Kneipenschlägerei vor dem „Shaggy‘s“ in Lünen endet vor dem Jugendrichter

dzInnenstadt in Lünen

Heftige Auseinandersetzung: Vor der Kneipe „Shaggy’s“ in der Lüner Innenstadt geraten zwei junge Männer im Herbst aneinander, einer wird verletzt. Sein Gegner stand jetzt vor dem Amtsgericht.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 11.06.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Eindruck, der Fremde würde eine ältere Bekannte „anmachen“, erweckte in der Nacht auf den 8. September bei einem 19-Jährigen das Bedürfnis, einzugreifen. „Verpiss Dich“, ließ er den Gleichaltrigen vor der Kneipe „Shaggy’s“ an der Ecke Bäckerstraße/Parkstraße aus Lünen wissen.

Es kam, was kommen musste. Die jungen Männer gerieten in Streit, ein Wort gab das andere und der Disput endete mit einer Rangelei, die der spätere Angeklagte mit einigen Schlägen für sich entschied. Auch soll er den Kontrahenten, als der am Boden lag, getreten haben. So zumindest stand es danach im Protokoll.

Nun befasste sich der Lüner Jugendrichter mit dem Fall und der Angeklagte betonte, dass er die ältere Dame im Raucher-Bereich vor der Gaststätte an der Parkstraße nur höflich um ein Feuerzeug gebeten habe. Der Andere habe sich daraufhin eingemischt, sei sofort laut und aggressiv gewesen, habe ihn geschubst und sei mit der Faust auf ihn zugekommen. „Ich habe mich nur gewehrt“, beteuerte der junge Lüner und gab zu, mehrfach zugeschlagen zu haben. Getreten habe er aber keinesfalls.

Zeugin: „Von Tritten weiß ich nichts“

Eine unbeteiligte Zeugin bestätigte, dass es zu einer Schlägerei gekommen sei. Wer zuerst zugeschlagen habe, das habe sie leider nicht gesehen. Sie habe sich erst umgedreht, als es laut geworden sei. Da seien die Fäuste von beiden Seiten aus geflogen. Und: „Nein, von Tritten weiß ich nichts.“ Wenn die Polizei das so bei ihrer Aussage aufgenommen habe, sei sie vielleicht falsch verstanden worden.

Ihr folgte der Geschädigte in den Zeugenstand und auch er sorgte für Verblüffung. Zwar versicherte der 19-Jährige, der Angeklagte habe den ersten Schlag gesetzt, aber Rachegelüste schien er nicht im Geringsten zu haben. Im Gegenteil: Er gab zu, dass er gewusst habe, dass es nicht gut sei, wenn er da hingehe. „Es war definitiv auch meine Schuld“, erklärte er offen und betonte darüber hinaus: „Tritte waren definitiv nicht dabei.“ Außerdem bauschte er seine Verletzungen nicht auf, sondern gab an, keine ärztliche Hilfe benötigt zu haben.

Deeskalationskurs - Verfahren eingestellt

Der Vorwurf der Tritte war vom Tisch. Hinzu kamen der Anteil des Opfers an dem Vorfall und der Umstand, dass die Verletzungen keiner ärztlichen Behandlung bedurften. Das sorgte dafür, dass der Lüner eine Chance erhielt. Sein Verfahren wurde gegen Teilnahme an einem Deeskalationskurs eingestellt. Hinzu kam eine Ermahnung des Richters: „Ich sage es Ihnen deutlich, Ihr Verhalten war nicht in Ordnung. Das war strafbar.“

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