Kirchliche Trauung ohne staatliche Anerkennung

LÜNEN Ab 1. Januar 2009 ist es gesetzlich keine Ordnungswidrigkeit mehr, wenn Paare sich den kirchlichen Segen holen, auch wenn sie nicht vorher standesamtlich getraut worden sind. Katholische und evangelische Pfarrer der Lippestadt stehen dieser Neuregelung allerdings skeptisch gegenüber.

von Von Beate Rottgardt

, 10.07.2008, 14:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die kirchliche Trauungen ohne staatliche Anerkennung sind ab 2009 erlaubt.

Die kirchliche Trauungen ohne staatliche Anerkennung sind ab 2009 erlaubt.

Nach den Richtlinien der evangelischen Kirche wird sich nichts ändern, wie Pfarrerin Claudia Reifenberger aus dem Paul-Gerhardt-Bezirk hervorhebt. „Bei uns gilt weiterhin, dass erst eine standesamtliche Trauung erfolgt sein muss, bevor wir ein Paar kirchlich trauen können. Und daran werden wir uns auch weiterhin halten.

Für Paare, die im Alter zueinander finden und bei einer staatlichen Trauung um eine Rente fürchten, bieten sich die „Andachten zu Lebenspartnerschaften“ an, die übrigens auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich sind. Claudia Reifenberger: „Für ältere Leute ist das eine gute Sache, auch wenn sich die Andachten klar von einer kirchlichen Trauung unterscheiden.“ Sie rechnet auch nicht mit einem Ansturm ab dem 1. Januar.

Ältere Paare fürchten bei standesamtlicher Trauung finanzielle Einbußen

„Ob sich die Zahl der Paare erhöht, die das wollen, ist schwer zusagen“, so Pfarrer Ralf-Hubert Bronstert vom Pfarrverbund Brambauer. Ältere Paare hätten sich seit einiger Zeit schon in Österreich oder den Niederlanden kirchlich trauen lassen, weil bei standesamtlicher Trauung finanzielle Einbußen möglich sind.

„Durch die Neuregelung wurde etwas bereinigt, was wir Bismarck zu verdanken haben“, erläutert Bronstert. Der „Eiserne Kanzler“ ordnete an, dass der bis dahin allein geltenden kirchlichen Trauung unbedingt eine standesamtliche voraus gehen müsse. „Pfarrer, die sich daran nicht hielten, mussten damals bis zu fünf Jahre ins Gefängnis“, so Bronstert. Heute handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die zum 1. Januar 2009 aufgehoben werden wird.

Keine Auswirkungen auf Namensrecht oder Erbschaft

„Eine kirchliche Trauung allein hat keine staatlichen Rechtsfolgen, beispielsweise im Hinblick auf das Namensrecht oder Erbschaft und Rente. Für die Kirche ist die Neuregelung nicht befriedigend“, meint Bronstert. Ähnlich sieht es auch Pfarrer Wolfgang Möller aus Horstmar, wenn auch aus anderen Gründen.

 „Ich bin nicht glücklich über die Regelung. Die Anbindung an die standesamtliche Trauung ist sinnvoll, weil man durch Einblick ins Familienbuch erkennt, ob die Leute nicht mit jemand anderem verheiratet sind.“ Und auch er sieht es als Problem an, dass eine rein kirchliche Trauung keine rechtlichen Konsequenzen habe.

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