Kreis Unna plant einheitlichere Müllgebühren

Neuregelung ab 2018

Dass ein Bürger Selms für die gleiche Leistung fast 100 Euro mehr zahlt als ein Bürger Bergkamens, ist schwer zu vermitteln. Bei den Abfallgebühren sind solche Unterschiede keine Seltenheit, wie unsere Grafiken zu den Kosten in Selm, Lünen, Schwerte und Werne zeigen. Der Kreis Unna will das ändern und denkt über gerechtere Gebühren nach.

KREIS UNNA

von Kevin Kohues

, 06.06.2017, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Mitarbeiter der Abfallwirtschaft Region Hannover wirft am 16.05.2013 in Hannover (Niedersachsen) gelbe Säcke in einen Müllwagen. (zu dpa "Müllwagen sollen wegen vieler Unfälle nicht mehr Rückwärtsfahren" vom 02.05.2017) Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Mitarbeiter der Abfallwirtschaft Region Hannover wirft am 16.05.2013 in Hannover (Niedersachsen) gelbe Säcke in einen Müllwagen. (zu dpa "Müllwagen sollen wegen vieler Unfälle nicht mehr Rückwärtsfahren" vom 02.05.2017) Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Zwischen 70 und 120 Euro für die Tonne: So viel zahlt ein Einwohner pro Jahr im Schnitt an Abfallgebühren. Dass die Gebühren von Ort zu Ort unterschiedlich hoch sind, hängt mit unterschiedlichen Systemen zusammen. Manch eine Kommune organisiert die Müllabfuhr selbst, hat einen eigenen Fuhrpark. Andere hingegen vergeben dafür Aufträge an Unternehmen wie Remondis oder Rhenus.

Der Kreis Unna wiederum sammelt von den Städten und Gemeinden Geld ein, um etwa die Verbrennung des Restmülls in der Müllverbrennungsanlage (MVA) Hamm zu bezahlen, rechnet dabei Erlöse aus dem Verkauf von Altpapier gegen. Das System ist komplex, wird aber an vielen Stellen als ungerecht empfunden.

Größere Tonnen kosten nicht mehr

Abfallwirtschaftsexperte Andreas Schneider vom Kreis Unna nennt als Beispiel die Größe der Mülltonnen. Bisher gilt: Je größer das Gefäß ist, desto mehr muss der Nutzer dafür bezahlen. Für die Abfuhr sei der Aufwand aber gleich, egal ob der Müllwagen eine 60-Liter-Tonne am Einfamilienhaus oder einen 1100-Liter-Behälter am großen Wohnkomplex leert.

Dem Bürger sei es außerdem schwer zu vermitteln, wenn er aufgrund der gewünschten Trennung von Wertstoffen immer kleinere Gefäße benötige, die Gebührenlast aber trotzdem steige, sagte Prof. Dr. Klaus Gellenbeck vom Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management (INFA) jetzt im Umweltausschuss des Kreises. „Mehr Müllgerechtigkeit“ lautet kurz gefasst das Ziel, das der Kreis für das Jahr 2018 anstrebt.

Teurer wird es für niemanden

Die Politik beauftragte den Landrat einstimmig damit, dazu ein Modell mit einer Grund- und Leistungsgebühr zu erarbeiten, das im Herbst vom Kreistag beschlossen werden könnte. Die einheitliche Grundgebühr wäre neu und würde die Fixkosten abdecken, die unabhängig von den Müllmengen etwa für die Vorhaltung der Anlagen anfallen.

Fest steht bereits eines: Teurer wird es für niemanden. Dafür werden die Gesamtkosten für den Abfall durch einen neuen Vertrag mit der MVA Hamm von zuletzt 22,5 Millionen Euro um etwa zwei Millionen sinken. Ein weiteres Ziel, das Politik und Verwaltung sich gesetzt haben, betrifft eine Steigerung der „Reinheit“ des Abfalls. Mit anderen Worten: Viel zu viel Müll landet in der falschen Tonne, kann deshalb nicht verwertet werden und verursacht zusätzliche Kosten.

Falsch befüllte Tonnen bleiben stehen

So seien etwa 40 Prozent des Inhalts aus den Wertstofftonnen nicht verwertbar, sagt Andreas Schneider. Beispiel: nicht ausgepackte Lebensmittel. Die Plastikverpackung gehört in die Wertstofftonne, der Inhalt aber in die Biotonne.

Der Kreis will die Menge des sogenannten sortenreinen Bioabfalls steigern, gleiches gilt für die Wertstoffe. Die 2016 durchgeführten Kontrollen sollen deshalb fortgesetzt werden: Ist eine Tonne falsch befüllt, bleibt sie im Zweifelsfall stehen und wird nicht geleert. Denn nur was richtig getrennt ist, kann auch verwertet werden.

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