Kleinkinder erstochen - Haftbefehl gegen Mutter

Am Freitag

Zwei Kleinkinder sind tot nach der schrecklichen Tragödie am späten Mittwochabend im Lüner Stadtteil Gahmen. Erstochen von der eigenen Mutter, wie sie am Donnerstag gestand. In der Nachbarschaft herrschen am Tag nach der Tat Entsetzen und Fassungslosigkeit, am Freitag ist Haftbefehl gegen die Mutter erlassen worden.

LÜNEN

, 03.11.2016, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Menschen aus der Nachbarschaft drücken an dem Haus der Familie ihr Mitgefühl aus und stellen Kerzen sowie Kuscheltiere auf.

Menschen aus der Nachbarschaft drücken an dem Haus der Familie ihr Mitgefühl aus und stellen Kerzen sowie Kuscheltiere auf.

Aktualisierung, Freitag, 14.20 Uhr:

Wie bereits am Donnerstag angekündigt hat die Staatsanwaltschaft am Morgen einen Untersuchungshaftbefehl gegen die 28-jährige Mutter der beiden getöteten Kinder beantragt. Den hat das Amtsgericht Dortmund am Freitag erlassen, wie die Staatsanwaltschaft in einer Mitteilung erklärte. Der Haftbefehl sei wegen „zweifachen heimtückischen Mordes“ erlassen worden, heißt es in der Mitteilung weiter. Die 28-Jährige ist nach Verkündung des Haftbefehls unverzüglich in ein Justizvollzugs-Krankenhaus verlegt worden. Wenn ihr Gesundheitszustand sich bessert, wird die 28-Jährige in eine normale JVA verlegt.

Ein eindeutiges Tatmotiv sei außerdem bislang nicht erkennbar geworden.  Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel hatte angegeben, dass es möglicherweise zuvor „Unstimmigkeiten familiärer Art“ gegeben haben könnte.

Bericht von Donnerstag, 3. November:

Am Tag nach dem Tod von zwei Kleinkindern in Lünen-Gahmen ist die Nachbarschaft am Hirtenweg geschockt und fassungslos. In einer Wohnung im ersten Stock hat hier eine Mutter Mittwochabend zwei ihrer drei Kinder erstochen. Der Säugling überlebte wohl nur, weil er zum Tatzeitpunkt in einem anderen Zimmer war.

Das erklärte Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel Donnerstagnachmittag auf Anfrage. Demnach hätte die Mutter ihre beiden Kinder im Schlafzimmer erstochen, der Säugling habe sich zu diesem Zeitpunkt jedoch in einem anderen Zimmer aufgehalten.

Vater rief laut Zeugenaussagen: „Warum?“

Als die wegen des Tumultes alarmierten Rettungskräfte schließlich eintrafen, befand sich der Vater mit dem Säugling schon vor dem Haus. In der Wohnung fanden die Einsatzkräfte die beiden Kinder-Leichen – und die schwer verletzte 28-jährige Mutter. Sie soll sich nach bisherigem Ermittlungsstand selbst verletzt haben. Der direkte Nachbar, ein 22-jähriger Mann ebenfalls aus Syrien, erinnerte sich an die Tatnacht: Der Vater habe immer wieder „Warum?“ und „Oh Gott“ auf Arabisch gerufen. Eines der Kinder habe er am Abend schließlich noch blutend gesehen, bevor Polizei und Rettungsdienst eintrafen.

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Zwei tote Kleinkinder in Lünen aufgefunden

Eine Mutter hat in Lünen öffenbar zwei Kleinkinder im Alter von einem und vier Jahren getötet. Die 28-Jährige war selbst schwer verletzt und wurde festgenommen.
02.11.2016
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Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
In der Wohnung befand sich auch noch ein Säugling. Dieser blieb unverletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
In der Wohnung befand sich auch noch ein Säugling. Dieser blieb unverletzt. Rettungskräfte versorgten das Kind. © Foto: René Werner/IDA News
In der Wohnung befand sich auch noch ein Säugling. Dieser blieb unverletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
Eine Mutter hat in Lünen offenbar zwei ihrer Kinder erstochen und sich anschließend selbst schwer verletzt.© Foto: René Werner/IDA News
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Die Spurensicherung arbeitete daraufhin bis in die tiefe Nacht in der Wohnung. Die Obduktion der beiden Kinder ergab schließlich Donnerstagvormittag, dass die Mutter bei beiden Kindern „mehrmals“ mit einem Küchenmesser zugestochen habe, so Staatsanwalt Schulte-Göbel.

Mutter war zunächst nicht vernehmungsfähig

Die 28-Jährige hatte sich selbst außerdem so schwer verletzt, dass sie laut Schulte-Göbel zeitweise in ein künstliches Koma versetzt werden musste und vorerst nicht vernehmungsfähig war – bis sie dann am Nachmittag die Tat einräumte. „Unstimmigkeiten familiärer Art“ habe sie als Motiv angegeben, erklärte Staatsanwalt Schulte-Göbel. Ob es schon in den Wochen vor der Tragödie zu lautstarken Auseinandersetzungen in der Wohnung gekommen war, dazu widersprachen sich am Donnerstag die Aussagen aus der Nachbarschaft.

Es sei eine ruhige, liebevolle Familie gewesen, meinten die einen. Andere sagten, es sei häufig sehr laut gewesen. Das vierjährige Mädchen sei häufig draußen zum Spielen gewesen, sagte eine weitere Nachbarin: „Das war ein fröhliches Kind, wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt.“ Im Netz der städtischen Flüchtlings-Betreuung hat sich die Familie nach unseren Informationen jedenfalls nicht befunden. Demnach ist die Familie vor etwa einem halben Jahr aus Bayern nach Lünen gekommen. Als anerkannte Flüchtlinge konnten die Syrer ihren Wohnort frei wählen.

Betroffene Nachbarn zündeten schon Donnerstagvormittag Kerzen im Hauseingang an und legten Kuscheltiere dazu. Auch Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns äußerte sich noch am Mittag zu der Bluttat: „Das ist eine entsetzliche und unfassbare Tragödie. Ich glaube, es macht uns alle in der Stadt sehr traurig aber auch wütend, weil hier die Schwächsten und Hilflosesten betroffen sind.“

Im Laufe des Donnerstags hatten wir unseren ersten Bericht fortwährend aktualisiert. Ihn finden Sie hier:

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