Rechtsanwältin Ina Klimpke verteidigt den Angeklagten vor dem Landgericht Dortmund. © Martin von Braunschweig
Missbrauchsprozess fortgesetzt

Kinderporno-Fotos: Angeklagter gibt „alle Taten vollumfänglich zu“

Mit seinem Geständnis wollte ein 57-jähriger Mann aus Fröndenberg seinem Lüner Missbrauchs-Opfer eigentlich die Zeugenaussage vor Gericht ersparen. Ob das gelingt, ist aber unklar.

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten wandte sich der Angeklagte am Dienstag an die Richter des Dortmunder Landgerichts. Dass die Staatsanwaltschaft ihm vorwerfe, mehrere Hundert kinderpornografische Fotos eines Mädchens aus Lünen angefertigt zu haben, sei richtig. „Ich gebe alle Taten vollumfänglich zu“, sagte der Fröndenberger.

Übergriffe seit Ende 2018

Seiner Erinnerung nach habe es den ersten sexuellen Übergriff auf das Kind im November 2018 gegeben. Damals war die Schülerin zwölf Jahre alt. „Ich kenne sie schon seit ihrer Geburt“, sagte der Angeklagte. Er habe früher viel mit der Mutter des Mädchens unternommen.

An jenem Novembertag 2018 sei ihm dann aber schlagartig bewusst geworden: „Das ist ja gar kein Kind mehr.“ Und schließlich habe er auch das erste Nacktfoto des Mädchens gemacht.

„Nie zu etwas gezwungen“

Dem heute 57-Jährige ist dabei eines wichtig: „Ich habe sie niemals zu irgendetwas gezwungen.“ Natürlich habe das Kind die freizügigen Posen vor der Kamera auf seine Anweisungen eingenommen. Druck oder Gewalt seien jedoch zu keiner Zeit ein Thema gewesen.

Außerdem behauptet der Fröndenberger, dass er niemals vorhatte, die Bilder mit anderen Männern zu teilen oder gar in Kinderporno-Foren im Darknet zum Tausch anzubieten. „Die waren nur für mich. Ich wollte sie mir anschauen“, sagte der Angeklagte. Er habe nie einem anderen Mann von der Existenz der Aufnahmen erzählt.

Mit seiner Erklärung vor Gericht verfolgte der 57-Jährige ein klares Ziel: „Ich möchte ihr, wenn es möglich ist, die Aussage hier im Prozess ersparen.“ Ob das gelingt, ist jedoch noch nicht sicher. Und das liegt nicht an den Richtern.

Der Vorsitzende Ulf Pennig stellte am Dienstag klar, dass der Kammer das Geständnis des Mannes ausreiche. „Wir brauchen das Kind nicht als Zeugin.“

Anwalt überrascht Richter

Ausgerechnet der Anwalt der Lünerin wollte daraufhin aber noch etwas sagen.

„Meine Mandantin möchte in diesem Verfahren nicht nur ein Objekt sein, sondern aktiv auftreten“, sagte er. Das sei ausdrücklich mit dem Therapeuten des Kindes abgesprochen. „Es kann also sein, dass sie darauf besteht, ihre Aussage zu machen“, sagte Anwalt Karsten Niehues.

Den Richtern würde dies jedoch gar nicht schmecken. „Wir sehen dafür überhaupt keine Veranlassung“, sagte der Vorsitzende Ulf Pennig. Klar sei: „Wenn sie hier unbedingt aussagen will, dann müsste sie sich auch auf eine Reihe unangenehmer Fragen gefasst machen.“ Anwalt Niehues will nun noch einmal mit der Familie reden.

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