Kaum Regen: Klima-Krise setzt Wäldern, Feldern und Gärten zu

dzDürre im April

Der April hat den Ruf, besonders wechselhaft zu sein: Mal gibt es Regen, dann Sonne. In den vergangenen Jahren gibt es jedoch fast nur noch Sonne, in diesem ist die Dürre besonders extrem.

Lünen, Selm

, 22.04.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Rund 50 Millimeter Niederschlag wären eigentlich die normale Menge, die es im April geben sollte. Doch die Messstelle des Deutschen Wetterdienstes in Waltrop registrierte in diesem Jahr bislang gerade einmal 6 Millimeter - und das auch nur, weil es am vergangenen Samstag einmal kräftig schauerte.

„Im Süden des Kreises Unna sind wir bei gerade mal 2 Millimetern“, erklärt Thomas Kesseler-Lauterkorn, Diplom-Meteorologe im regionalen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes in Essen.

Diese enorme Trockenheit macht derzeit vielen zu schaffen: den Landwirten, deren Saat im Boden nicht richtig aufgeht, den Gärtnern, die pflanzen wollen, den Förstern, die mit bangen Blicken auf nur spärlich ausschlagende Bäume schauen und der Feuerwehr, die vor Bränden warnt.

Feuerwehr sieht Brandgefahren

Zwar hat der Kreis Unna keine größeren zusammenhängenden Waldflächen, dennoch ist die Waldbrand-Gefahr vorhanden, erklärt Kreisbrandmeister Thomas Heckmann. Er warnt vor allem davor, Unkraut abzuflämmen. Und er erinnert an das Rauchverbot im Wald, das vom 1. März bis 31. Oktober gilt. Wer eine Zigarettenkippe aus dem Auto herauswirft, begehe sogar eine Ordnungswidrigkeit.

Die Feuerwehren vor Ort sind für alle Fälle gerüstet. „Die in 2017 und 2019 beschafften Tanklöschfahrzeuge besitzen neben einem großen Löschwassertank auch entsprechende Gerätschaften für die Bekämpfung von Waldbränden, sind geländegängig und haben eine spezielle Selbstschutzanlage“, erklärt Benedikt Spangardt, Sprecher der Stadt Lünen. Bei größeren Waldbränden könne zudem auf Konzepte auf Kreis-, Bezirks- oder Landesebene zurückgegriffen werden.

Förster schaut bangen Blickes auf den Cappenberger Wald

Förster Elmar Berks sorgt sich indes nicht wegen möglicher Feuer um den Cappenberger Wald. Aktuell sei man „zwar noch im grünen Bereich, im Winter gab es ja einiges an Niederschlag“, doch die Schäden der beiden heißen Sommer 2018 und 2019 sind deutlich sichtbar. „Ich befürchte, dass das weitergeht. Die Fichte ist stark betroffen, jetzt geht es an die Buchen.“ Schädlingen, wie dem Eichenprozessionsspinner, kommt die Witterung ebenfalls zugute.

„Die ohnehin geschädigten Bäume mit trockenen Kronen erhalten dann auch noch Sekundärschäden durch Schädlinge“, erklärt Berks. Deshalb bräuchte es gerade jetzt Niederschlag. Für die Bildung von Blüten und Blättern brauchen die Bäume Nährstoffe. „Die brauchen Wasser, sonst sind sie nur spärlich belaubt“, erklärt der Förster.

Viel eingreifen kann Berks im 1000 Hektar großen Cappenberger Wald nicht. Den Baumbestand zu minimieren, um den übrigen Bäumen zu helfen, wäre sogar kontraproduktiv. „Dadurch wird das Laubdach lichter, die Sonne hat mehr Angriffsfläche und kann den Boden noch stärker austrocknen“, erklärt er. Und nicht nur das: Auch die Rinde der Bäume könnte Sonnenbrand bekommen. „Dichtere Bestände sind daher immer besser“, erklärt Berks. Doch die brauchen auch viel Wasser.

Meteorologen erkennen im neuen April den Klimawandel

Dass es das in absehbarer Zeit vom Himmel geben wird, ist eher nicht zu erwarten. „Dieser April ist im Vergleich der vergangenen 15 Jahre besonders trocken“, kann Diplom-Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn schon jetzt sagen. „Er war extrem sonnig“ - und könnte damit sogar den bisherigen Rekord-April aus dem Jahr 2007 in den Schatten stellen. Hinzu kommt ein scharfer Wind, der für zusätzliche Austrocknung sorgt. „Es ist gerade eine sehr trockene Luft, das sieht man daran, dass kein Wölkchen am Himmel ist.“

Gerade der April, so erklärt der Fachmann, sei der Monat im Jahresverlauf, der sich am stärksten gewandelt habe. „Hier zeigt sich der Klimawandel am stärksten. Der launische April mit Schneeregen gehört der Vergangenheit an, tatsächlich ist es warm und fast frühsommerlich.“ Dennoch ist mit Spätfrösten zu rechnen - und die machen den Landwirten zu schaffen.

Landwirte befürchten dünne Feldbestände

Die sind auch mit dem Wetter im Februar nicht zufrieden. „Da gab es 100 Millimeter Regen auf einmal und das hat uns die Flächen vernagelt“, erklärt Selms Ortslandwirt Friedhelm May. Es bildete sich eine Kruste, das Wasser versickerte nicht, sondern floss ab.

Dadurch ist der Boden nicht feucht genug, und das Getreide keimt nicht gut. Aus einem Samen komme nur ein Halm, nicht wie sonst mehrere. Von einer „schlechten Bestockung“ spricht der Fachmann daher, und meint, dass die Bestände auf dem Feld sehr dünn sind. Gerade in Selm mit den leichten Sandböden sähe es ganz schlecht aus.

Der Mais wurde gerade erst gelegt. Wenn es regnet, hat er alle Chanchen, wieder gut zu wachsen wie in vielen vergangenen Jahren.

Der Mais wurde gerade erst gelegt. Wenn es regnet, hat er alle Chanchen, wieder gut zu wachsen wie in vielen vergangenen Jahren. © Sabine Geschwinder (A)

„Das ist die gleiche Wetterlage wie 2018. Da beginnt man schon, sich Sorgen zu machen“, sagt May. Der Mais ist erst gelegt, aber das Gras auf den Wiesen ist längst nicht so hoch wie gewöhnlich. „Pferdehalter werden extrem betroffen sein“, weiß May. Die werden Futter zukaufen müssen. Und weil Reitställe wegen Corona schließen mussten, wird das zur weiteren starken Belastung.

Nur der heimische Gärtner kann nachhelfen

Einzig der heimische Gärtner könnte der Witterung ein Schnippchen schlagen. Nicht nur, weil er gießen kann, er könnte Beete auch zuwachsen lassen und Anbauflächen mulchen, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten. „Einfach den Rasenschnitt fünf Zentimeter dick auf dem Land verteilen“, erklärt Werner Heidemann, Diplom-Gartenbauingenieur und Geschäftsführer des Landesverbands Westfalen und Lippe der Kleingärtner.

Auch Hacken, so erklärt er, helfe nicht nur gegen Unkraut, sondern trenne auch die Bodenschichten. „So werden die Capilaren abgetrennt und das Wasser steigt nicht mehr an die Oberfläche, wo es verdunstet.“

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