Kein Fair Trade bei Stolzenhoff, Kanne und Gefromm? Chefs überrascht von Vorwürfen

dzRede im Stadtrat

Fair gehandelte Produkte sollen der Qualität und den Erzeugern zu Gute kommen. Viele Unternehmen tun sich schwer, solche Produkte zu nutzen. Diesen Vorwurf macht eine Lüner Initiative.

von Kristina Gerstenmaier, Marc Fröhling

Lünen

, 12.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sei unverständlich, sagte Ulrich Weber in der letzten Ratssitzung 2019 im Dezember, „warum sich Lünens größter Getränkehandel, Lünens wohl größte Bäckerei, das größte Cateringunternehmen in dieser Region, aber auch renommierte Hotels bis heute trotz verschiedener Ansprachen dagegen sperren, ein faires Produkt in ihr Angebot aufzunehmen“.

Weber ist Vorsitzender der Lüner Initiative gegen globale Armut (Liga) und sprach im Stadtrat, weil Lünen erneut als „Fair Trade Stadt“ ausgezeichnet wurde. Gemeint waren in der Rede unter anderem Getränke Gefromm, die Bäckerei Kanne und Caterer Stolzenhoff. Die Vorwürfe können die meisten Chefs nicht verstehen.

Das sagt Kanne-Chef Wilhelm Kanne

„Wir haben uns öfter mit der Liga zusammengesetzt und nach vernünftigen Lösungen gesucht“, sagt Kanne-Geschäftsführer Wilhelm Kanne. „Deswegen verstehe ich nicht, dass die uns so angehen, wir wollen uns auf keinen Fall sperren.“

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Den Kaffee beziehe Lünens größte Bäckerei über einen Kaffeepartner namens Joliente, der zwar nicht das offizielle Fair-Trade-Logo trage, aber Projekte, beispielsweise eine Schule in Tansania unterstütze. Mit anderen Produkten, wie zum Beispiel Schokolade, sei es „wegen der technischen Voraussetzungen“ schwierig. „Wir sind da sehr verhalten aufgestellt“, sagt Kanne. „Wir wollen auch nicht mit nur einem Produkt suggerieren ‚Kanne arbeitet mit fairen Produkten‘. Das halte ich für Augenwischerei. Das widerstrebt mir.“

Das sagt Stolzenhoff-Chef Helmut Stolzenhoff

„Wir können uns nicht erinnern, angesprochen worden zu sein“, sagt Helmut Stolzenhoff. Bei vielen Produkten setze das Unternehmen nicht auf Fair-Play-Marken sondern darauf, dass sie regional hergestellt werden, etwa beim Fleisch oder Fisch. „Das sind dann kurze Wege, die sind gut für die Umwelt, und die Arbeitsbedingungen sind auch gut.“

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Das sagt Gefromm-Chef Jochen Gefromm

„Mit mir hat es darüber in den letzten Jahren kein Gespräch gegeben“, sagt Jochen Gefromm, „deswegen kann ich mir diesen Vorwurf jetzt nicht erklären.“ Er sei sehr erstaunt darüber.

Vor einigen Jahren hätte das Unternehmen einen Versuch mit Fair-Trade-Produkten gestartet, die seien jedoch nicht verkauft und deshalb wieder aus dem Sortiment genommen worden. Statt Fair Trade verkaufe Gefromm viele Bio-Produkte.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Artikels hatten wir geschrieben, dass sich die Kritik von Ulrich Weber auch gegen das Ringhotel am Stadtpark gerichtet hätte. Dem hat Ulrich Weber mittlerweile widersprochen - er habe ein anderes Hotel gemeint. Wir haben die entsprechenden Passagen entfernt.

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