Kritik am geplanten Kultur-Hotspot „Persiluhrpassage“: Warum er eine Chance verdient hat

dzMeinung am Mittwoch

Das Umbauprojekt „Persiluhrpassage“, in das die Stadtbücherei ziehen soll, wird in den sozialen Netzen diskutiert und kritisiert. Es hat eine Chance verdient, findet Gastautor Kevin Tigges.

von Kevin Tigges

Lünen

, 07.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Juli ist es offiziell: Die Persiluhrpassage in Lünens nördlicher Innenstadt wird zu einem kulturellen Hotspot. Das Land NRW fördert den Umbau mit einer Summe in Höhe von 4,21 Millionen Euro.

In der Passage sollen dann ab 2022 ein Café, ein Ticketschalter für das Kulturbüro und ehrenamtliche Vereine ihren Platz finden. Nicht zuletzt darf sich auch die Stadtbücherei, die derzeit noch in der Stadttorstraße verortet ist, über einen neuen modernen Standort freuen.

Grund zur Freude dürfte es demnach auch bei den Lüner Bürgern geben. Immerhin zeichnet sich das Objekt derzeit durch einen hohen Leerstand aus und trägt somit weder zur Belebung, geschweige denn zur Verschönerung des Innenstadtbereichs bei.

Zweifel an Bedeutung der Stadtbücherei

Doch offensichtlich stimmt das Vorhaben nicht jeden zufrieden – in den sozialen Netzwerken wird kontrovers diskutiert. Mit Verwunderung habe ich wahrgenommen, dass insbesondere die geplante Umsiedlung der Stadtbücherei Kritik hervorgerufen hat. Bezweifelt wird einerseits ihre allgemeine Bedeutsamkeit im digitalen Zeitalter und anderseits ihr Beitrag zur Belebung der nördlichen Innenstadt.

Gastautor Kevin Tigges (27) ist Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“.

Die Kritik auf den Punkt gebracht: Durch einen Standortwechsel würden weder die Bücherei noch die Persiluhrpassage neuen Aufschwung erfahren. Ist die Idee hinter dem Schlüsselprojekt der Stadt also nur eine Wunschvorstellung? Fehlt dem Projekt tatsächlich das nötige Potenzial, um erfolgreich zu sein?

Dem stimme ich jedenfalls nicht zu. Dass die Stadtbücherei noch lange kein Stück Zeitgeschichte darstellt, beweist sie zum einen mit der Durchführung des Sommerleseclubs: Das Leseförderprojekt des Landes NRW setzt mit einem Konzept aus Teamwork, Kreativität und (digitaler) Kommunikation bei allen Altersgruppen an – und sorgt damit auch in Lünen für eine rege Teilnahme.

„Bücherei ist immer noch lebendig“

Außerdem zeigen zahlreiche andere Veranstaltungen wie beispielsweise das Bilderbuchkino (Vorlesen für Kinder ab 4 Jahren), das Büchereikino und diverse Autorenlesungen, dass die Bücherei immer noch lebendig ist. Nicht zuletzt verdeutlicht das Bücher-, Medien- und Serviceangebot, dass sie am Puls der Zeit ist. In einer attraktiveren Lage kann sie dies nur umso deutlicher unter Beweis stellen.

Damit das Umbauprojekt aber auch insgesamt Erfolg hat und die neue Passage zum geplanten kulturellen Hotspot wird, ist die Unterstützung der Bürger erforderlich. Indem die Angebote dann auch wahrgenommen werden (das kann man natürlich bereits jetzt schon!), trägt jeder zum Gelingen bei. Das Projekt verdient diese Chance.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
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