Kein „schmückendes Beiwerk“: Darum ist für Margret I. der Titel „König“ völlig in Ordnung

dzRegentin der Schützen von 1332

Vor acht Jahren war sie schon ganz nah dran, aber dann wurde ihr Mann Franz König. Nun schoss Margret Schürk bei den Schützen von 1332 den Vogel ab - und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Lünen

, 12.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Im Jahr 2011 stand Margret Schürk an der Vogelstange und legte auf die noch nicht so kümmerlichen Reste des Holzvogels an. Aber der wollte nicht fallen. Dafür fiel er dann beim nächsten Aspiranten auf den Königsthron. Und das war Margret Schürks Mann Franz.

Als Franz II. und Margret II. regierte das sympathische Ehepaar von 2011 bis 2013 den Lüner Schützenverein von 1332. Aber der Traum, die erste Frau zu sein, die als König den Verein repräsentiert, ließ Margret Schürk nicht los.

„Man hört nichts und man sieht nichts anderes mehr“

So stand sie am Samstag (6.7.) wieder an der Vogelstange. Nur noch Daniel Pöter und der frühere König Jörg Kostrzewa, der auf die Kaiserwürde hoffte, waren als Konkurrenten übrig. „Ich hab zwar auch mitgeschossen, aber meiner Frau versprochen, dass sie nicht Kaiserin wird“, so Franz Schürk. Der 75-Jährige verabschiedete sich früher aus dem Rennen um die Königskette.

Margret Schürk konzentrierte sich nur noch auf ihr Ziel: „Man hört nichts, man sieht nichts. Ich hab nur gemerkt, dass es die letzten zwei Stunden geregnet hat“, so die 68-Jährige.

Und dann gab es den historischen Moment - mit dem 703. Schuss hatten die Lüner Schützen von 1332 die erste Frau als Regentin. Und damit das Kuriosum, dass Margret I. König des Vereins wurde.

Margret Schürk kommt mit Titel „König“ gut klar

„Ich finde das in Ordnung, denn bei uns sind die Königinnen das schmückende Beiwerk und der König derjenige, der den Vogel von der Stange holt“, sagt sie.

So sieht es auch Klaus Stallmann, Ehrenpräsident des Westfälischen Schützenbundes: „Das ist bei vielen anderen Vereinen genauso. Wenn eine Frau den Vogel abschießt, wird sie König, wenn ihr Mann es geschafft hat, ist sie Königin an seiner Seite.“ Es gibt, so der langjährige Präsident des Schützenbundes in Westfalen, allerdings auch Schützenvereine, die keine Frauen beim Vogelschießen zulassen.

In Nordlünen-Alstedde regierte die erste Königin

Als Sieglinde Rotte 1988 den Vogel abschoss, wurde sie allerdings bei den Schützen von Nordlünen-Alstedde Königin und Hans Witt ihr Prinzgemahl.

Diesen Titel trägt nun auch Franz Schürk. Als Prinzgemahl Franz I. steht er seiner Frau zur Seite.

Lünens Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Schiek fände es besser, wenn Frauen - wie bei den Royals in England oder Dänemark - auch als Königinnen die Schützen regieren. „Und wenn Männer den Vogel abschießen, können ihre Frauen dann ja auch Prinzgemahlin heißen.“

Die Frauen nur als schmückendes Anhängsel zu sehen, findet Gabriele Schiek „diskriminierend“. Auch die Schützen sollten mit der Zeit gehen.

Margret Schürk kommt mit ihrem Titel „König“ gut zurecht. Und auch damit, in den nächsten zwei Jahren keine Abendkleider für die Termine zu brauchen. „Ich ziehe meine Uniform an und fertig“, sagt sie. Sportliche Kleidung ist ohnehin ihr Favorit.

