Das Gelände am Lüner Brunnen, das der Remondis Production GmbH gehört. © Goldstein
Explosionen

Knallgeräusche in Lippholthausen: Kraftwerk dieses Mal nicht der Grund

Gleich mehrere Explosionsgeräusche waren seit Montag (10. Mai) aus Richtung Lippholthausen zu hören. Ausnahmsweise waren dieses Mal nicht Sprengungen auf dem Kraftwerksgelände die Ursache.

Es knallte laut, in Alstedde wackelten auch einige Scheiben: Nichts, was man derzeit nicht gewohnt wäre. Seitdem die Hagedorn-Gruppe das ehemalige Steag-Kraftwerk in Lippholthausen abreißt, kommt es öfter zu unangekündigten Sprengungen auf dem Gelände. Doch nachdem es am Mittwoch (12. Mai) erneut gekracht hatte, stellte das Unternehmen auf Anfrage klar: „Wir haben nichts gesprengt.“ Allerdings hätte man die Geräusche auf der Baustelle auch gehört.

Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung brachte Licht ins Dunkel: „Nach unseren Informationen findet derzeit eine Polizeiübung im Bereich des Lüner Brunnens statt.“ Tatsächlich befinden sich an dieser Straße mehrere unbewohnte Häuser, die für den Abriss vorgesehen sind. „Es handelte sich hierbei um eine reguläre Übung unter Einsatz von einzelnen Zugangssprengungen“, bestätigte dann auch Victor Ocansey, Sprecher des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) der Polizei NRW in Selm, gegenüber unserer Redaktion.

„Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen“

Die Fortbildungsstelle für Spezialeinheiten beim LAFP habe von Montag bis Mittwoch (12. Mai) phasenweise zusammen mit Beamten von Spezialeinsatzkommandos besondere Einsatzlagen trainiert. „Solche Maßnahmen sind feste Bestandteile der polizeilichen Fortbildung des LAFP NRW und finden seit vielen Jahren regelmäßig in Nordrhein-Westfalen an verschiedenen Örtlichkeiten statt“, so Ocansey weiter. „Die Polizeieinheiten trainieren ganzheitlich die einzelnen Einsatzabläufe und das gemeinsame taktische Vorgehen.“

Dass die Polizei dabei immer wieder auf sogenannte Abrissgebäude zurückgreift, geschehe ganz bewusst: „Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen, denn jede Sekunde zählt, wenn Menschenleben in Gefahr sind. Insofern bedarf es ebenso adäquater Trainingsmöglichkeiten“, erläutert der LAFP-Sprecher. „Die Trainings erfolgen stets unter möglichst realistischen Bedingungen, so dass die Polizistinnen und Polizisten im realen Einsatz in Sekundenschnelle sicher und professionell agieren können.“

So gesehen waren die Gegebenheiten in Lippholthausen günstig. Allerdings kommt es durchaus vor, dass ähnliche Übungen in zentraler Lage stattfinden – so wurde in Werne schon einmal in einer alten Grundschule mitten in einem Wohngebiet mit Spezialeinsatzkommandos trainiert. Damals wie auch nun in Lünen gilt, dass sich die Öffentlichkeit keine Sorgen machen muss: „Erforderliche Sicherheitsvorkehrungen sind stets umfangreich getroffen und unmittelbar betroffene Dritte wie mögliche Grundstücksbesitzer informiert.“ Auch die lokal zuständige Polizei und die Feuerwehr waren laut Victor Ocansey im Bilde.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen
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