Der Dampferzeuger war während der Revision komplett eingerüstet. © Steag/Trianel
Trianel in Lünen

Kraftwerk in Lünen war trotz hohen Strombedarfs lange ausgeschaltet

Flaute für die Energiewende: Laut Statistischem Bundesamt wird der meiste Strom aus Kohle und nicht aus Wind erzeugt. Das Lüner Kraftwerk macht dabei erst ab Montag (14. 6.) wieder mit.

Kein Wölkchen am blauen Himmel. Kein einziges. Auch keine Dampffahne über dem Kühlturm des Trianel-Kraftwerks am Stummhafen. Und das seit viereinhalb Wochen. Dabei ist der Strom aus Kohlekraftwerken derzeit so gefragt wie lange nicht mehr – und das knapp ein Jahr nach der Verabschiedung des Kohleausstiegsgesetzes. Warum das so ist, warum das Lüner Kohlekraftwerk trotzdem zuletzt vom Netz war und wann es wieder hochfährt, lesen Sie hier.

Windenergieerzeugung ist eingebrochen

Schön. So nennt jeder, der auf dem Balkon, im Freibad oder inzwischen auf wieder im Biergarten die Freizeit genießt, das aktuelle Wetter. Schön warm und schön windstill. Für die alternative Stromerzeugung ist das alles andere als schön – ein besorgniserregender Trend, der sich aus dem Frühjahr fortsetzt. Bundesweit, so hat es das Statistische Bundesamt am Freitag (11. 6.) berichtet, sei die Stromerzeugung aus Wind in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 um rund ein Drittel eingebrochen.

Das erste Quartal sei „vergleichsweise windarm“ gewesen, so die Statistiker. Um dennoch den wachsenden Strombedarf decken zu können, mussten die konventionellen Energieträger verstärkt ran – auch das Trianel-Kraftwerk in Lünen. Mit einem Anteil von 28,9 Prozent an der insgesamt eingespeisten Strommenge war die Kohle der wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung im ersten Quartal 2021: etwas, das die Politik so nicht geplant hatte.

Mitarbeiter des Kraftwerks sowie zusätzliche Kräfte anderer Firmen haben auch die Elektrofilteranalage genau unter die Lupe genommen. © Steag/Trianel © Steag/Trianel

Bis Ende 2022 will das Land komplett aus der Atomkraft ausgestiegen sein und bis spätestens 2038 aus der Kohleverstromung. Das sogenannte Klima-Urteil des Bundesverfasungsgerichts von Ende April drückt da noch zusätzlich aufs Gaspedal. Danach müsse die Klimapolitik mit Blick auf die Belastung künftiger Generationen stark beschleunigt werden: eine Forderung, der die Bundesregierung im Mai nachkam.

Mehr Strom für die Energiewende

Deutlich mehr Elektroautos braucht das Land dafür, mehr Wärmepumpen, mehr Wasserstoff, der insbesondere auch im Kreis Unna produziert werden soll: Für die Energiewende wird mehr Strom benötigt und nicht weniger, wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier ebenfalls am Freitag (11.6.) der Wirtschaftswoche mitteilte. Um ihn zu produzieren will er Verfahren schaffen, um leichter und schneller Windräder zu bauen – auch zu Lasten des Artenschutzes. Bis es so weit ist, müssen die konventionellen Kraftwerke die Lücke füllen: sowohl die aus Deutschland und als auch die aus dem Ausland. Die importierte Strommenge im windarmen ersten Quartal 2021 ist um fast ein Fünftel (18,4 Prozent) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.

Dass sich das Lüner Trianel-Kraftwerk in den zurückliegenden viereinhalb Wochen nicht daran beteiligen konnte, war lange beschlossen. Die jährliche Revision stand an zur Kontrolle, Instandsetzung und Optimierung der Abläufe – auch im Kessel. Bis Menschen – sowohl Steag-Leute, die für Trianel das Kraftwerk führen als auch Zusatzkräfte von anderen Firmen – in dieses Herzstück des Kraftwerks klettern konnten, dauerte es aber. Bei Betrieb herrscht dort immerhin eine Hitze von 1400 Grad. Inzwischen sind die Luken wieder fest verschlossen. Auch an anderen Stellen des erst vor siebeneinhalb Jahren ans Netz gegangenen Kraftwerks sind Verschleißteile ausgetauscht worden: alles planmäßig und ohne böse Überraschung wie im vergangenen Jahr, als ein Schaden im Generator aufgefallen war.

Ab Montag (14.6.) wieder am Netz

Am Montagmorgen (14. 6.) fährt das Team von Peter Hubbertz das Kraftwerk wieder hoch: ein Vorgang, der sechs bis zehn Stunden dauern kann. Schließlich muss der Kessel erst wieder die kalte Turbine aufheizen, damit sie den Generator antreiben und Strom erzeugen kann. Spätestens am Nachmittag wird sie wohl wieder zu sehen sein: die weiße Dampffahne am blauen Himmel.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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