Wortmann, Leiter des Kulturbüros, konnte keine der Serien vollständig stattfinden. Für manche Vorstellungen konnten bereits Ersatztermine im Herbst oder im nächsten Jahr gefunden werden, andere wurden komplett abgesagt. Das Kulturbüro bot den Betroffenen Ticketinhabern natürlich Gutscheine oder Rückzahlungen als Entschädigung an, die die meisten auch in Anspruch nahmen. Ebenso wie Gerlinde Wittler entschieden sich aber laut Wortmann auch andere Abonnenten und Ticketkäufer dafür, auf das Geld zu verzichten, um das Theater zu unterstützen.

Fixkosten müssen weiterhin bezahlt werden

Große wirtschaftliche Probleme habe das Theater zwar noch nicht - dennoch fehlen die Einnahmen durch die ausgefallenen Veranstaltungen, so Wortmann. Zwar würden Gagen für die Gastspiele wegfallen, einige Fixkosten sowie Personalkosten würden aber trotzdem weiter anfallen. Dass die Ticketkäufer aber in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit ihr Geld zurückerstattet haben wollen, könne er natürlich trotzdem nachvollziehen.

Damit die treuen Theaterbesucher in dieser Zeit aber weiterhin auf ihre Kosten kommen, hat das Kulturbüro seinen Newsletter ausgebaut und gibt nun wöchentlich Tipps für Kultur im Internet. Auch ein Parkplatztheater und Autokino seien bereits in Planung.

Theatertreff wird zum Telefontreff

Marie-Lis Coenen ist die Initiatorin des Theatertreffs. „Natürlich vermissen wir unsere gemütlichen Runden, in denen wir bei Kaffee und Kuchen plaudern und uns auf die bevorstehende Aufführung freuen können“, sagt sie, „doch zum Glück sind wir inzwischen eine lebendige Gemeinde geworden.“ So hat sich in Corona-Zeiten der Theatertreff zu einem Telefontreff entwickelt. Man tauscht Gedanken aus, spricht von früheren Aufführungen und freut sich auf die kommende Saison.

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