Kein Nachfolger: Lüner Traditionsfirma Gück schließt nach 87 Jahren

dzEnde September

Ihr Großvater hatte die Firma Gück 1932 gegründet. Nun müssen Wiegand und Ulrich Gück den Traditionsbetrieb schließen. Denn sie finden einfach keinen Nachfolger.

Wethmar

, 29.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Bodenbeläge, Laminate, Tapeten, Farben und Zubehör - die Firma Gück hat sich seit 87 Jahren damit einen Namen gemacht. Nun ist aber Ende September Schluss. „Wir haben leider keinen Nachfolger gefunden“, so Wiegand Gück. Der 60-Jährige und sein Bruder Ulrich (58) führen die Firma seit 1996 jeweils als Zweitberuf.

Dass der Betrieb an der Münsterstraße in Wethmar nun schließen muss, liegt daran, dass die gute Seele des Betriebs in Rente geht. Dieter Pawelz ist seit 40 Jahren bei Gück und seit mehr als 47 Jahren berufstätig. Jetzt möchte der 63-Jährige einen neuen Lebensabschnitt beginnen.

Großvater Wilhelm Gück war der Gründer

Gegründet wurde die Firma Gück 1932 an gleicher Stelle von Wilhelm Gück, dem Großvater der heutigen Besitzer. Der Gründervater startete seinerzeit mit dem technischen Handel. Dazu gehörten Gummiplatten, Dichtungen Schläuche etc. Von daher komme auch der Name „Gummi Gück“, wie Wiegand und Ulrich Gück erklären.

Deren Vater Wilfried stieg dann ins Geschäft mit ein und übernahm es. Das war Anfang der 1970er Jahre. Zu dieser Zeit kamen dann die Bodenbeläge hinzu, die in den Folgejahren Schwerpunkt des Geschäftes wurden.

„Unsere Haupttätigkeit heute ist der Verlegeservice, der Verkauf der Bodenbeläge in Verbindung mit der Renovierung von Wohnungen oder beim Neubau“, so Wiegand Glück.

Die drei Kinder Kerstin, Ulrich und Wiegand hatten andere Berufspläne als der Vater. Die Tochter interessierte sich für Pharmazie und wurde PTA. Ulrich Gück absolvierte zwar seine kaufmännische Lehre im väterlichen Betrieb, ist jetzt aber in einer anderen Firma tätig. Und der Älteste studierte Tiermedizin, arbeitet heute in seinem Berufsfeld bei der Stadt Hamm.

Söhne halfen schon als Kinder und Jugendliche mit

Als Wilfried Gück am 31. März 1996 starb, waren die beiden Söhne von einem Tag auf den anderen wieder enger mit dem Betrieb verbunden, den sie schon als Kinder gut kannten. Weil die Familie an der Firma wohnte, mussten Wiegand und Ulrich Gück immer mal das Bandmaß halten, wenn ein Teppichstück abgeschnitten wurde. „Als wir dann den Führerschein hatten, bildeten wir ein Zweierteam und lieferten mit aus“, erinnert sich Wiegand Gück.

1996 wurde die Firma dann der Zweitberuf der Brüder. Wiegand Gück: „Wenn wir Feierabend hatten oder samstags haben wir immer im Laden mitgearbeitet.“ Denn sie wollten den zehn Mitarbeitern, die vor 23 Jahren für Gück tätig waren, Sicherheit bieten.

Kein Nachfolger: Lüner Traditionsfirma Gück schließt nach 87 Jahren

Wiegand Gück (v.l.), Dieter Pawelz und Ulrich Gück im Verkaufsraum der Firma Gück, die Ende September schließen wird. © Beate Rottgardt

In der Woche kümmerte sich Dieter Pawelz um Aufträge, Koordinierung und Kunden. „Ich hab jetzt 47 Berufsjahre voll, hab mit 16 Jahren angefangen“, sagt er. Seine Chefs gönnen ihm mehr Freizeit.

Ulrich Gück: „Wir haben schon längere Zeit über eine Nachfolgeregelung nachgedacht.“ Große Hoffnung hätten sie in einen Mitarbeiter gesetzt, den sie extra eingestellt hatten, damit er die Firma übernimmt. Doch das hat nicht geklappt, der Mann ist inzwischen auch nicht mehr Mitarbeiter bei Gück.

Dann gab es wieder einen Hoffnungsschimmer. Fünf Monate lang verhandelten die Brüder mit einem Interessenten. Wiegand Gück: „Es wurden schon Gespräche mit Bank und Steuerberater geführt. Aber dann kam doch eine Absage.“

Keine gute Nachricht für die Chefs und ihre derzeit noch sechs Mitarbeiter. „Aber wir werden auch nicht jünger, das Problem würde sich in wenigen Jahren wieder stellen, wenn wir jetzt noch weitermachen“, so der ältere Bruder.

Die Lieferanten werden derzeit informiert, dass am 30. September die Firma schließt. Natürlich wird auch den Kunden mitgeteilt, dass es dann nicht mehr weitergeht.

Auch kleinerer und neuer Standort wären möglich

Stammkunden hat die Firma viele. Den Bauverein ebenso wie Sparkasse, Volksbank, Stadtwerke oder Caterpillar. Ulrich Gück: „Aber auch in vielen Anwaltskanzleien und Arztpraxen haben wir die hochwertigen Böden gestaltet.“

Auch wenn der Entschluss getroffen wurde, ein bisschen traurig ist die 3. Gück-Generation schon. Wiegand Gück: „Wir hätten gerne gesehen, dass es weiterläuft, man hätte die Firma ja auch an einem anderen Standort und kleiner weiterführen können.“

Was mit dem Grundstück und den Gebäuden der Firma wird, haben die Brüder Gück noch nicht entschieden. Bis zum 30. September werden noch alle laufenden Aufräge erfüllt und die noch vorhandene Ware abverkauft. Gegen Ende kann es noch einen Schlussverkauf geben.
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