Kleine-Frauns‘ wichtigste Aufgabe: Verhärtete Fronten in Lünen aufweichen

dzAnalyse zur Stichwahl in Lünen

Mit der Wiederwahl von Jürgen Kleine-Frauns endet ein „polarisierender Wahlkampf“. Das Erbe dieses Wahlkampfes zu überwinden, wird eine große Aufgabe für Jürgen Kleine-Frauns.

Lünen

, 27.09.2020, 23:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein denkwürdiger Wahlabend, beide Kandidaten mussten lange zittern. Am Ende war das Ergebnis denkbar knapp und für viele wahrscheinlich überraschend. Erneut hat sich Jürgen Kleine-Frauns in der Stichwahl durchgesetzt, nachdem er bei der Wahl zuvor rund 4 Prozentpunkte hinten gelegen hat. Der Versuch der SPD, durch ein Bündnis mit der CDU möglichst viele Wähler auf ihre Seite zu ziehen, ist fehlgeschlagen.

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Das hat viele Gründe. Manch alteingesessenes CDU-Mitglied wird wohl trotz Wahlempfehlung nicht sein Kreuzchen bei Rainer Schmeltzer gemacht haben. Manch einer ist angesichts der beiden verbliebenen Optionen aber offenbar auch gar nicht mehr wählen gegangen - die Wahlbeteiligung lag mit 30,67 Prozent niedriger als vor zwei Wochen und auch niedriger als bei der Stichwahl vor fünf Jahren. In Zahlen: Von 66.247 Wahlberechtigten sind nur 20.106 gültige Stimmen eingegangen. Etwas über 10.000 davon sind für Jürgen Kleine-Frauns abgegeben worden - eine richtig breite Unterstützung sieht anders aus.

Die verhärteten Fronten aufweichen

Es wird Kleine-Frauns‘ Aufgabe sein, künftig mehr Menschen für seine Politik zu begeistern. Das ist aber wahrscheinlich nicht seine schwerste Aufgabe. Kleine-Frauns muss nämlich auch versuchen, die verhärteten Fronten innerhalb der Lüner Politik aufzuweichen. Ein „polarisierender Wahlkampf“ sei das gewesen, hatte Kleine-Frauns‘ Mitbewerber noch am Wahltag gesagt. Tatsächlich hatten die Kandidaten zuletzt viel mit gegenseitigen Vorwürfen auf sich aufmerksam gemacht - weniger mit Verweisen auf unterschiedliche Ansätze für die Lösung der Probleme der Stadt.

Die Politik in Lünen muss, will sie etwas für die Lippestadt erreichen, aber mehr zusammenarbeiten, gemeinsam, auch in der sachlichen Auseinandersetzung, um die besten Lösungen ringen. Der zurückliegende Wahlkampf hat da ganz sicher nicht geholfen und Kleine-Frauns‘ Aufgabe umso größer gemacht. Das hat auch der alte und neue Amtsinhaber erkannt: „Wir müssen da unbedingt dran arbeiten“, sagte Kleine-Frauns am Abend, diese Aufgabe betreffe aber alle.

Es ist in der Tat die Aufgabe von allen, die Diskussion wieder auf eine sachliche Ebene zurückzuholen. Dem Bürgermeister, als Mittler zwischen den Fraktionen, kommt dabei aber eine besondere Verantwortung zu. Dass Kleine-Frauns mit seiner unabhängigen Kandidatur die Stricke zur Wählergemeinschaft Gemeinsam für Lünen weiter gekappt hat, dürfte ihm dabei helfen.

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