Kein „schmückendes Beiwerk“: Darum ist für Margret I. der Titel „König“ völlig in Ordnung

Das war vor acht Jahren: Nach der Krönung folgte eine Ansprache von Franz II. Schürk. Seine Frau und Königin Margret II. stand mit am Rednerpult. © Beuckelmann

So wird ihr auch die schwere Traditions-Königskette am Samstag über die Uniformjacke, den Schützenrock, gelegt. „Die trage ich aber nur beim ersten Tanz. Danach bekomme ich die leichtere Königskette um für den Abend.“

Margret Schürk ist seit über 25 Jahren Mitglied im Schützenverein von 1332. Ihr Mann Franz seit über 40 Jahren. Weil das Ehepaar eine Zeit lang in Beckinghausen lebte, gehört es der 5. Kompanie an, die seit einigen Jahren die Regenten stellt. Immer wieder schafft es jemand aus der 5. Kompanie, den Vogel abzuschießen.

Auch wenn die Schürks mittlerweile in Lünen-Süd wohnen, bleibt Beckingausen ihre Schützenheimat. „Wir haben da viele Freunde gefunden“, so Prinzgemahl Franz.

Enkelin Leni ist stolz auf die Oma

„Anfangs war ich bei den Sportschützen, dann kamen die Enkelkinder und ich hab eine Pause eingelegt“, so Margret Schürk. Leni (7) und Erik (10) sind der ganze Stolz der Großeltern - und auch schon Mitglieder bei den Schützen. Beim Festumzug am Sonntag sind sie als Schilderträger mit dabei.

Leni ist ganz stolz auf ihre Oma, die nun König Margret I. heißt. Auf dem Wohnzimmertisch steht ein Blumenstrauß mit weiß-grünem Band. „Der ist vom Schützenverein Bork. Die wollten die Blumen eigentlich der neuen Königin überreichen, nun hat sie der König bekommen, also ich“, so Margret Schürk.

Zapfenstreich und Festumzug

pROGRAMM DES sCHÜTZENFESTES

  • Bataillon und Gäste treffen sich am Samstag, 13. Juli, um 16 Uhr am Festzelt auf dem Willy-Brandt-Platz. Um 16.15 Uhr geht es zum Ehrenmal zur Kranzniederlegung. Um 17 Uhr beginnt der Große Zapfenstreich an der Lippe-Kaskade in der Innenstadt.
  • Von dort aus geht es zum Festzelt, wo um 19 Uhr mit dem Einmarsch der Königspaare der Schützenball beginnt. Es spielt die Showband „The Cube“. Der Eintritt ins Zelt ist frei.
  • Der Sonntag, 14. Juli, steht ganz im Zeichen des Festumzugs durch die Innenstadt. Der Tag beginnt für alle Kompanien um 12 Uhr mit dem Mittagessen im Festzelt.
  • Um 13.30 Uhr startet der Empfang der Gastvereine im Festzelt, um 14.30 Uhr erfolgt die Aufstellung zum Festumzug durch die Innenstadt. Der Vorbeimarsch an den Königspaaren findet vor dem Geschäft C & A in der Fußgängerzone statt. Anschließend klingt das Fest im Festzelt gemütlich aus. Auch am Sonntag ist der Eintritt frei.

Ihr zur Seite stehen Andreas Vellmer und Jörg Kostrzewa als Adjutanten. So wie Margret Schürk Adjutantin war, als Jörg und Elke Kostrzewa das Königspaar waren.

„Ich fände es schön, wenn die ein oder andere Frau bei uns im Verein sich auch überlegt, mal um die Königswürde mitzuschießen“, hofft Margret Schürk auf viele Nachahmerinnen.

Das „Wir“-Gefühl im Verein zu stärken, ist das Ziel

Auch wenn ihr Mann als stellvertretender Geschäftsführer des Vereins weiß, dass es immer schwerer wird, genügend Anwärter für die Königswürde zu finden.

Gemeinsam wollen sie in ihrer Regentschaft das „Wir“-Gefühl im Verein stärken. „Alleine können wir nichts machen, wenn wir nur mit unseren Adjutanten zu den anderen Vereinen fahren, dann wäre das schade. Ich wünsche mir, dass wir viele Mitglieder dabei haben, wenn wir den Verein repräsentieren“, so König Margret I., die mit spürbarer Begeisterung in die zweijährige Regentschaft startet.

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