Nadine Weber verkauft an ihrem Stand Slush-Eis in verschiedenen Geschmacksrichtungen. © Dennis Görlich
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Kirmesstände in der Innenstadt: Schausteller kämpfen ums Überleben

Am Freitag (17. Juli) öffneten die Schausteller in der Lange Straße in Lünen erstmals ihre Geschäfte. Für viele von ihnen sind das die ersten Einnahmen des Jahres.

Es riecht nach frisch gebrannten Mandeln, nach warmen Crêpes und gegrillten Bratwürsten in der Lüner Innenstadt. Seit Freitag (17. Juli) stehen Schausteller auf der Lange Straße, die sonst auch auf der Lünschen Mess mit ihren Geschäften vertreten sind. Während sich die Lüner am ersten Tag sichtbar über das Angebot freuten, geht es für die Schausteller um die Existenz.

Dieses Jahr noch keine Einnahmen

Artur Küchenmeister steht mit seinem Grillstand in der Innenstadt. „Wir sind über jeden Euro froh, den wir hier einnehmen können“, so der Schausteller. Auf dem Lüner Weihnachtsmarkt habe er sein letztes Geld verdienen können.

Traditionell gehen viele Schausteller anschließend in die Winterpause, bevor es für die meisten rund um Ostern wieder los geht – doch Corona verhinderte das in diesem Jahr.

„Wir sind der Stadt sehr dankbar, dass es jetzt diese Möglichkeit gibt“, sagt Küchenmeister. Die Situation sei trotz der Soforthilfe des Landes für alle existenzbedrohlich.

Die Schausteller seien dringend auf Einnahmen angewiesen, „sonst gibt es bald keine Kirmes oder Weihnachtsmärkte mehr“, befürchtet er. Denn: „Ich kenne keine Branche, die ein Jahr ohne Einnahmen durchhält.“

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Kirmesstände in der Lüner Innenstadt

Keine Planungssicherheit

Auch für Ute Kossebaum geht es um die Existenz. Sie steht mit einem Crêpes-Stand in der Lange Straße. Einnahmen aus über 15 Veranstaltungen fehlen ihr mittlerweile. „Ich hoffe, dass ich hiermit meine privaten Kosten decken kann, wie Krankenversicherung und Strom“, so Kossebaum.

Sie ist der Meinung: „Jede Stadt sollte so etwas anbieten, denn es gibt so viele Schausteller, die jetzt auf Einnahmen angewiesen sind.“

Aufgrund der aktuellen Verbote fehle es an Planungssicherheit. Dabei verstehen viele Schausteller ihre Arbeit nicht nur als Beruf: „Das ist mein Leben, ich liebe das“, betont Kossebaum.

Viel Ware auf Lager

Kevin Schmidt verkauft an seinem Stand gebrannte Mandeln und andere Süßwaren. Zuletzt konnte er das im Februar: „Anfang des Jahres hatte ich noch eine Karnevalsveranstaltung und dann kamen die ganzen Absagen“, so der Schausteller.

Das Problem: „Wir hatten für die Veranstaltungen schon ordentlich Ware eingekauft, die wir jetzt natürlich auch abverkaufen wollen“, verrät Schmidt. Allein 2500 Lebkuchenherzen habe er noch auf Lager.

Drei Wochen darf Schmidt nun auf der Lange Straße stehen, bevor dort ein neuer Schausteller seinen Platz einnimmt.

Bis dahin ist Kevin Schmidt auf Kunden wie Natalie Langbein angewiesen, die regelmäßig am Süßwarenstand einkauft. „Wir waren auch zwischendurch beim Hofverkauf in Alstedde“, so Langbein. Dort hat Schmidt die veranstaltungsfreie Zeit von April bis Juni überbrückt – mit dem üblichen Angebot.

Hoffen auf den Weihnachtsmarkt

Heute waren es Lebkuchenherz, Schoko-Erdbeeren und einige Leckereien mehr, die Langbein für sich und ihre Tochter kaufte.

Natalie Langbein würde sich noch mehr Stände wünschen: „Das ist hier ein bisschen wenig. Es sind ja viel mehr Schausteller, die unterstützt werden müssen.“

Diese Chance besteht Anfang August, wenn Kevin Schmidt seinen Stand wieder abbauen muss, um Platz für den nächsten Schausteller zu machen.

Wie es für Schmidt weiter geht? „Dann wird wieder alles eingemottet und wir hoffen, dass die Weihnachtsmärkte stattfinden dürfen“, erklärt der Süßwarenverkäufer.

Der Adventsmarkt in Selm, wo Schmidt seinen Stand aufbauen wollte, wurde bereits abgesagt. Ob der Markt in Olfen stattfinden kann, ist noch offen. Wobei sich aber alle einig sind: Sollte auch das Weihnachtsgeschäft ausfallen, wird es ohne entsprechende Hilfen viele Betriebe im kommenden Jahr nicht mehr geben.

Über den Autor
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1989 im Ruhrgebiet geboren, dort aufgewachsen und immer wieder dahin zurückgekehrt. Studierte TV- und Radiojournalismus und ist seit 2019 in den Redaktionen von Lensing Media unterwegs.
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Dennis Görlich

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